Mittwoch, 30. Dezember 2009

Mach dich nackich

War ja klar - kaum zündet sich ein durchgeknallter Muselmane das Bein an, ziehen alle möglichen Seiten alle möglichen Rückschlüsse daraus und fordern alle möglichen Konsequenzen. Und schon wird 7000 Kilometer entfernt der eigentlich politisch schon totgesagte Nacktscanner wieder exhumiert und, mit einer euphemistischen Bezeichnung versehen, auf die Bevölkerung losgelassen. Die Niederlande machen's vor, und wann Deutschland nachzieht, ist nur eine Frage der Zeit.

Der Verlauf dieser Angelegenheit ist dermaßen klassisch, dass man würgen könnte. Nachdem die westliche Welt zwei volle Tage darüber rätselte, ob der verhinderte Attentäter etwas mit Al-Qaida zu tun haben könnte - der berüchtigten Totschlägervereinigung, die immer so straff organisiert wie ein Kleintierzüchterverein dargestellt wird, aber es nach wie vor nicht hinkriegt, seine Mordbüttel mit anständigen Mitgliedsausweisen auszustatten -, meldete sich eben diese zum Weltfeind Nr.1 hochgehypte Terrorgang und bekennt sich zu diesem auf ziemlich erbärmliche Art gescheiterten Anschlag. Vermutlich haben sie so lange gebraucht, um auf ihren dampfbetriebenen Uraltcomputern die hässliche Fotomontage zusammenzutackern. Was sollen sie denn auch sonst machen - man hat ja einen Ruf zu verlieren.

Die Geheimdienste gelten mal wieder als Versager, weil sie es nicht geschafft haben, aus den tausenden von mitgehörten Gesprächen, die sich um irgendwelche Attentatsphantasien drehen, und hunderttausenden Verdächtigen genau denjenigen herauszugreifen und ernstzunehmen, der tatsächlich mit dem aktuellen Fall zu tun hatte. Vermutlich saßen alle Agenten im Schneideraum und haben ein neues, authentisches Bin-Laden-Drohvideo zusammengebastelt. Oder Pressemitteilungen zur aktuellen Bedrohungslage verfasst.

Mehrere Hintermänner des Anschlagsversuchs sollen ehemalige Guantánamo-Häftlinge sein. Daraus kann jetzt jeder machen, was er will: Menschenrechtler sehen sich bestätigt in ihrer These, dass der rechtsfreie Umgang mit "Verdächtigen" nur neuen Terror erzeugt, und die Falken können darauf hinweisen, dass man eben doch lieber keinen der Insassen mehr laufenlassen sollte. Und die Medien haben einen neuen Held zum Feiern - schade nur, dass er kein US-Boy ist, das wäre sexier gewesen.

Die Neocons dreschen auf Obama ein, weil er nach dem Anschlagsversuch nichts von sich hat hören lassen. Sie hätten allerdings ohnehin auf ihn eingedroschen, weil alles außer "Wir werden mit aller Macht zurückschlagen!", gefolgt von einem Luftschlag gegen irgendein Land nach Wahl des Generalstabs, als Inbegriff von Weichheit, Feigheit und Obamahaftigkeit gegolten hätte. Die Bombardierungen folgen selbstverständlich trotzdem, wobei offenbar alphabetisch vorgegangen wird (Irak->Jemen). Aber halt, die jemenitische Regierung hat ja um militärischen Schutz der Großmacht gebeten! Genau wie Deutsch-Südwestafrika und Belgisch-Kongo seinerzeit.

Und dann schließlich folgt, gewissermaßen als nächster Akt (harhar), die Wiedergeburt des Nacktscanners - statt vielleicht lieber mal die Passkontrolle zu verbessern, denn immerhin ist der Attentäter ohne Pass ins Flugzeug gekommen, indem er sich einfach als Flüchtling aus dem friedliebenden und in religiöser Hinsicht zweifellos toleranten Sudan ausgab. Bezüglich der Durchleuchtung von Passagieren bis auf die Haut räumt Innenminister de Maizière (CDU) zwar ein, dass diese Geräte deren Intimsphäre ein wenig, nun ja, beeinträchtigen könnten, und beschwichtigt daher mit der Ankündigung, die Technik werde noch nachgebessert: Den gescannten Personen wird nun vermutlich eine computergenerierte Unterhose (in klassischem Bermudaschnitt, mit Herzchen drauf) über das Gemächt gelegt, was besonders sinnvoll ist, da der Attentäter von Detroit genau dort den Sprengstoff versteckt hatte. Außerdem wird an einem Update der Software gearbeitet, das etwas aus dem Leim geratene weibliche Passagiere auf 90-60-90 herunterrechnet.

De Maizière könnte die Ernsthaftigkeit seiner Überzeugung, dass die Scanner die beste Lösung sind, dadurch unterstreichen, dass er sich selbst von der Maschine nackich machen lässt. Vor der versammelten Presse. Und anschließend seine Frau, seine Mutter und seine drei Kinder. Man könnte natürlich auch Geld sparen, indem man auf die Geräte verzichtet und die Leute einfach zwingt, sich direkt vor den Sicherheitsleuten auszuziehen. Dauert länger, braucht dafür aber mehr Personal und könnte somit geeignet sein, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Tausende erwerbslose Männer würden diese Tätigkeit freiwillig für einen Hungerlohn machen. Als 1-Euro-Jobber etwa.So billig kommen wir nie wieder aus einer Krise.

Das hilft aber bekanntlich auch alles nichts, wenn sich künftige Möchtegern-Attentäter den Sprengstoff einfach in den Arsch schieben, falls dort noch Platz ist. Aber auch da wird das Innenministerium umgehend reagieren und entsprechende Weisungen erlassen. Statt mit dem Piepding in der Hand höflich "Drehen Sie sich bitte einmal um" zu sagen, heißt es dann vom freundlichen Sicherheitsbeamten, während er sich den Latexhandschuh anzieht: "Würden Sie sich bitte vorbeugen und die Beine auseinandernehmen?"

Kommentare:

Ruediger hat gesagt…

Es wurde die geschickte Umbenennung zum Körperscanner lanciert. Alles wird gut.

juwi hat gesagt…

Dass die englische Plutoniumküche "Sellafield" früher einmal "Windscale" hieß haben die Leute auch nicht vergessen. Namen ändern nichts an der Natur der Dinge.

Die Leute werden sich von einem "Körperscanner" ebenso ausgezogen fühlen, wie von einem Nacktscanner. Ich würde mir, wenn es soweit kommen sollte, von so einem Ding nicht den Urlaub vermiesen lassen, und mir ein Urlaubsziel aussuchen, dass man ohne Flugzeug erreichen kann.

Komm gut ins neue Jahr,
juwi