Freitag, 5. März 2010

Wer blöd fragt ...

Offenbar ist es bei vielen Bloggern recht beliebt, von Zeit zu Zeit eine Aufstellung der Suchbegriffe zu posten, mit denen Internetnutzer auf die eigenen Seiten gelangt sind. Ist ja auch manchmal lustig, manchmal auch eher beängstigend und manchmal schlicht ein wenig langatmig. Mir fällt aber, wenn ich so etwas lese, was ich selten tue, immer wieder ein interessantes Phänomen auf: Die merkwürdige Vorgehensweise mancher Leute beim Googeln - als wäre die Suchmaschine ein Orakel und man selbst der Gläubige, der um Erleuchtung ringt.

Nun ja, eine Gemeinsamkeit gibt es tatsächlich zwischen Google und dem Orakel von Delphi: Die gegebenen Antworten sind oftmals hochgradig kryptisch. Ich dachte daher bislang immer, effektives Googeln wolle gelernt sein und brauchbare Ergebnisse erhalte man vor allem durch geschickte Verknüpfung mehrerer Keywords und den klugen Einsatz von Anführungszeichen - und nicht durch "W-Fragen", die ja per definitionem eine direkte Antwort verlangen. Aber hält diese These einer stichprobenartigen Untersuchung stand?

Eine auf dem nach kurzer Wachphase leider wieder im Koma dahinsiechenden Blog von Frau Dr. BuStä aufgeführte Suchanfrage etwa lautete "wie kriegt man flitzekacke". Das habe ich flugs ins google-Suchfenster gecopyandpasted, und siehe da - der erste Treffer lautet: "Fünf Nahrungsmittel, von denen man garantiert Flitzekacke bekommt ..." Frage gestellt, Frage beantwortet.

Bei Roland auf Dulsberg-Nord fand sich dereinst die Frage ein: "was tun wenn hund nougat gefressen hat". Der Test ergab als ersten Treffer einen Foreneintrag: "Hilfeee!!! Hund hat Schokolade gefressen!!!" Ist nicht ganz genau dasselbe wie Nougat, lasse ich aber gelten. Außerdem findet man auch Hilfe für den Fall, dass die Töle einen Tampon gefressen hat. Auch die an gleicher Stelle gefundene und die Menschheit seit ihrem Anbeginn beschäftigende Frage "warum starren männer frauen nach" führt unter Testbedingungen halbwegs zum gesuchten Ziel: "Starren Männer nur auf Äußeres?", heißt es im Forum des renommierten Fachmagazins "Brigitte".

Zeit für den Selbstversuch. Und es zeigt sich: Unter wissenschaftlichen Bedingungen erzielt die Testreihe plötzlich ganz andere Ergebnisse. Nämlich gar keine, wie bei folgender Anfrage: "warum zum henker bin ich so eine arme sau, während volldeppen wie bohlen, pooth und klum nicht wissen, wohin mit ihrer kohle". Dazu fällt auch dem Orakel nichts ein. Aber vielleicht war die Frage auch zu spezifisch und zu individuell - versuchen wir es mit etwas existenzialistischerem: "wenn ich weiß, dass ich nichts weiß und demzufolge das denken einstelle, bin ich dann trotzdem?" führt immerhin zum Wikipedia-Eintrag über Sokrates. Schönes Orakel: Auf die wirklich wichtigen Fragen hat es keine Antworten.

Aber die meisten Suchbegriffe sind ja auch profanerer Natur, und da bekommt man auf seine Warum-, Wieso- und Weshalb-Fragen zumindest irgendetwas ausgespuckt, und was man damit macht, hängt vom Grad der Medienkompetenz ab. Jedenfalls beantwortet sich die Frage, die mich ursprünglich zu diesem Post veranlasst hat, von selbst: Was sich derjenige, der über den Suchbegriff  "war jemand schon mal in der irrenanstalt" beim Fellmonster landete, von der Art der Fragestellung versprach - dass Google antwortet: "Ja, folgende Personen in alphabetischer Reihenfolge inklusive Foto und Anschrift"? Dann ist die Hoffnung, wie so oft, vergebens: Er bekommt lediglich eine vollkommen willkürliche Auswahl an Seiten präsentiert, in denen das Wort "Irrenanstalt" auftaucht, und wird mit seinem beklagenswertem Mangel an Internetaffinität allein gelassen. Und hat's nicht besser verdient.

Okay, das war jetzt ein schlechtes Beispiel. Denn die Frage, wer schon mal in einer "Irrenanstalt" war, kann und wird Google irgendwann vielleicht tatsächlich mal auf die geschilderte Art beantworten. Bis dahin aber wird die Antwort vermutlich lauten: "Dr. No. Wegen der vielen bekloppten Suchanfragen, die er am 5. März eingegeben hat."

Kommentare:

Ulf hat gesagt…

Ich finde dieses ständige Suchanfragengeblogge (vor allem in der meist üblichen Auflistung) ziemlich nervig, auch wenn ab und an mal was lustiges dazwischen ist.

Aber wundern tu ich mich auch, WAS manche Menschen suchen- und WIE sie es schreiben.

Am beliebtesten ist bei mir seit Jahren übrigens (in verschiedenen Varianten) KAFFEE KOCHEN.

Dr. No hat gesagt…

...und, konntest du den armen Leutchen helfen oder wenigstens ein Tässchen anbieten? ;-)

Die paar Keywords, die bei mir so auflaufen, sind stets langweilig. Offenbar habe ich wenig Laufpublikum.

Kokain-Impi hat gesagt…

Pff!

Ich freu mich Woche für Woche nen Keks darüber, dass ich mit www.die-suchtberatung.de direkt auf Platz 2 erscheine, wenn hilfesuchende Menschen nach Suchtberatung googlen.

Dr. No hat gesagt…

Ja, aber nach meiner Orakel-Fragestellung-Hypothese hat die Seite offenbar keine Schnitte: Googelt man "Wer hilft mir wenn ich süchtig bin", taucht sie auf den ersten paar Seiten nicht auf. ;-)

Dennoch definitiv eine SEO-Bestleistung. Und wer weiß, vielleicht hilft die Seite dem Suchenden mehr als eine Beratung von einem frustrierten, müden und desillusionierten Sozialpädagogen, der später auch noch mal was anderes machen will, etwa Taxifahren oder so.

nömix hat gesagt…

Gelegentlich finden sich aber auch ausgesprochen herzige Suchanfragen in den Referrers, die eine "lobende Erwähnung" ;) im Blog durchaus verdienen. Einer landete mal einen Suchtreffer auf meinem Blog mit der Frage "wann war kolumbus reise um die welt". (fürchte, mit einer Antwort konnte ich dem auch nicht weiterhelfen.)

Dr. No hat gesagt…

Na, das ist ja wirklich mal eine gehaltvolle Frage - aber auch wieder in diesem Stil formuliert, als ob Google eine Person wäre, die antworten könnte. Ich hätte einfach nach "kolumbus weltreise" bzw. "kolumbus weltumsegelung" gesucht.

Das heißt, ich hätte es im konkreten Fall sowieso bleiben gelassen, da ich weiß, dass Kolumbus keine Reise um die Welt gemacht hat.

Ab und zu gibt es auch bei mir Perlen: "la dolce vita holzbein" fand ich ganz hübsch. Oder auch "moralvorstellungen heute". Als ob ich damit dienen könnte...