Dienstag, 22. September 2009

Endlich: Weltregierung hört auf, geheim zu sein

Verschwörungstheoretiker fabulieren ja oft und gerne von einer geheimen "Weltregierung". Wird also Zeit, eine solche Institution auch höchst offiziell zu schaffen: Der britische Premierminister Brown schlägt die Weiterentwicklung der G20-Gruppe zu einer solchen Weltregierung vor. Finde ich gut: Endlich mal Schluss mit diesen irritierenden Umwegen, den Rest der Welt über undurchschaubare Konstrukte wie die Weltbank oder die WTO zu beherrschen. Machen wir's statt dessen ganz offiziell: Die selbsternannten "größten" zwanzig Wirtschaftsmächte bestimmen, wo's künftig langgeht; die restlichen 173 Staaten (Stand: 22. 9., 12:00) nehmen's klaglos hin. Sie dürfen vielleicht ein wenig Opposition spielen, aber wozu? Diese neue Weltregierung wird ja schließlich nicht gewählt.

Nein, die Großen Zwanzig setzen sich selbst die Krone auf wie anno dunnemals der lütte Napoleon. Das Prinzip bewährt sich ja schon seit Jahrzehnten: Nehmen wir den UN-Sicherheitsrat, in dem die fünf offiziellen Atommächte seit 63 Jahren nicht, wie vielleicht mal angedacht, über Krieg und Frieden entscheiden - sondern darüber, wer Bösewicht ist und wer nicht. Und da nahezu immer einer der Fünf von seinem Vetorecht Gebrauch macht, gibt es auf der Welt so gut wie gar keine Bösewichte. Irgendwie tröstlich, oder? Die Flüchtlinge in Darfur können ein Lied davon singen.

Schön ist die Begründung für den Weltherrschaftsanspruch: "Die G20 haben die Welt gemeinsam vor dem Kollaps des Finanzsystems gerettet", wirft sich Brown in die Brust. Nun, ich bin ja kein Experte, aber das dünkt mich noch gar keine ausgemachte Sache zu sein. Und außerdem: Wer hat denn die Welt überhaupt erst an den Rand dieses Kollaps' gebracht, wenn nicht die großen Industrienationen als Kern der G20? Das nenne ich Chuzpe: Hier spielt sich nicht nur der Brandstifter als Feuerwehrmann auf, nein - er fordert darüber hinaus auch noch seine Ernennung zum Hauptbrandmeister.

Erstaunlich finde ich, dass Brown ausgerechnet die G20 als Maßstab nimmt und nicht die G8, die sich eigentlich schon seit Jahren als Weltenlenker aufspielen. Was will er denn mit den ganzen Schwellenländern? Ihnen unbedeutende Ressorts zuweisen wie einem kleinen Koalitionspartner auf Länderebene? Dann darf sich Brasilien vielleicht um Entwicklungshilfe kümmern oder so. Und China um den Klimaschutz. Die anderen haben dann genug Ruhe, sich mit den von Brown so genannten "Wachstumsstrategien" zu befassen, sprich: mit der weiteren ungestraften Ausplünderung des Planeten und seiner Bewohner.

Vielleicht soll das aber auch nur ein Zuckerle für die ganzen Globalisierungsgegner sein, die sonst immer auf den G8-Gipfeln herumnerven: Schaut her, wir sind gar nicht mehr der elitäre Bonzenclub - wir haben jetzt sogar Länder wie Mexiko und Südafrika dabei! Damit könnten die herrschenden Eliten die ungewaschenen Protestniks eine Weile ablenken, während sie selbst in ihrer reptiloiden Daseinsform mit Reichsflugscheiben ins Innere der Erde umziehen.

Wie es sich für eine ordentliche Weltregierung gehört.

Kommentare:

Winston Smith hat gesagt…

*lol* ... etwas Ähnliches habe ich mir auch gedacht. Man muss nur dreist genug sein und keiner schreit auf. Da wäre sie dann also, die Weltregierung. Vollständig in der Hand wirtschaftlicher Interessen ...

Doktor hat gesagt…

Wie war das nochmal mit der "Normalverteilung"? 20 Prozent der Menschen besitzen 80 Prozent der Produktionsmittel. Ersetze den Ausdruck "Prozent der Menschen" durch "Staaten" und es stimmt wieder.

(Oh, bin nicht mit dem Pathologen-Account angemeldet. Hoppla.)

Dr. No hat gesagt…

@Doktor: Na, dann ist diese neue Regierung zumindest repräsentativ - ist doch auch schon was...

epikur hat gesagt…

Also wenn sie die G20 als offizielle Weltregierung vorschlagen,dann möchte ich ja nicht wissen,was diesmal hinter den Kulissen passiert?

Denn es gibt immer ein "Hinter dem Vorhang" ;-)