Samstag, 3. April 2010

Steigende Verluste an der Ostfront

Drei Bundeswehr-Soldaten starben bei Kämpfen gegen Taliban in der Nähe von Kunduz, und alle fragen sich, wie das denn nun passieren konnte - offenbar ist das Bohren von Brunnen und der Bau von Schulen heutzutage ein gefährliches Geschäft. Ob die offizielle Einschätzung der dortigen Zustände jetzt vielleicht mal von "kriegsähnlich" zum ausgewachsenen "Krieg" befördert wird?

Schließlich gibt es dort doch alles, was man für einen ordentlichen Krieg braucht: Soldaten, Generale, Schießgewehre, Panzer, Flugzeuge, Stacheldraht und eine Riesenmenge Sand für die ganzen Sandkastenspiele. Dazu einen garstigen Feind, dessen öffentliche Sympathiewerte nur knapp über jenen von Ebola-Viren liegen. Und dann gibt es auch noch Offensiven, Gefechte und Luftschläge. Ich meine: Luftschläge! So etwas konnten deutsche Offiziere zuletzt 1945 anfordern. Und jetzt sogar Verluste durch "Friendly Fire"! Was braucht man da denn noch?

Mir dämmert allmählich, was bislang fehlte - und wenn jetzt tatsächlich der erste Regierungsvertreter das Wort "Krieg" in den Mund nehmen sollte, haben wir Gewissheit: Es fehlte der erste regelrechte deutsche Gefallene. Also nicht ein bei feigen Selbstmord- oder Raketenanschlägen ums Leben gekommener, sondern in einem richtigen Feuergefecht so richtig erschossener Bundeswehrsoldat. Tausende Afghanen sind bislang gestorben, Hunderte mit freundlicher Mithilfe der Deutschen, ob nun direkt wie beim Tanklasterangriff oder indirekt, etwa durch Aufklärungseinsätze - aber erst, wenn der erste eigene Soldat getötet wird, erst dann nennen wir es - vielleicht - einen Krieg.

Was für ein selbstgerechtes Kolonialherrendenken.

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Nachtrag, 4. April: Guttenberg spricht jetzt von etwas, das man "umgangssprachlich als Krieg" bezeichnen könnte. Mühsam artikuliert sich das Eichhörnchen.

Kommentare:

Ulf hat gesagt…

So wie der Heiland für unsere Sünden starb, sterben nun Deutsche und Afghanen für sie.

*sülz*

Dr. No hat gesagt…

Du hast definitiv eine zu hohe Dosis Oster-TV-Programm abbekommen. ;-)

Ulf hat gesagt…

Ich gucke gar kein fern, und mein geliebtes Krokofantilein kaum. Die Blogger sind schuld!

Entspannend dann immer Deicide: Death To Jesus.

juwi hat gesagt…

Noch zwei bis drei tote deutsche Soldaten, dann sind aus den schwersten Verlusten, die die Bundeswehr bisher hinnehmen musste, verheerende Verluste geworden, der Wiederaufbau über die Etappen "kriegsähnliche Situation" und "umgangssprachlichen Krieg" zum "dritten Weltkrieg" mutiert, und es wird gekämpft bis zum Endsieg, damit die ganzen deutschen Soldaten nicht umsonst gestorben sind. Während man sich über den Tod dreier deutscher Soldaten bestürzt zeigt, entschuldigt man sich - inzwischen schon routinemäßig - für gelegentlich aus versehen erschossene, verstümmelte und verbrannte afghanische Zivilisten, deren Opferzahl inzwische dreistellige Ausmaße angenommen hat. Eigentlich hätte man meinen können, dass Deutschland nach den Kriegen des tausenjährigen Reichs genug Angst und Schrecken für die nächsten Tausend Jahre verbreitet hatte. Hört das denn nie auf?