Freitag, 18. Juli 2008

Schatz, haben wir noch irgendwo Problemlösungs-Pillen?

Wer kennt das nicht: Da will (oder muss) man einen möglichst interessanten Text formulieren, etwa für seinen Blog, oder man braucht bei der Arbeit dringend eine zündende Idee - aber es fällt einem partout nichts ein. Das muss nicht sein, schließlich gibt es Mittelchen dagegen - meint die Pharma-Industrie und will uns nun ihre Demenz-Medikamente als Gehirn-Turbolader verkaufen, die die grauen Zellen ordentlich auf Trab bringen sollen.

Dass sich ein Wirkstoff, der gegen Alzheimer eingesetzt wird, auch als Mittel zur Verbesserung der "normalen" Gedächtnisleistung vermarkten lässt, ist ja auch irgendwo naheliegend. Vielleicht ein bißchen zu naheliegend. Man mag mich eines übertriebenen Misstrauens zeihen, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, da soll eine neue Einnahmequelle erschlossen werden, weil Alzheimer allein als Absatzmarkt nicht lukrativ genug ist.

Schließlich müssen die Pharma-Unternehmen ständig überlegen, wie sie weiterhin ihre Umsätze steigern wollen: Die lancierte Cholesterin-Panik zieht längst nicht mehr so wie früher; die Regierungen haben sich mittlerweile hinreichend mit Tamiflu eingedeckt - das ist auch kein Wachstumsmarkt mehr, schließlich hat die Vogelgrippe irgendwann ihren medialen Schrecken verloren - und die Kampagne mit den "Wechseljahren des Mannes" war wohl auch nicht so erfolgreich wie geplant.

Da kommt doch ein Schlaumach-Mittel gerade recht! Schließlich kann man das schon an 16-Jährige verkaufen, denen täglich von den Medien eingetrichtert wird, sie wären zu doof, um irgendeinen Beruf ergreifen zu können. Nun gut: Ich kenne tatsächlich Leute, denen man ein solches Mittelchen zur Belebung der Denkfähigkeit zwangsweise in den Schlund stopfen sollte - etwa wie bei der Gänsemast. Dreimal täglich vor den Mahlzeiten eine Kapsel Kreativität, eine Pille Pfiffigkeit oder ein paar Tropfen Tiefgang - und schon flutschen die brillianten Einfälle nur so heraus oder werden die schlimmsten Torheiten wenigstens vermieden. An sich doch eine prima Idee.

Es sei denn natürlich, es machen sich beim Gehirn-Doping nach Jahren dann doch Nebenwirkungen bemerkbar, von denen man heute noch keinen Schimmer hat. Ich sehe schon das Gesicht meines Hausarztes vor mir: "Tut mir leid, Dr. No, aber Ihr Hirn hat sich zu grünem Schleim zersetzt. Aber machen Sie sich keine Sorgen: Bayer hat ein brandneues Medikament entwickelt, das genau in solchen Fällen hilft . . ." - Würg.

Kommentare:

Impi hat gesagt…

Ich glaub in der Zeit war darüber vor einigen Wochen auch ein längerer Artikel.

Ich kann mich an einen Arbeitgeber erinnern, der uns während einer stressigen Phase, als wir an den Wochenenden Zusatzschichten schieben mussten, dieses "Vita-Sprint" aus der Apotheke gekauft und geschenkt hat.

Das war zwar "nur" ein synthetischer Vitaminmix mit Traubenzucker, aber ich finde es schon komisch, was für ein Bild von "Arbeitskraft" dahinter steckt.

Anderseits ist auch Kaffee Kopfdoping und ohne die braune Plörre würde hierzulande vermutlich die Wirtschaft zusammenbrechen.

Jürgen Winkler hat gesagt…

für jedes Problemchen gibt es eine Pille ... - und wenn nicht: Bayer, Hoechst, BASF und Co. werden's schon richten.

Schöne heile Welt!

Dr. No hat gesagt…

Ich glaube, ich werde meinem Arbeitgeber auch mal vorschlagen, in Stressphasen Stimulanzien zu verteilen. Aber nicht Vita Sprint, sondern gleich - wenn schon, denn schon - Speed, wie damals in Vietnam. So billig kommt sonst keiner an Drogen... ;-)

buchstaeblich hat gesagt…

Wieso wird eigentlich die Apotheken-Umschau nicht allen Haushalten automatisch zugestellt?
Es wäre dann noch soviel einfacher, Zipperlein zur Krankheit der Wahl hochzustilisieren und in der (Online-)Apotheke Großpackungen zu ordern.

Dr. No hat gesagt…

Man könnte das sogar mit neckischen Preisausschreiben verbinden. Oder mit einer Wahl zur Krankheit des Monats...

...aber grundsätzlich finde ich, man sollte so Sachen nicht hochsterilisieren ;-).