Sonntag, 29. Juni 2008

Es war nicht alles schlecht in der großen Koalition - z.B. die Autobahnen

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) möchte künftig die rechte Fahrspur auf der Autobahn nur für Lkw reservieren. Die andere(n) Spur(en) sollen Lastwagen durch ein grundsätzliches Überholverbot nicht mehr benutzen dürfen. Wer kann es dem Minister verdenken - ähnliche Gedanken hat jeder Pkw-Fahrer schon mal gehabt, wenn er hinter einem 40-Tonner herzuckelt, der einen anderen 40-Tonner mit gefühlten 0,0001 km/h mehr zu überholen versucht.

Ich befürchte nur, dass der gute Mann schon lange nicht mehr selbst über eine Autobahn gefahren ist. Dann würde ihm nämlich dämmern, dass ein solcher Schritt wirkungslos verpuffen würde, da sich Lkw-Fahrer an ein generelles Überholverbot wohl ebensowenig halten werden wie an die generelle Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h.

Um ein solches Überholverbot nachhaltig durchsetzen zu können, würde ich vorschlagen, den Streifen zwischen der rechten Spur und den anderen zu verminen. Gut, das würde vielleicht in den ersten Wochen nicht gerade zu einem Rückgang bei den Staus führen. Aber man muss ja langfristig denken. Und außerdem Arbeitsplätze schaffen.

Kommentare:

Jürgen Winkler hat gesagt…

Richtig genial finde ich auch seine Idee, den Standstreifen für den Verkehr freizugeben. Links fahren die Pkw's in der Mitte die Lkw's und rechts, auf dem Standstreifen wieder Pkw's.

Und da stehst du dann mit einer Reifenpanne auf dem Standstreifen, wechselst gerade deinen rechten Hinterreifen, und siehst hinter dir einen BMW ungebremst mit 180 Sachen auf dich zubrettern. Toll! Was haben wir doch für einen genialen Verkehrsminister.

Vielleicht war das ja in der DDR anders. Aber ich habe in der Fahrschule noch gelernt, dass es nach der Straßenverkehrsordnung ausdrücklich verboten ist, den für Notfälle vorbehaltenen Standstreifen als Fahrbahn zu missbrauchen.

Gruß,
juwi

MichaelFAUST hat gesagt…

Man stelle sich nur vor, was auf den 2-spürigen Autobahnen passieren würde, die am meisten vertreten sind: Staus von PKWs auf der linken Spur, weil sie ja nicht auf der LKW-Spur fahren dürften – ein Traum für Raser und Drängler, die dafür bestraft werden, dass sie ständig links fahren. Ein Ärgernis für alle PKW Fahrer, die auf einmal hinter den langsamen Opas hinterherdüseln dürfen. Und dabei bleibt die rechte Spur Samstags und Sonntags absolut frei – weil die LKWs an diesen Tagen nicht fahren.

Nein, im Ernst: Ich halte diesen Vorschlag für nicht sehr sinnvoll – mal abgesehen davon, dass ich mich ebenfalls über die Elefantenrennen ärgere – das wäre nur eine weitere Einnahmequelle für die Polizei. Die Straßen sind in Deutschland viel zu eng, um so eine Regelung überhaupt zu erwägen. Und Staus vermeiden würde es nicht. Dann lieber doch mehr in den Straßenbau investieren. Aber bei steigenden Spritpreisen wird es in naher Zukunft sowieso viel weniger Autofahrer unterwegs sein, denn ich gaube nicht, dass der Preis sich je wieder senken wird. Eher steigen.

LG Michael

Dr. No hat gesagt…

@Juwi: Ist doch alles in Butter. Wenn der BMW volles Rohr in den Reifenwechsler gekracht ist, haben wir doch den Notfall, für den der Standstreifen eigentlich da ist... doof nur, wenn es auf dem entsprechenden Streckenabschnitt zu lauter solchen Unfällen kommt. Dann müssen sich die Rettungskräfte eben von der Auffahrt an nach vorne durcharbeiten ;-).

@Michael: Rechts eine einzige Lkw-Karawane von Hamburg bis Ulm, links ständig offene Ausbrüche von bewaffneten Feindseligkeiten - interessant wird das allemal. Vielleicht pachte ich mal eine Raststätte und baue dort eine Beobachtungstribüne, mit Bier und Popcorn, an.

@alle: Morgen werde ich mal ein wenig Feldforschung betreiben können, da ich 800km Autobahn vor mir habe. Die Erfahrung lehrt mich, dass ich anschließend die Anwendung mittelalterlicher Foltermethoden für überholende, rasende oder Schlangenlinie fahrende Lkw-Fahrer fordern werde. Aber auf mich hört ja sowieso keiner...

Im Ernst: Ich habe wenig Hoffnung, dass die Zahl der Autofahrer deutlich zurückgehen wird. Zum einen wird von den Arbeitnehmern immer mehr Flexibilität und Mobilität verlangt, zum anderen wird die Bahn mit Sicherheit weitere Strecken dichtmachen. Wo das hinführen soll, kann ich nicht ermessen - so weit, dass manche Leute auf Urlaub oder teure Vergnügungen verzichten, um im Winter heizen zu können, sind wir ja jetzt schon.

Gruß

MichaelFAUST hat gesagt…

Ahja, ganz vergessen: wie komme ich den vom Autobahn runter, wenn ich nicht auf den rechten Streifen kommen darf?

LG Michael

Dr. No hat gesagt…

Mit solchen Detailfragen werden sich bestimmt ein paar Ausschüsse befassen, die ihrerseits wiederum Unterausschüsse mit exakt umrissenem Aufgabengebiet bilden werden ;-)

buchstaeblich hat gesagt…

Wenn die LKW nicht mehr nebeneinander fahren dürfen, können sie ja gar nicht mehr gegenseitig die geschmackvollen Accessoires in ihren Fahrerkabinen bewundern.
Was, wenn dadurch die Produktion von Blechschildern mit "Kevin" zurückgeht?

Dr. No hat gesagt…

Die Leute, die bislang in der Produktion von Kevin-Schildern beschäftigt waren, finden bestimmt neue Stellen bei der Feuerwehr. Dort wird jeder Mann gebraucht, wenn demnächst reihenweise Lkw-Fahrer durchdrehen und Amok fahren, weil sie nicht mehr überholen dürfen.