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Donnerstag, 17. September 2009
Hanseatische Bauchpinselei
Die Axel Springer AG muss sich nicht länger grämen, dass die Übernahme von Pro7Sat1 seinerzeit nicht geklappt hat. Um reaktionäre Selbstbeweihräucherung auch via Bildschirm an den Mann bzw. die Frau zu bringen, gibt's ja schließlich die hilfsbereiten Nachbarn vom NDR. Der Videotext zum TV-Zweiteiler "Der Verleger", in dem es um das Leben von Axel Springer geht, las sich jedenfalls, als wäre er von Kai Diekmann persönlich diktiert worden:
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Gut gebrüllt, Löwin!
Der grünen Hamburger Umweltsenatorin Anja Hajduk scheint die massive Kritik daran, dass die Grünen-Fraktion - entgegen aller Parolen im Wahlkampf - nun doch den Bau des Kohlekraftwerks Moorburg abgenickt hat, allmählich auf die Nerven zu gehen. Es könnte sein, deutete sie vor ihren Parteigenossen an, dass man den Wählern vor dem Urnengang zuviel versprochen habe. Na ja, soll ja mitunter mal vorkommen.
Gleichwohl sprach sie sich für die Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition aus - kaum überraschend, geht es dabei doch auch um ihren Posten. Wörtlich sagte sie: „Wir würden doch keinem Klimaschützer oder dem Klima nützen, wenn wir uns jetzt vom Acker machen.“
Stimmt. Aber es nützt dem Klima ja offenbar auch nichts, wenn ihr dableibt.
Gleichwohl sprach sie sich für die Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition aus - kaum überraschend, geht es dabei doch auch um ihren Posten. Wörtlich sagte sie: „Wir würden doch keinem Klimaschützer oder dem Klima nützen, wenn wir uns jetzt vom Acker machen.“
Stimmt. Aber es nützt dem Klima ja offenbar auch nichts, wenn ihr dableibt.
Donnerstag, 26. Juni 2008
Das kann doch einen (Möchtegern-)Seemann nicht erschüttern
Gestern wurde in Hamburg das "Internationale Maritime Museum" eröffnet. Es präsentiert die größte maritime Sammlung der Welt in einem beeindruckenden alten Speichergebäude - sicher mittelfristig eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Hansestadt, aber nicht jeder ist glücklich damit. Und das aus gutem Grund.Bereits im Vorfeld gab es massive Kritik an der Schau des Museumschefs Peter Tamm, seines Zeichens früherer Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlages. Dessen Sammelwut hatte diese riesige Privatsammlung hervorgebracht, die er bis vor wenigen Jahren in seiner Villa in der Elbchaussee unterbrachte. Tamm, der offenbar bei Springer ganz gut verdient hat, stopfte dieses Gebäude voll mit Schiffsmodellen, Uniformen und Waffen und platzierte Torpedos, Geschütze und ein komplettes Schnellboot in seinem Garten. Vermutlich verfügte Peter Tamm über mehr Feuerkraft als die finnische Marine.
Worüber er auf jeden Fall verfügt, ist ein ausgeprägt autoritäres Weltbild. Er sieht die Befehlshierarchie auf einem Schiff - wo der Kapitän unumschränkt das Sagen hat - als Vorbild für ein funktionierendes Staatswesen: "Da gibts nicht so viel Gerede, sondern wäre 'ne klare Ordnung", meinte er einmal; und selbst Axel Springer soll ihn bisweilen als Rechtsradikalen bezeichnet haben. Außerdem wäre er nach eigenem Bekunden gerne Admiral geworden. Dementsprechend sei die Ausstellung viel zu militärlastig und geradezu kriegsverherrlichend, heißt es seit geraumer Zeit von Seiten der Museumsgegner. Ich vermag das nicht zu beurteilen, ohne mir das Museum gründlich angesehen zu haben. Ich halte es aber für nicht unwahrscheinlich.
Das scheint mir aber auch nicht das Hauptproblem zu sein, denn eine militärverherrlichende Ausstellung ließe sich normalerweise notfalls immer noch neu konzipieren. Aber nicht in diesem Fall, nicht in den nächsten paar Jahren. Und das ist der eigentliche Skandal. Denn Tamm kann in seinem (!) Museum machen, was er will. Wer ihn zu stören versucht, wird vermutlich auf eine Kanone gebunden und mit der neunschwänzigen Katze bearbeitet.
Die Stadt Hamburg überließ der eigens eingerichteten "Stiftung Peter Tamm" als Träger des Museums 2002 den unter Denkmalschutz stehenden Kaispeicher B für nicht weniger als 99 Jahre - und zwar für lau. Den nötigen Umbau finanzierte die Hansestadt mit 30 Millionen Euro - mehr, als alle anderen Museen zusammen an Zuschüssen bekamen. Ermöglicht hat dies die Kultursenatorin Dana Horáková, die 2002 von der unheiligen Senats-Allianz aus CDU, FDP und Schill-Bande ernannt wurde und - welch Zufall aber auch! - zuvor als Redakteurin für die "Bild"-Zeitung und die "Welt am Sonntag" arbeitete. Kurz: Ehemalige Springer-Angestellte schiebt ehemaligem Springer-Chef Millionen an öffentlichen Geldern über den Tisch, damit der sich seinen Kindheitstraum erfüllen kann. Nebenbei gesagt war es auch Frau Horáková, die ihrem Ex-Chef den Professorentitel zugeschanzt hat.
Aber es kommt noch schlimmer. Die Stadt Hamburg, die so viel Geld locker gemacht hat, verzichtet auf jegliches (!) Mitspracherecht bei der inhaltlichen Konzeption des Museums. Dies geht aus dem zwischen der Stadt und der Tamm-Stiftung geschlossenen Vertrag hervor:
“Die Vertragsparteien stellen ausdrücklich klar, dass das alleinige Entscheidungsrecht über die Präsentation der musealen Sammlung Peter Tamm, die Auswahl der Exponate, die Gewährung und Entgegennahme von Leihgaben, die Durchführung von Ausstellungen, Vorträgen und der gesamte Betrieb des Museums allein bei der Peter Tamm Sen. Stiftung liegt.” - zit. nach F. Möwe, Tamm-Tamm, Hamburg 2005, S.80
Der Vorstand der Stiftung besteht aus Tamm und seiner Geschäftsführerin, wobei im Zweifel Tamms Stimme entscheidend ist. Darüber hinaus ist die Finanzierung des laufenden Betriebs noch keineswegs gesichert - die Stiftung verfügt trotz Spenden aus der hamburgischen Wirtschaft nicht über genügend Kapital; außerdem wird sich zeigen, ob die recht hoch angesetzte Kalkulation von 150.000 Besuchern jährlich aufgehen wird. Es ist abzusehen, dass das Museum der Stadt noch mehr Geld kosten wird.
Nicht falsch verstehen: Ich finde es höchst erfreulich, wenn Steuergelder auch mal wieder für Museen ausgegeben werden. Aber die Öffentlichkeit - sprich: die Politik - darf sich dabei nicht ihrer Aufsichtsmöglichkeit entledigen; schon gar nicht, wenn die Gefahr besteht, dass sie ansonsten nur den Goldesel für die militaristisch-feuchten Träume eines waffenverliebten Marinefetischisten abgibt. Die Entstehungsgeschichte des Tamm-Museums scheint mir so sehr dem hanseatischem Klüngel zu entspringen (von dem sich offenbar auch der Spiegel nicht freimachen kann, da er auf jegliche kritische Reflexion verzichtet), dass die Finanzierung schon fast einer Veruntreuung öffentlicher Gelder gleicht.
Samstag, 23. Februar 2008
Das Wort zum Wahl-Sonntag
Hugh - der Wähler wird sprechen. Wie bereits mehrfach in den letzten Monaten. Und er hat das behäbige Dreieinhalb-Parteiensystem des durchschnittlichen westdeutschen Landtages aufgebrochen - Die Linke ist da, steht in drei (ab morgen vermutlich vier) alten Bundesländern nicht mehr vor den verschlossenen Toren der Parlamente, nein: ein erklecklicher Teil der Wählerschaft hat ihnen die Türen geöffnet, sie hereingebeten, den Mantel abgenommen und gebeten, Platz zu nehmen. In der alten BRD vollzieht sich im 21. Jahrhundert eine politische Entwicklung, die in Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien längst zum Alltag gehört.
Und erneut schäumt die politische Elite des Landes, spuckt Gift und Galle, als hätte sie unerschöpfliche Vorräte davon und schickt ihre gedungenen Lohnschreiber ins Gefecht, die in flammenden Artikeln vom Untergang der Demokratie schwadronieren. Nur der Tenor hat sich ein wenig geändert: Die Linke ist demnach nun nicht mehr bloß die Partei der Populisten und Frustrierten, sondern Vorbote für die drohende Weltherrschaft des Kommunismus, der plötzlich nun doch gar nicht so mausetot sei wie behauptet, sondern nur schlecht rieche. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen: Die etablierten Parteien machen sich in die Hosen.
Als Anlass für das aktuelle Aufflammen des allgemeinen Linke-Bashings wird das Kaninchen Christel Wegner aus dem Hut gezaubert. Spinner gibt es in jeder Gruppe, und die Linke hat sich der Frau ja auch umgehend entledigt. Diese Konsequenz hätte ich mir etwa auch einst beim Unions-Bubi Philipp Mißfelder gewünscht, der Alten künstliche Hüftgelenke verweigern wollte. Noch schlimmer als die Stasi-Mamsell findet die Elite allerdings das Ausscheren eines Mannes aus ihrer Mitte: Kurt Beck sagte, Andrea Ypsilanti solle sich doch auch ohne Mehrheit der Wahl zur Ministerpräsidentin im hessischen Landtag stellen. Wenn die Linke-Abgeordneten sie dann auch wählen - nun, dann sei es eben so. Viel mehr hatte das Ganze nicht zu bedeuten - dennoch wünscht sich Beck seitdem vermutlich in ein Erdloch à la Saddam, denn die Volksvertreter krempeln die Ärmel hoch, holen die Knüppel hervor und dreschen auf den SPD-Chef ein.
Gegenüber dem Spiegel äußert sich die CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer gar mit den Worten, es stelle sich die Frage, ob die SPD noch eine demokratische Volkspartei sei. Ist sie natürlich nicht - man erinnere sich an die Vorgänge um die Kandidatur von Andrea Nahles für das Amt der Generalsekretärin. Aber ob ein solcher Vorwurf ausgerechnet aus einer Partei kommen muss, die aufmüpfigen Landrätinnen hinterherspioniert, sei dahingestellt. Ihr CDU-Kollege Ronald Pofalla entblödet sich nicht, dem bräsigen Urnenpöbel seine pervertierte Auffassung von demokratischen Vorgängen zu erklären: Die Hamburger hätten jetzt "die einmalige Chance, über den Wortbruch von Herrn Beck und Frau Ypsilanti abzustimmen". Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Wähler in Hamburg sollen die politischen Verhältnisse in Hessen zur Grundlage ihrer Wahlentscheidung nehmen?! Vielleicht hat Pofalla einfach an dem Tag seine Tabletten nicht genommen, vielleicht braucht man aber auch nicht allzu viel politisches Verständnis, um zum hauptberuflichen Unions-Schmierlappen befördert zu werden.
Der Vollständigkeit halber: Auch die kleineren Parteien beteiligen sich munter am "Spiel nicht mit den linken Schmuddelkindern"-Reigen. Die Grünen sind stinkig, weil die Linken ihnen angeblich Stimmen wegnähmen. Stimmt aber zumindest in Niedersachsen und Bremen nicht - da haben die Grünen trotz des durchschlagenden Wahlerfolgs der Linken zuletzt ebenfalls zugelegt. Und die FDP ist sowieso am dauerschmollen, da sie keiner mehr braucht.
Und erneut schäumt die politische Elite des Landes, spuckt Gift und Galle, als hätte sie unerschöpfliche Vorräte davon und schickt ihre gedungenen Lohnschreiber ins Gefecht, die in flammenden Artikeln vom Untergang der Demokratie schwadronieren. Nur der Tenor hat sich ein wenig geändert: Die Linke ist demnach nun nicht mehr bloß die Partei der Populisten und Frustrierten, sondern Vorbote für die drohende Weltherrschaft des Kommunismus, der plötzlich nun doch gar nicht so mausetot sei wie behauptet, sondern nur schlecht rieche. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen: Die etablierten Parteien machen sich in die Hosen.
Als Anlass für das aktuelle Aufflammen des allgemeinen Linke-Bashings wird das Kaninchen Christel Wegner aus dem Hut gezaubert. Spinner gibt es in jeder Gruppe, und die Linke hat sich der Frau ja auch umgehend entledigt. Diese Konsequenz hätte ich mir etwa auch einst beim Unions-Bubi Philipp Mißfelder gewünscht, der Alten künstliche Hüftgelenke verweigern wollte. Noch schlimmer als die Stasi-Mamsell findet die Elite allerdings das Ausscheren eines Mannes aus ihrer Mitte: Kurt Beck sagte, Andrea Ypsilanti solle sich doch auch ohne Mehrheit der Wahl zur Ministerpräsidentin im hessischen Landtag stellen. Wenn die Linke-Abgeordneten sie dann auch wählen - nun, dann sei es eben so. Viel mehr hatte das Ganze nicht zu bedeuten - dennoch wünscht sich Beck seitdem vermutlich in ein Erdloch à la Saddam, denn die Volksvertreter krempeln die Ärmel hoch, holen die Knüppel hervor und dreschen auf den SPD-Chef ein.
Gegenüber dem Spiegel äußert sich die CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer gar mit den Worten, es stelle sich die Frage, ob die SPD noch eine demokratische Volkspartei sei. Ist sie natürlich nicht - man erinnere sich an die Vorgänge um die Kandidatur von Andrea Nahles für das Amt der Generalsekretärin. Aber ob ein solcher Vorwurf ausgerechnet aus einer Partei kommen muss, die aufmüpfigen Landrätinnen hinterherspioniert, sei dahingestellt. Ihr CDU-Kollege Ronald Pofalla entblödet sich nicht, dem bräsigen Urnenpöbel seine pervertierte Auffassung von demokratischen Vorgängen zu erklären: Die Hamburger hätten jetzt "die einmalige Chance, über den Wortbruch von Herrn Beck und Frau Ypsilanti abzustimmen". Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Wähler in Hamburg sollen die politischen Verhältnisse in Hessen zur Grundlage ihrer Wahlentscheidung nehmen?! Vielleicht hat Pofalla einfach an dem Tag seine Tabletten nicht genommen, vielleicht braucht man aber auch nicht allzu viel politisches Verständnis, um zum hauptberuflichen Unions-Schmierlappen befördert zu werden.
Der Vollständigkeit halber: Auch die kleineren Parteien beteiligen sich munter am "Spiel nicht mit den linken Schmuddelkindern"-Reigen. Die Grünen sind stinkig, weil die Linken ihnen angeblich Stimmen wegnähmen. Stimmt aber zumindest in Niedersachsen und Bremen nicht - da haben die Grünen trotz des durchschlagenden Wahlerfolgs der Linken zuletzt ebenfalls zugelegt. Und die FDP ist sowieso am dauerschmollen, da sie keiner mehr braucht.
Der ganze Bohei dient letztendlich nur als Deckmäntelchen für eine nackte Erpressungsstrategie, die ja ohnehin die Arbeitsgrundlage in der Großen Koalition zu sein scheint. Heute ist eben mal wieder die CDU mit Drohen dran. Die SPD wäre schön blöd, ließe sie sich derart breitschlagen - was bei dieser Partei aber auch nicht überraschend wäre. Und wenn es nach diesem hochgekochten Skandälchen tatsächlich wie angedroht zum Bruch der großen Koalition kommen sollte? Dann gäbe es wohl Neuwahlen - und das wäre demokratischer als das ganze Kasperletheater der letzten Wochen, Monate und Jahre im Umgang mit der Linken. Oder man hält es mit Bertolt Brecht: "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
von
Dr. No
um
22:05
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