Freitag, 30. April 2010

Von hinten durch die Brust ins Auge

Tja - da ist es der eisernen Kanzlerin trotz verzweifelter Anstrengungen wohl doch nicht gelungen, das leidige wie unpopuläre Thema "Geld für Griechenland" auf einen Zeitpunkt nach der NRW-Wahl zu schieben. Gleichzeitig geht indes das chauvinistische Trommelfeuer der Bildzeitung gegen jede Form der Unterstützung der ja offenbar den ganzen Tag feiernden, sirtakitanzenden und fette Pensionen zählenden "Pleite-Griechen" munter weiter. Für die solcherart aufgewiegelten Massen muss da doch jede Geldzahlung an Athen wie ein rotes Tuch wirken - wäre es nicht ein fabelhafter Treppenwitz der Geschichte, wenn die Bild mit ihrer Hetzkampagne letztlich Rüttgers abschießt?

Denn die Bundespolitik spielt bekanntlich keine ganz unbedeutende Rolle bei der Wahlentscheidung der Bürger in den Ländern - wenn auch nicht die zentrale, die ihr die Generalsekretäre der Parteien immer beimessen wollen. In etwas mehr als einer Woche steht der zur "Schicksalswahl" verklärte Urnengang an Rhein und Ruhr auf der Tagesordnung. Und was soll jetzt der früh aufstehende, schwer schuftende und angesichts wochenlanger Dauerbeballerung mit nationalistischer Springer-Propaganda vor Wut knallrot angelaufene Bild-Leser denken, wenn er in den RTL-Nachrichten versehentlich (weil er den Mute-Knopf an der Fernbedingung aufgrund fortgeschrittenem Bierkonsums nicht rechtzeitig gefunden hat) mitkriegt, dass Mutti dem 140-Milliarden-Paket zugestimmt hat?

Eben.

Kommentare:

juwi hat gesagt…

Wenn die 140-Milliarden Euro wirklich zu einem Regierungswechsel in NRW beitragen sollten, und damit aufgrund der veränderten Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat das Atomprogramm und der Neubau klimaschädlicher Kohlekraftwerke in NRW vom Tisch wäre, dann wären die 140-Milliarden Euro gut angelegtes Geld. Wenn damit nebenbei auch noch Griechenland geholfen wäre, und das Vertrauen in die europäische Währung wiederhergestellt werden würde, dann wäre das ja auch keine schlechte Sache - Allerdings: Diesbezüglich habe ich seit der Enscheidung der EZB vom Wochenende, wertlose Staatsanleihen Griechenlands als Sicherheit für die Vergabe von Krediten zu akzeptieren, ernsthafte Zweifel.

Pathologe hat gesagt…

@juwi: muesste man dann aber nicht von einer gekauften Wahl sprechen, so fuer 140.000.000.000 Euro?

juwi hat gesagt…

@Pathologe: Nein. Da die CDU die 140-Milliarden Euro aber ja dafür ausgibt, dass sie selbst in NRW den Bach runtergeht, passt wohl eher ein Vergleich aus dem Sport. Im Fußball würde man das wohl Eigentor nennen. Wie wir inzwischen wissen, hat das "Bach runter gehen" aber glücklicherweise trotzdem bestens geklappt. Nachdem, was man so hört, war die Griechenlandhilfe ja wohl ein heißes Eisen in der letzten Phase des NRW-Wahlkampfs.