Montag, 16. November 2009

Verdienstkreuz als Kreuzfahrerorden

Wofür man heutzutage so alles das Bundesverdienstkreuz bekommt... zu den neuesten Trägern des begehrten ausgestanzten Blechteils gehört nun auch Hubertus Knabe, seines Zeichens Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen und missionarischer Eiferer gegen die Linke. Den Orden erhalte er für sein Engagement "für Freiheit und Demokratie und für die Aufarbeitung des SED-Unrechts", heißt es; und ich möchte hinzufügen: Offenbar auch dafür, rot und braun ständig in einen Topf zu werfen und die bloße Existenz der Linkspartei als eine Art von langer Hand geplanter stalinistischer Verschwörung anzusehen.

Nichts gegen die Aufarbeitung des SED-Unrechts - zweifellos eine wichtige und notwendige Aufgabe. Aber Knabe hat sich meines Erachtens in einen geradezu epischen Haß gegen alles, was auch nur indirekt auf die DDR zurückgeführt werden kann, verbissen und in seiner Kreuzzugsmentalität mehr als einmal den Boden demokratischer Werte verlassen. Und dadurch, dass sich dauernd alle möglichen Medien bei ihm als Sprachrohr andienern, bekommt er eine Öffentlichkeitswirksamkeit, von der andere Geisteswissenschaftler nur träumen können.

Noch mal in Kurzfassung: Der Linkspartei, der mittlerweile immerhin knapp 12% der wählenden Bevölkerung ein politisches Mandat erteilt haben, unterstellt er diktatorische Absichten - und fordert, sie solle "verschwinden", was in meinen Ohren selbst von ziemlich diktatorischer Gesinnung zeugt. Dazu passt auch, dass Knabe selbst entscheidet, wer Stasi-Spitzel war und wer nicht und dafür keine Beweise braucht. Als eigentlichen Tag der Befreiung sieht er den 9. November 1989, nicht den 8. Mai 1945 - eine ziemlich deutliche politische Gewichtung. Gegen die Bildung einer rot-roten Koalition in Brandenburg, also der beiden stärksten Landtagsfraktionen mit entsprechend eindeutiger Legitimation, verfasste Knabe unlängst eine wutschnaubende Philippika.

Auf seine eigene Meinung hat der Mann selbstverständlich ebenso ein Recht wie auf seine ganz persönliche zeitgeschichtliche Farbenlehre; und darauf, all das zu veröffentlichen, natürlich auch. Aber dass jemand, der so vehement die Hinwegsetzung der Politik über den Wählerwillen quasi als Staatsräson ansieht und einfordert, dafür auch noch den höchsten Orden bekommt, den diese Demokratie zu vergeben hat - das finde ich, gelinde gesagt, mehr als fragwürdig.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nun ist ja Knabe nicht der Einzige, der der Linken diktatorische Absichten unterstellt. Der Verfassungsschutz sieht das mehrheitlich ähnlich.

Und dass der 8. Mai nur für das halbe Deutschland eine Befreiung war, kannst du viele Frauen aus den ehemaligen "Ostgebieten" oder der späteren SBZ fragen.

Deine Kritik ist daher m.E. - zumindest teilweise - unbegründet.

Dr. No hat gesagt…

Wie gesagt: An der Notwendigkeit der kritischen Auseinandersetzung mit der DDR-, SED- und Stasi-Geschichte besteht kein Zweifel; ebenso wenig daran, dass es in den Reihen der Linken durchaus noch Betonköpfe gibt.

Nur halte ich es nicht für legitim, die gesamte Partei über einen Kamm zu scheren, zumal diese auch - und vor allem seit der Fusion mit der WASG - über eine erkleckliche Anzahl von Mitgliedern verfügt, die mit der SED überhaupt nichts zu tun hatten.

Knabe treibt diese Pauschalverurteilung nach meinem Empfunden auf die Spitze; ich habe versucht, dies mit den angegebenen Links zu belegen. Ich bin kein Mitglied der Linkspartei, aber wäre ich eines, würde ich mich zum wiederholten Male von dem Mann persönlich beleidigt fühlen.

Ich habe den Eindruck, dass es Knabe - gelinde gesagt - ein wenig an kritischer Distanz zu seinem Forschungsobjekt mangelt. Mag sein, dass er ein kompetenter Historiker ist; und vielleicht hat er für seine Arbeit in der Gedenkstätte das BVK auch verdient (wenn man diesen Orden denn entsprechend ernst nehmen will) - aber bekannt ist er schließlich für seine öffentlichen Aussagen, und die darin zutage tretende Verquickung von Forschungstätigkeit und politischer Agitation steht einem Wissenschaftler m. E. nie besonders gut zu Gesicht.