Samstag, 18. Oktober 2008

Wall Street meldet: Rettungspaket eingetroffen, Maßnahmen werden eingeleitet!

Im Mittelalter gab es den sogenannten "Zehnt" - eine zehnprozentige Steuer, die von allen an die Kirche gezahlt werden musste, damit die sich davon teure Priestergewänder und goldene Meßbecher kaufen konnte. Diese Abgabe existierte viele Jahrhunderte, bis sie im modernen Zeitalter - ebenso wie die Allmacht der Kirche - etwas unpopulärer geworden ist.

Nun, manche Erfindungen sind zeitlos.

Nicht nur, dass der Geldmarkt schon seit Jahren quasi-religiöse Züge annimmt - mit den Börsen als modernen Kathedralen, Finanzexperten als unfehlbaren Hirten und den Dax-Nachrichten als täglicher Heilsbotschaft zur besten Sendezeit: Jetzt haben die Banker an der Wall Street auch das Prinzip des "Zehnten" wiederentdeckt und stecken sich vom 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket der US-Regierung erst einmal 70 Milliarden Dollar in die eigenen Taschen. Vermutlich mit einem amüsierten Grinsen auf dem Gesicht.

Man muss kein Finanzexperte sein, um zu erkennen, dass damit keine Bank gerettet wird, sondern nur der Lebensstil der Banker. Und das mit Steuergeldern, also unter anderem auch Geldern derjenigen, die sich jeden Tag halbtot schuften, sich trotzdem kein College für ihre Kinder leisten können und nun auch noch Angst haben müssen, wegen der Machenschaften der Wall-Street-Finanzjongleure ihre Stelle zu verlieren.

Ich glaube, etwas derartig Schamloses wie diese Selbstbedienungsorgie mit unübersehbarer Stinkefingergeste in Richtung des Pöbels hätte ich mir niemals ausdenken können. Das Leben denkt sich immer noch die besten Geschichten aus. Bleibt die Frage, wie diese Aktion ankommt bei Menschen, die von den Banken gerade aus ihrem Haus geworfen wurden, aber immer noch ihren Schrank voll Schusswaffen haben.

Kommentare:

Greta hat gesagt…

Für genau solch eine Situation sind die Melitias in Amerika gegründet worden: Wenn der Staat sich gegen das Volk wendet, oder der Staat Kräfte unterstützt, die sich gegen das Volk wenden. Nun, dieser Anlass ist jetzt (eigentlich vorher schon, aber wen kümmerts) eingetroffen. Mal sehen, ob die Melitias sich nun an den Grund ihrer "Daseinsberechtigung" und Gründung erinnern, und Taten folgen lassen, oder ob es ihnen doch nur darum geht im Garten rumzuballern und dummdumpf rumprollend auf starke Macker zu machen..... wir werden sehen. Aber kann man Mitleid haben mit einem Volk, daß sich Busch und Konsorten gewählt hat? Das voll von christlichen Fanatikern steckt? Das alles außerhalb Amerikas als Entwicklungsländer sieht, die amerikanisiert werden müssen? Denen nur die Lust auf Krieg vergeht weil einige ihrer "Boys" dran glauben müssen? Die Monster wie Monsanto hervorgebracht haben? Die die Fettsucht zur Vervollkommnung treiben? Die Folter Werkstätten wie Guantanamo erfinden? Die Liste kann man endlos weiterzuführen. Muss man mit solch einem Volk Mitleid haben? Oder sollte solch ein Volk nicht vielleicht doch besser selbst Pleite gehen, damit es nicht mehr in der Welt mitmischen (und bomben) kann???

Greta hat gesagt…

.....ups, ich meinte natürlich "Militias" und "Bush"... peinlich....