Sonntag, 7. September 2008

The Beck Experience

So, nun sind die Fronten in der SPD für's Erste geklärt: Frank-Walter Steinmeier ist Kanzlerkandidat, Kurt Beck hat sich beleidigt zurückgezogen und Franz Müntefering is beck, ich meine natürlich: is back - und sitzt stärker im Sattel als je zuvor. Denn die Ereignisse des Wochenendes sind vor allem eines: eine vernichtende Niederlage für den linken Flügel der Partei, also für diejenigen, die noch nicht zur Linkspartei übergelaufen sind.

Zwar halte ich Beck für alles andere als einen Klassenkämpfer oder einen bedeutenden Arbeiterführer. Aber unter seiner Ägide war es immerhin möglich, über linke Alternativen nachzudenken. Plötzlich schien die Agenda 2010 nicht mehr in Stein gemeißelt. Auf Landesebene wurden Bündnisse mit den Linken nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Und dass Andrea Nahles so ziemlich die einzige hochrangige Sozialdemokratin ist, die Becks Rücktritt bedauert, ist kein Zufall - ebenso wenig, dass sich Andrea Ypsilanti bedeckt hält. Ihr mühsam errichtetes rot-grünes Kartenhaus unter Duldung der Linken droht nun wieder zusammenzustürzen, wenn Müntefering kräftig pustet.

Das mit dem zarten Linksrückchen hat nun sicherlich ein Ende. Parteisoldat Münte wird die Zügel schon straff anziehen - darin hat er Übung. Es bleibt abzuwarten, was für Folgen das nach sich zieht. Sicherlich eine schärfere Abgrenzung zur Linkspartei - was für die SPD sowohl die Rettung als auch das endgültige Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit bedeuten kann. Ich tippe auf letzteres. Mit einem weiteren Herumhacken auf der linken Konkurrenz bedient man nur den konservativen Medienapparat, der täglich vom Wahlvolk nachgeplappert wird. Es hilft eben nichts, andauernd nur ohnmächtig über die Kommunisten zu schimpfen - das können die Genossen getrost Pofalla überlassen. Ein erklecklicher Teil der wählenden Bevölkerung fordert nun mal eine soziale Politik - und wenn die Wähler diese von einer erstarkenden Rechts-SPD nicht bekommen, wählen sie eben links.

Oder sie wählen Steinmeier. Außenminister sind in diesem Land traditionell hoch angesehen, egal, was sie so alles verbocken. Ob es allerdings schlau ist, den einzigen vorzeigbaren Kandidaten ausgerechnet in die völlig aussichtslose Wahl 2009 zu schicken, sei einmal dahingestellt - aber alles, was geeignet ist, eine absolute CDU-Herrschaft zu verhindern, sollte zumindest versucht werden. Es steht zuviel auf dem Spiel.

Kommentare:

buchstaeblich hat gesagt…

Wenn bei der anstehenden Bayern-Wahl die SPD Stimmen bekommt, wird man hoffentlich auf höchster Spezialdmokraten-Ebene nicht vergessen, dass hier einige Leute schlicht beschäftigt sind mit der Bemühung, die CSU vom Baum zu holen.

Nicht, dass die meinen, man fände sie hier ernsthaft prima!

Dr. No hat gesagt…

Die CSU vom Baum zu holen: ein ehrenwertes Ziel, für das sich so manches Opfer lohnt. Sogar ein Kreuz bei der SPD - ich hoffe nur, die Bayern sind sich im klaren darüber, dass es nicht zwangsläufig die SPD sein muss, bei der man sein Kreuzchen macht, um das Regime der Christsozialen zu beenden. Jede andere Partei tut's schließich auch. (Von Nazis mal abgesehen.)