Donnerstag, 26. Juni 2008

Das kann doch einen (Möchtegern-)Seemann nicht erschüttern

Gestern wurde in Hamburg das "Internationale Maritime Museum" eröffnet. Es präsentiert die größte maritime Sammlung der Welt in einem beeindruckenden alten Speichergebäude - sicher mittelfristig eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Hansestadt, aber nicht jeder ist glücklich damit. Und das aus gutem Grund.

Bereits im Vorfeld gab es massive Kritik an der Schau des Museumschefs Peter Tamm, seines Zeichens früherer Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlages. Dessen Sammelwut hatte diese riesige Privatsammlung hervorgebracht, die er bis vor wenigen Jahren in seiner Villa in der Elbchaussee unterbrachte. Tamm, der offenbar bei Springer ganz gut verdient hat, stopfte dieses Gebäude voll mit Schiffsmodellen, Uniformen und Waffen und platzierte Torpedos, Geschütze und ein komplettes Schnellboot in seinem Garten. Vermutlich verfügte Peter Tamm über mehr Feuerkraft als die finnische Marine.

Worüber er auf jeden Fall verfügt, ist ein ausgeprägt autoritäres Weltbild. Er sieht die Befehlshierarchie auf einem Schiff - wo der Kapitän unumschränkt das Sagen hat - als Vorbild für ein funktionierendes Staatswesen: "Da gibts nicht so viel Gerede, sondern wäre 'ne klare Ordnung", meinte er einmal; und selbst Axel Springer soll ihn bisweilen als Rechtsradikalen bezeichnet haben. Außerdem wäre er nach eigenem Bekunden gerne Admiral geworden. Dementsprechend sei die Ausstellung viel zu militärlastig und geradezu kriegsverherrlichend, heißt es seit geraumer Zeit von Seiten der Museumsgegner. Ich vermag das nicht zu beurteilen, ohne mir das Museum gründlich angesehen zu haben. Ich halte es aber für nicht unwahrscheinlich.

Das scheint mir aber auch nicht das Hauptproblem zu sein, denn eine militärverherrlichende Ausstellung ließe sich normalerweise notfalls immer noch neu konzipieren. Aber nicht in diesem Fall, nicht in den nächsten paar Jahren. Und das ist der eigentliche Skandal. Denn Tamm kann in seinem (!) Museum machen, was er will. Wer ihn zu stören versucht, wird vermutlich auf eine Kanone gebunden und mit der neunschwänzigen Katze bearbeitet.

Die Stadt Hamburg überließ der eigens eingerichteten "Stiftung Peter Tamm" als Träger des Museums 2002 den unter Denkmalschutz stehenden Kaispeicher B für nicht weniger als 99 Jahre - und zwar für lau. Den nötigen Umbau finanzierte die Hansestadt mit 30 Millionen Euro - mehr, als alle anderen Museen zusammen an Zuschüssen bekamen. Ermöglicht hat dies die Kultursenatorin Dana Horáková, die 2002 von der unheiligen Senats-Allianz aus CDU, FDP und Schill-Bande ernannt wurde und - welch Zufall aber auch! - zuvor als Redakteurin für die "Bild"-Zeitung und die "Welt am Sonntag" arbeitete. Kurz: Ehemalige Springer-Angestellte schiebt ehemaligem Springer-Chef Millionen an öffentlichen Geldern über den Tisch, damit der sich seinen Kindheitstraum erfüllen kann. Nebenbei gesagt war es auch Frau Horáková, die ihrem Ex-Chef den Professorentitel zugeschanzt hat.

Aber es kommt noch schlimmer. Die Stadt Hamburg, die so viel Geld locker gemacht hat, verzichtet auf jegliches (!) Mitspracherecht bei der inhaltlichen Konzeption des Museums. Dies geht aus dem zwischen der Stadt und der Tamm-Stiftung geschlossenen Vertrag hervor:

Die Vertragsparteien stellen ausdrücklich klar, dass das alleinige Entscheidungsrecht über die Präsentation der musealen Sammlung Peter Tamm, die Auswahl der Exponate, die Gewährung und Entgegennahme von Leihgaben, die Durchführung von Ausstellungen, Vorträgen und der gesamte Betrieb des Museums allein bei der Peter Tamm Sen. Stiftung liegt.” - zit. nach F. Möwe, Tamm-Tamm, Hamburg 2005, S.80

Der Vorstand der Stiftung besteht aus Tamm und seiner Geschäftsführerin, wobei im Zweifel Tamms Stimme entscheidend ist. Darüber hinaus ist die Finanzierung des laufenden Betriebs noch keineswegs gesichert - die Stiftung verfügt trotz Spenden aus der hamburgischen Wirtschaft nicht über genügend Kapital; außerdem wird sich zeigen, ob die recht hoch angesetzte Kalkulation von 150.000 Besuchern jährlich aufgehen wird. Es ist abzusehen, dass das Museum der Stadt noch mehr Geld kosten wird.

Nicht falsch verstehen: Ich finde es höchst erfreulich, wenn Steuergelder auch mal wieder für Museen ausgegeben werden. Aber die Öffentlichkeit - sprich: die Politik - darf sich dabei nicht ihrer Aufsichtsmöglichkeit entledigen; schon gar nicht, wenn die Gefahr besteht, dass sie ansonsten nur den Goldesel für die militaristisch-feuchten Träume eines waffenverliebten Marinefetischisten abgibt. Die Entstehungsgeschichte des Tamm-Museums scheint mir so sehr dem hanseatischem Klüngel zu entspringen (von dem sich offenbar auch der Spiegel nicht freimachen kann, da er auf jegliche kritische Reflexion verzichtet), dass die Finanzierung schon fast einer Veruntreuung öffentlicher Gelder gleicht.

Kommentare:

Greta hat gesagt…

30 Millionen? Ach so, da gehen meine sauer verdienten Steuergelder hin. Da sieht man mal: Kleinvieh (wir Steuerzahler) macht auch Mist. Tja und fette Schweine werden gemästet... Der Hamburger Klüngel dürfte Vorbild für alle sein, die wieder eine (Geld-)Monarchie einführen wollen.

Dr. No hat gesagt…

Sind ja gottseidank Hamburger Steuergelder - und da die Hamburger den Mann wiedergewählt haben, der mit dem Schill-Pack gemeinsame Sache gemacht hat, haben sie's wohl auch nicht besser verdient.

700 Jahre Herrschaft des Geldadels scheinen wohl doch in Fleisch und Blut überzugehen - sogar bei den Beherrschten.

Gruß