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Mittwoch, 28. Juli 2010

Für Kohle machen die doch alles

Es ist wirklich enttäuschend: Im Fußball geht es wirklich nur noch um Kohle. Jüngstes Beispiel: Raúls Wechsel zu Schalke.

Dienstag, 13. Juli 2010

Neue Umfrage: Wohin mit dem Patriotenplunder?

So, nu isses vorbei. Die WM war teilweise schön, teilweise auch recht nervig, oft unfreiwillig komisch,* vor allem aber zeitraubend. Trotz meines sonstigen Mangels an Patriotismus habe ich den Deutschen die Daumen gedrückt, bin aber, um ganz ehrlich zu sein, gleichzeitig heilfroh, dass die DFB-Elf es schließlich nicht geschafft hat. Nicht nur, weil ich mich für die Spanier freue, die derzeit zweifellos die beste Mannschaft der Welt haben und den Titel verdienten, sondern vor allem, weil mir die allseits gehörten chauvinistischen Töne langsam ein wenig zu schrill klangen. Zeit, sich des ganzen schwarz-rot-senffarbenen Tands zu entledigen - Vorschläge gibt's in der Umfrage oben rechts. Bitte klicken Sie jetzt. 

Dienstag, 22. Juni 2010

Ob's edler im Gemüt, die Tritte und Grätschen des wütenden Geschicks erdulden ...

Ich bin ja bekanntlich kein Fußballfreak, aber Weltmeisterschaften sehe ich mir doch ganz gerne an, zumindest die eine oder andere Partie. Und kaum wird alle vier Jahre der Vorhang aufgezogen für die Darbietungen auf den Grashalmen, die die Welt bedeuten, fällt mir auch wieder ein, warum ich kein Fußballfreak bin: Wegen der aberwitzig peinlichen Randaspekte, die aus dem Spiel bisweilen ein schlechtes Schauspiel machen, mit ihm allerdings ebenso untrennbar verbunden zu sein scheinen wie dämliche Kommentatorensprüche. Es müsste eigentlich ein Fußball-Äquivalent zum Oscar geben, oder besser: Zur Goldenen Himbeere ("Gib' mich die Himbeere!"). Ich würde diese Auszeichnung "Rossi" nennen wollen, in Anlehnung an diesen ambitionierten Nachwuchsdramatiker. Die Top Five des lächerlichen Laienspiels in kurzen Hosen:

Samstag, 19. Juni 2010

Der Exot an sich

Eine seltsame WM ist das bislang. Die Spiele größtenteils grottig, die Ergebnisse sehen nach Binärcode aus, die Soundkulisse ist mehr als nervig. Die Leistung der deutschen Elf wird erst zu überirdischer Schönheit verklärt und nur wenige Tage später zu abgrundtiefer Peinlichkeit herabgewürdigt - und dann wäre da auch noch diese komische Nazisprech-Debatte, bei der am merkwürdigsten ist, dass sie weniger zum Skandal, sondern quasi sofort zum Anti-Skandal hochstilisiert wurde. Dabei gab und gibt es viel bedenklichere - und bescheuertere - Auswüchse protochauvinistischer Denkweise.

Montag, 14. Juni 2010

Fußball essen Nachrichten auf

Dass in Zeiten internationaler Fußballturniere das Interesse an politischen Themen bei vielen gegen Null strebt, ist hinlänglich bekannt (und wird von Regierenden auch gerne ausgenutzt). Bislang dachte ich allerdings, dass zumindest Nachrichtenredaktionen bei der Stange bleiben und zumindest versuchen, mal für eine Viertelstunde auf das Geschehen im Rest der Welt hinzuweisen. Falsch gedacht: Die "heute-journal"-Sendung gestern während der Halbzeitpause des Deutschlandspiels dürfte die inhaltsärmste Nachrichtensendung aller Zeiten gewesen sein.

Samstag, 21. November 2009

Willkommen in der Fußball-Matrix

Also: Rund 200 Fußballspiele stehen in Verdacht, geschoben worden zu sein, die Fans schreien Zeter und Mordio, die Medien bepflastern ihre Titelseiten mit dem Wettskandal - und wie reagiert DFB-Präsident Theo Zwanziger darauf? Mit den Worten: "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht." Ehrlich gesagt: Ich auch nicht.

Freitag, 20. November 2009

Stell' dir vor, wir schreiben vom Krieg und keiner geht hin

"Fußballkrieg in Afrika" - so martialisch beginnt die dpa heute eine Meldung, offenbar in der Hoffnung, durch die reißerische Betitelung mehr aus den Geschehnissen zu machen, als sie eigentlich sind: Nämlich chauvinistisch aufgeheizte Fankrawalle in den Nachwehen eines Länderspiels. Was die dpa damit allerdings viel mehr verdeutlicht, ist vor allem ihre eigene historische Ignoranz. Denn einen "Fußballkrieg" gab es in der Geschichte tatsächlich schon einmal - und da flogen nicht nur Steine gegen Botschaftsgebäude, sondern waschechte Projektile gegen Menschen, und es brannten auch nicht bloß Flaggen.

Donnerstag, 12. November 2009

Die Redaktion bittet zum Totentanz

Haben Sie den Ruck verspürt? Am Dienstagabend hörte der Planet vorübergehend auf, sich zu drehen; heute kommt er langsam wieder in die Gänge. Zumindest konnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man sich in den letzten eineinhalb Tagen durch die Medien geklickt, gezappt oder geblättert hat: Ein berühmter Mensch begeht Suizid, der Zirkus beginnt - und Onlineredakteure jeglicher Couleur drehen vollständig durch. Wer dachte, der Medienhype um Michael Jackson wäre ein Sonder- und Einzelfall gewesen, wurde eines besseren belehrt. Unerwartete Tode haben sich als höchst lukrative Klickschleudern erwiesen. Da müssen die Opfer halt auch mal zurücktreten.

Montag, 28. September 2009

... und alle so: Neeeiiiiiinnn!!!

So, die Wahl ist gelaufen. Während die einen immer noch fassungslos auf den Bildschirm starren oder sich weigern aufzustehen, nachdem sie sich gestern Abend in den Schlaf geweint haben, ist anderswo längst der Schampus leergemacht und das Aspirin eingeworfen worden. Mal von der Prämisse ausgehend, dass Merkel und Westerwelle gestern vor lauter Grinsen nicht die obere Hälfte des Kopfes abgefallen ist, sie also tatsächlich die Gewinner bleiben - wie ist das Ergebnis nun eigentlich zu deuten? Eine Analyse mit Fußballmetaphern.

Montag, 15. Dezember 2008

Ho-Ho-Hoffenheim!

Obgleich sich mein Interesse für Fußball in sehr überschaubaren Grenzen hält, freute ich mich im Sommer diebisch über den Aufstieg der TSG Hoffenheim in die Bundesliga. Im Gegensatz zu vielen anderen, die darüber auf eine Art und Weise erbost waren, die ich mir bei anderen Themen wünschen würde. Diese meine Freude ist nun noch einmal gesteigert worden: Der "Dorfverein" ist Herbstmeister.

Warum hatten die selbsternannten Fußballkritiker seinerzeit so viel Schaum vor dem Mund? Hoffenheim sei ein Retortenklub, wurde da gemeckert, keine gewachsene Tradition, der ganze Erfolg des Vereins, der noch vor ein paar Jahren in der Verbandsliga spielte, nur mit den Millionen des SAP-Mitbegründers Joachim Hopp zusammengekauft. Aber Erfolg dürfe nicht erkauft werden, hieß es; Hoffenheim mache "den Fußball kaputt", sagte mancher und ließ offen, welchen Ball genau er meinte. Als nächstes, so fürchteten viele, könnte sich auch noch herausstellen, dass es bei Casting-Shows nicht ums Singen, sondern bloß ums Geldverdienen gehe.

Nun werden die bierbäuchigen Stammtischsportler allmählich ruhiger. Der Mensch gewöhnt sich schließlich an alles, sogar an Hoffenheim an der Spitze der Bundesliga. Zeit, die Verhältnisse zurechtzurücken: Den Dorfverein gibt es länger als Schalke oder Dortmund - so viel zur Tradition. Der Marktwert der Mannschaft von Hoffenheim beträgt etwa so viel wie der der Ersatzbankdrücker von Bayern München - die sich ihre Erfolge im Übrigen seit Jahrzehnten erkaufen, weshalb aber niemand schreit, dass die Bayern in der ersten Liga nichts zu suchen hätten. Der Erfolg der Hoffenheimer beruht also auf etwas anderem. Der wissenschaftliche Fachbegriff dafür lautet "Spielwitz".

Das bundesweite Gemeckere ging ja auch schon in der Zweiten Liga los, als Hopp ein paar Mal ins Portemonnaie griff und eine Handvoll Spieler nachkaufte, als der Verein ins sportliche Straucheln geriet. Und? Aus den Vertretern der anderen Vereine, die sich darüber aufgeregt haben, sprach doch nur der blanke Neid. Jeder Verein kauft Spieler, wenn es nicht so gut läuft und die Kohle da ist. Und deshalb hätte jeder Verein gerne einen solchen Mäzen. Hat aber nicht jeder, also wird drauflosgemotzt.

Sich als Fan angesichts der Vorgänge verwundert die Augen zu reiben und empört auszurufen: "Was denn - Fußball hat etwas mit Geld zu tun? Davon habe ich nichts gewusst, das ist ja skandalös!" zeugt dagegen von grenzenloser Dummheit oder quasi-religiöser Überhöhung des runden Leders - was eigentlich dasselbe ist. Angefeuert von Sportmedien und Moderatoren, die sich mitunter geradezu esoterisch anmutende Erklärungsschemata aus dem Hirn wringen, um Spielverläufe zu beschreiben, ist der gesunde Menschenverstand irgendwo zwischen Außenlinie und Strafraum auf der Strecke geblieben.

Vielleicht wird Hoffenheim ja sogar Meister. Die dann zu erwartende Selbstmordwelle wäre zwar unschön, aber vielleicht auch angetan, an dieser merkwürdig sakralen Vorstellung eines Ballspiels etwas zu ändern. Dann hätte das Gelabere endlich ein Ende und man könnte in Ruhe Fußball gucken.

Wenn man denn will.

Mittwoch, 3. September 2008

Da geht er hin, der reine Titan

Auch ich möchte mich an dieser Stelle von Olli Kahn, dem Primaten unter den Torhütern, verabschieden. Ich werde ihn vermissen, war doch meines Wissens der einzige Fußballer mit weißer Hautfarbe, dem von Fans Bananen zugeworfen wurden.

Statt "Time to say goodbye" gibt es aber eine andere Hymne:

Dienstag, 1. Juli 2008

Der große EM-Rückblick: Tore, Truppen, Terrorkampf

Die EM ist vorbei. Das ist schön: Die beste Mannschaft hat gewonnen, die Autos - die mit ihrer Beflaggung zeitweilig eher Streitwagen ähnelten - sehen wieder aus wie das, was sie eigentlich sind, nämlich Kompensationsobjekte für verkümmerte Geschlechtsorgane und die Leitmedien hören endlich auf, ihre Homepages tagelang mit Michael Ballacks Wadenproblemen aufzumachen.

Zeit, sich den üblen Geschmack übermäßigen Biergenusses von den Zähnen zu bürsten, die vom "Humba, humba, humba Täteräääää"-Singen gebrochene Stimme mit Kamillentee zu ölen und einen Rückblick zu wagen. Und zwar auf das, was man aufgrund der besonderen Umstände nicht so recht mitbekommen hat:

Seit Montag, 30. Juni, stellt die Bundeswehr die "Quick Reaction Force" in Nordafghanistan. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg sind damit reguläre deutsche Soldaten offiziell in einem anderen Land im Kampfeinsatz.

Am Donnerstag, 26. Juni, kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel an, ihr Versprechen zur Anhebung der Entwicklungshilfe doch nicht einzulösen. O.k., das wird hierzulande wohl keine Revolte auslösen. Ein Wortbruch bleibt es dennoch.

Dienstag, 24. Juni: Verteidigungsminister Franz-Josef Jung gibt bekannt, mit der Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr die dort stationierten Truppen um 1.000 Soldaten anheben zu wollen. Das wäre ein Anstieg um ein knappes Drittel.

Freitag, 20. Juni: Wolfgang Schäuble legt die Neufassung des BKA-Gesetzes vor, mit dem nicht nur die Online-Durchsuchung, sondern auch die Videoüberwachung von Wohnungen ermöglicht wird. Ein weiteres Grundrecht, mit dem sich der Innenminister den Hintern abwischt.

Mittwoch, 18. Juni: Die Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht eine Studie über rechtsextreme Tendenzen, nach der sich beinahe jeder sechste Deutsche einen "Führer" wünscht.

Sonntag, 15. Juni: Aussenminister Frank-Walter Steinmeier erweist den Machthabern in Peking seine Ehrerbietung. Um die Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung nicht zu verderben, verzichtet er auf jede Erwähnung des Dalai Lama oder der Gewaltaktion in Tibet. Fehlt eigentlich nur noch eine Tributzahlung.

Dienstag, 10. Juni: Die deutsche Autoindustrie setzt sich im Streit über Klimaschutzvorgaben durch. Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy handeln einen "Kompromiss" aus, nach dem BMW, Benz und Co. weiterhin ihre spritsaufenden und umweltverpestenden Monsterkarren bauen dürfen.
(Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; weitere Hinweise nehme ich gerne entgegen.)

Von Ereignissen im Ausland, die hier niemanden interessiert haben, weil man sich lieber Sorgen um Torsten Frings' Rippe machte, ganz zu schweigen. Ein alter politischer Taschenspielertrick: Hast du ein unpopuläres Vorhaben zu verkünden, mach' es während eines großen Fußballturniers. Man kann sich - netter Nebeneffekt - darauf verlassen, dass die Medien mitspielen und die Fußball-Schiene auch nach Beendigung des Turniers so lange weiter bedienen, bis es groteske Züge annimmt. Wenn die Leute anschließend wieder zur Besinnung kommen, ist die Meldung schon zwei Wochen alt - und irgendwie kein Aufreger mehr.

Montag, 16. Juni 2008

Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 30 Jahre

Kleine Quizaufgabe: Nennen Sie eine argentinische Stadt außer Buenos Aires.

*ticktack*

*ticktack*

*ticktack*

Die Zeit ist um. Mit hoher Wahrscheinlichkeit lautete die Antwort "Córdoba" - und das heißt: Entweder haben Sie Ahnung von argentinischer Geschichte und Geographie oder Sie gehören zu diesen total durchgeknallten Fußballfreaks, die am heutigen Tag ihr gesamtes Weltbild auf die 90 Minuten reduzieren, als Titelverteidiger Deutschland bei der WM 1978 von Österreich aus dem Turnier geworfen wurde.

Nun gibt es viele Stichworte zum Thema "Argentinien 1978". Mir würden da etwa Nazi-Flüchtlinge, Militärdiktatur, Staatsterror, tausende ermordete oder verschwundene Menschen einfallen. Aber nein - das einzige, was heute die Gehirne beschäftigt, ist ein Tor in der 88. Minute und ein völlig übergeschnappter Radiomoderator. "Schmach" auf der einen, "Wunder" auf der anderen Seite. Nebenbei: Auch, wenn man das ganze rein fussballerisch betrachtet, fällt mir ein Spiel zwischen beiden Mannschaften ein, das es viel mehr verdient hätte, nach so langer Zeit noch die Emotionen hochkochen zu lassen: Die geschobene Vorrundenpartie von 1982. Aber das ist ja für beide Seiten ein bißchen peinlich, nicht wahr?

Nicht falsch verstehen: Es ist ja nichts Schlimmes dabei, in diesen Zeiten ein wenig Fußballverrücktheit an den Tag zu legen. Aber man kann's auch wirklich übertreiben. Eine Niederlage gegen ein auf dem Papier schlechteres Team auch nach 30 Jahren noch als "Schmach" zu bezeichnen, zeugt von überheblicher Arroganz - den Sieg über einen stärkeren Gegner als "Wunder" zu bezeichnen, von selbsterniedrigenden Minderwertigkeitskomplexen. In beiden Fällen haben die beiden betreffenden Nationalitäten ihr ganz spezielles Selbstverständnis seit Jahrzehnten verinnerlicht.

Und was passiert, sollte sich "Schmach" bzw. "Wunder" heute abend wiederholen? Massenselbstmorde in Deutschland, Ausrufung der Monarchie in Österreich? Keine Sorge, wird wohl nicht passieren. Das DFB-Team wird gewinnen, die Deutschen sich in revanchistischer Befriedigung suhlen und die Österreicher sich wieder als Opfer fühlen. Beide können das besonders gut.


Montag, 9. Juni 2008

Braune Soße auf dem kotelettförmigen Land

Jetzt ist die EM richtig losgegangen: es gab die ersten Krawalle. Nachdem schon am Samstagabend Polen und Deutsche aneinandergeraten waren, haben am Sonntag 140 deutsche Hooligans (im folgenden kurz "Arschlöcher" genannt) in Klagenfurt polnische Anhänger mit Nazi-Sprüchen beleidigt. Wenigstens hat die österreichische Polizei geschaltet und diese Vollidioten festgenommen. Ich würde vorschlagen, auf jegliche Auslieferungsgesuche zu verzichten und sie gleich dort zu belassen.

Wenn die österreichischen Behörden die Arschlöcher des Landes verweisen wollen, lassen wir sie einfach nicht mehr rein! Das wären 140 Probleme weniger in Deutschland und gäbe der hohlen Phrase "Nazis raus" endlich mal eine konkrete Bedeutung. Außerdem können sich die Österreicher dann mal wieder so richtig als Opfer des Nationalsozialismus fühlen.

Eine schöne Pointe wäre es, wenn die Krawallbrüder im Verhör angeben, durch die Berichterstattung in den jeweiligen Boulevardzeitungen aufgestachelt worden zu sein. Man könnte den Springer-Verlag ja ohnehin schon täglich wegen Volksverhetzhung anklagen - aber vielleicht kann man es in diesem speziellen Fall ja in Den Haag.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Noch hat Polen nicht verloren

Die Fußball-EM steht in den Startlöchern - Zeit, das Niveau in dem Maße abzusenken, wie der Bierkonsum steigt, tief in die Klischee-Kiste zu greifen und Sport-Chauvinismen zu bedienen. Polnische Boulevardblätter haben mit schlechten Fotomontagen vorgelegt, und die Blöd-Zeitung schlüpft in ihre Lieblingsrolle als Verteidiger der nationalen Ehre. Eine Chronologie des Irrsinns.

Dienstag: Das polnische Revolverblatt "Fakt" zeigt Ballack als Deutschordensritter mit preußischer Pickelhaube, was nicht gerade ein Zeichen historischer Kompetenz darstellt, sowie Polens Trainer Beenhakker, der mit einem Schwert ausholt.
Mittwoch: Die Bild nölt von "ersten Giftpfeilen gegen uns", "Fakt" legt mit einer noch dämlicheren Montage nach. Die Warschauer Konkurrenzzeitung "Super Express", journalistisch offenbar auf einem ähnlichen Fäkalniveau, will sich da nicht lumpen lassen, hat zumindest bessere Grafiker und präsentiert die abgeschlagenen Köpfe Ballacks und Löws.
Donnerstag: Die Bild-Zeitung gibt sich schwer entrüstet, spricht vom polnischen "EM-Krieg gegen uns" und verwendet Ausdrücke wie "widerlich" und "geschmacklos", Worte, die sie selbst oft genug zu hören bekommt. "Deutsche, wir werden Euch schlagen - wie immer", konterte "Super Express" am Donnerstag und ließ im Dunkeln, wie sie das "wie immer" eigentlich meinte. "Fakt" verliert sich derweil in einem mittelschweren Anfall von Paranoia und legt sich Erklärungsmuster für den Fall eines frühzeitigen Ausscheidens zurecht.

Und so weiter, Fortsetzung folgt garantiert - zumindest bis zum Spiel am Sonntag. Es wirkt verdächtig, wie sich diese Zeitungen gegenseitig den Ball zuspielen, fast wie nach Drehbuch... und tatsächlich: Bild und Fakt gehören beide zum Hause Axel Springer. Dass die Chefetagen keinerlei Beziehungen zueinander haben, kann Bild-Vize Draxler sonstwem erzählen: Auf der Jagd nach Auflagenzahlen ist jedes Mittel recht. Wenn das Warscheuer Konkurrenzblatt dann auch noch auf den fahrenden Zug aufspringt - um so besser.

Dieses "Macht sie platt"-Geschwafel ist völlig belanglos und führt selbst bei so manchem Fußballinteressierten dazu, dass er sich schon vor dem Beginn der EM auf deren Ende freut. Es gehört aber offenbar ebenso naturgemäß ins Vorfeld eines großen Turniers wie Diskussionen über die Flatterhaftigkeit des offiziellen Balls oder das Philosophieren über Fan-Patriotismus.

All diese Themen haben gemeinsam, dass sie - im Gegensatz zu gutem Wein - mit der Zeit nicht besser werden, sondern nur noch ermüdend. Letztendlich ist es bloß Fußball - und der ist an sich meistens schon unlustig genug.

Freitag, 4. April 2008

Der Boden war zu hart! Und die Wildschweine haben irgendwelche Schweinereien zu fressen bekommen!

Eigentlich wollte ich ja jetzt nicht dauernd Preise für dämliche Ausflüchte (siehe Lidl) vergeben. Aber für Olli Kahn mache ich gerne eine Ausnahme: Der gab der physischen Anwesenheit von Jürgen Klinsmann die Schuld am 1:1-Unentschieden gegen den FC Getafe.


"So etwas habe ich in meiner gesamten Karriere noch nie gehört oder erlebt, dass ein Trainer, der erst ab der kommenden Saison in der Verantwortung steht, schon in der laufenden Saison auf der Tribüne sitzt. [...] Wir sind auf dem Weg zu drei Titeln, da schadet jede Ablenkung."


Ähääh. Die hochbezahlten Vollprofis von Bayern München lassen sich von der Tatsache, dass ihr zukünftiger Übungsleiter zuguckt, derart ablenken, dass sie sich in letzter Minute noch ein Gegentor einfangen? 60.000 grölende Fans sind kein Problem, aber ein Blondschopf, der sich mit seinem - nun ja - Arbeitsmaterial vertraut machen will? "Das macht man nicht", geifert Kahn. Grotesk. Was macht dieser Primat unter den Torhütern wohl, wenn seine Mutti mal ins Stadion kommt und ihren Lütten sehen will? Heulend in der Umkleide bleiben und sich weigern, rauszukommen?