So, nun ist er also tot. Heißt es zumindest: Osama bin Laden soll bei einem Schusswechsel ums Leben gekommen sein. Ich habe während der letzten zehn Jahre nie an irgendwelche Verschwörungstheorien bezüglich des Terrorfürsten geglaubt - aber diese Geschichte wirft bei mir nun mehr als eine Frage auf. Hier die erste.
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Mittwoch, 4. Mai 2011
Samstag, 18. Dezember 2010
Das Oberkommando der Bundeswehr gibt bekannt
Hübsche Titelzeile auf Spiegel Online: "Merkel zu Blitzbesuch im Feldlager Kunduz". Blitzbesuch - ich will ja nicht päpstlicher sein als der Papst, aber ob das die, ähem, glücklichste Wortwahl bei einem Thema ist, das unmittelbar mit der Kriegführung deutscher Truppen in einem fremden Land zusammenhängt? Hat sie bei dieser Gelegenheit auch mehrere Divisionen Spekulatius vernichtet, eine Kanne Kaffee ausradiert und eingeflogenen Keksverbänden sowie dem Mittagsbüffet schwerste Verluste zugefügt?
Samstag, 21. August 2010
Puten, Paten, Psychopathen
Seit einer Woche nichts mehr gebloggt. Das hängt nicht unwesentlich damit zusammen, dass ich derzeit ziemlich überarbeitet bin, aber auch damit, dass ich gar nicht mehr weiß, worüber ich eigentlich schreiben soll - dabei ist nicht der Mangel an kommentierenswerten Themen das Problem, sondern deren schiere Häufung. Erneut hat mich ein akuter Anfall von Bloggerstarre niedergestreckt, und mangels Spezialisten versuche ich es mal mit Selbsttherapie: Auf zum Rundumschlag.
von
Dr. No
um
13:18
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Freitag, 13. August 2010
Im Osten nichts Neues oder: Die Verdammten des Krieges
Ja, auch mir wurde ziemlich übel und mein Tag war nachhaltig versaut, als ich das Bild des afghanischen Mädchens mit der abgeschnitten Nase auf dem "Time"-Cover gesehen habe. Mittlerweile weiß ich aber nicht, was mich mehr anwidert: Die Brutalität der Handlung - oder die Instrumentalisierung der armen Aisha für die Kriegspropaganda. Was mich sogleich genervt hat, kann ich jedenfalls recht deutlich benennen: Die grundsätzliche Falschheit der dazugehörigen Titelzeile "Was passiert, wenn wir Afghanistan verlassen". Denn richtig wäre natürlich: "Was passiert, obwohl wir seit neun Jahren in Afghanistan sind, und zwar mit mehr Soldaten als je zuvor."
Montag, 31. Mai 2010
Yo! Respect, man!
Zu den abgegriffensten Floskeln der Mediensprache dürften die üblichen Respektbekundungen bei Rücktritten von Amtsträgern gehören. "Respekt für diese konsequente Entscheidung." "Dafür gebührt ihm Respekt." "Dieser Schritt verdient Respekt." Und so weiter. Meine Reaktion auf Rücktrittsnachrichten lautet in der Regel allerdings: "Na endlich! Wurde aber auch Zeit."
Im Falle von Hotte Köhler aber war ich selbst kurz davor, einen Satz wie "Ich zolle ihm dafür Respekt" abzusondern - einfach, weil ich es erfrischend finde, wenn jemand, der solchen Mist gebaut hat, dafür die Verantwortung übernimmt, ohne sich wochenlang mit Händen und Füßen und allerlei unlauteren Mitteln zu wehren. (Oder die Verantwortung einfach gar nicht übernimmt, wie Koch nach der Spendenlüge.) Aber wie gesagt: Dieser Moment des Respekts ging schnell vorüber. Er endete in dem Moment, in dem ich Köhlers Begründung gehört habe.
Im Falle von Hotte Köhler aber war ich selbst kurz davor, einen Satz wie "Ich zolle ihm dafür Respekt" abzusondern - einfach, weil ich es erfrischend finde, wenn jemand, der solchen Mist gebaut hat, dafür die Verantwortung übernimmt, ohne sich wochenlang mit Händen und Füßen und allerlei unlauteren Mitteln zu wehren. (Oder die Verantwortung einfach gar nicht übernimmt, wie Koch nach der Spendenlüge.) Aber wie gesagt: Dieser Moment des Respekts ging schnell vorüber. Er endete in dem Moment, in dem ich Köhlers Begründung gehört habe.
Mittwoch, 26. Mai 2010
Wohlstand schaffen mit deutschen Waffen
Zwischendurch mal wieder Lust, den eigenen politisch-historischen Allgemeinbildungsstand zu testen? Da hätte ich was anzubieten. Und zwar folgende Frage: Von welchem deutschen Politiker stammt diese Aussage?
2. Wilhelm II.
3. Adolf Hitler
4. Horst Köhler
"Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe - mit dieser Aussenhandelsorientierung und damit auch Aussenhandelsabhänigkeit - auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren. Zum Beispiel: Freie Handelswege. Zum Beispiel: Ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen, negativ, durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen."1. Otto von Bismarck
2. Wilhelm II.
3. Adolf Hitler
4. Horst Köhler
Donnerstag, 15. April 2010
Mit Kanonen auf Bratzen
Unseren Jungs an der Ostfront bleibt aber auch nichts erspart. Nicht nur, dass sie es seit achteinhalb Jahren mit filzbärtigen, benzinklauenden und schlecht gelaunten Eingeborenen zu tun haben - jetzt gesellt sich, neben Profikillern, auch noch die ultimative Bedrohung hinzu: Die "Deutschen Taliban-Mudschahidin"! Wow - DAS klingt ja wirklich mal übel. So wie "untote Zombie-Vampirmutanten" oder "russenmafiöse Camorra-Yakuza" oder "die silastischen Waffenteufel von Striterax". Da hilft nur eins: Aufrüsten und - Panzer marsch!
Dienstag, 6. April 2010
Chronik eines angekündigten Todes
Theodor W. Adorno sprach einmal beim Anblick von Luftaufnahmen aus dem Pazifikkrieg von "Insektenvernichtung in tellurischem Ausmaß". Daran musste ich gerade denken, als ich mir das von Wikileaks veröffentlichte Video des Hubschrauberangriffs in Bagdad anschaute, bei dem eine Reihe irakischer Zivilisten, darunter zwei Reuters-Mitarbeiter, getötet wurden. Der Maßstab des Mordens mag kleiner sein als bei Adorno, aber die routinierte und skrupellose Kaltblütigkeit, mit der diese Opfer niedergemacht wurden, legen die meisten Menschen wohl nicht einmal beim Zertreten von Ameisen an den Tag. Zusammen mit der dem ganzen Operationsverlauf innewohnenden Verlogenheit ergibt das ein zutiefst verstörendes Bild über das Zusammenwirken von Abgebrühtheit, Automatismus und einer Brutalität, die von den Beteiligten nicht einmal mehr als solche wahrgenommen wird.
Samstag, 3. April 2010
Steigende Verluste an der Ostfront
Drei Bundeswehr-Soldaten starben bei Kämpfen gegen Taliban in der Nähe von Kunduz, und alle fragen sich, wie das denn nun passieren konnte - offenbar ist das Bohren von Brunnen und der Bau von Schulen heutzutage ein gefährliches Geschäft. Ob die offizielle Einschätzung der dortigen Zustände jetzt vielleicht mal von "kriegsähnlich" zum ausgewachsenen "Krieg" befördert wird?
Dienstag, 9. Februar 2010
Erziehungsvorteile als Soldat
Da hat sich der gute Mann wohl etwas Arbeit mit nach Hause genommen: Ein US-Soldat hat seine vierjährige Tochter gewaterboarded, weil sie partout das Alphabet nicht lernen wollte. Ich kann's mir lebhaft vorstellen, wie das lief: "Los, spuck's aus! Was kommt nach dem i, du Miniaturkameltreiber? Ich weiß, dass du es mir verheimlichst! So, du willst also immer noch nicht reden...?" - *Blubbblubbblubb*. Es ist eben nicht immer einfach, Privates vom Beruflichen zu trennen. Aber wer will's dem GI verübeln, dass ihm das Thema wichtig ist - schließlich wollen alle Eltern, dass ihre Kinder mehr erreichen als sie selbst; und wer das Alphabet nicht drauf hat, dem steht halt nur die Soldatenlaufbahn offen.
Donnerstag, 4. Februar 2010
Barack Obama sollte lieber den Springerverlag bombardieren
Auch nicht schlecht: "Welt Online" lässt den Neocon-Falken Daniel Pipes zu Wort kommen, hält es aber zumindest in der Onlinefassung des Artikels nicht für nötig, darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Art Gastkommentar handelt. Mit dem Ergebnis, dass nun die "Welt" offenbar zur Bombardierung des Iran aufruft. So verstehe ich zumindest die Überschrift, die da lautet: "Barack Obama sollte den Iran bombardieren". Und warum sollte er das nach Pipes' Ansicht tun? Kein Witz: Um seine Umfragewerte zu steigern. Blut für Öl war gestern, heute heißt es Blut für Prozentpunkte.
Mittwoch, 13. Januar 2010
Steckrübenwinter am Hindukusch
Die Bundeswehr will in Afghanistan Winterhilfe betreiben. Ein löbliches Ansinnen! Schließlich wird es in Kunduz, dem Stalingrad der Landbevölkerung am Hindukusch, saukalt. Ich habe die Ehre und Freude, der Weltöffentlichkeit vorab das offizielle Plakat zu dieser Aktion zu präsentieren:
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Putin, der Teilzeit-Friedensengel
Ja, ich gebe zu: Mein Beifall zur Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama war angesichts der geplanten Ausweitung des Afghanistankrieges vielleicht etwas verfrüht. Grundsätzlich kann ich nach wie vor zu dem stehen, was ich vor zwei Monaten geschrieben habe; ich verstehe aber auch die massiven Zweifel, die viele an dieser Entscheidung hegen. Nur eines verstehe ich nicht: Den heutigen Kommentar dazu auf Spon.Donnerstag, 26. November 2009
Nein, Mami, ich habe die Vase nicht umgeschmissen - sie ist von ganz alleine runtergefallen!
Zwar ist meine Wut auf die Bundeswehroberen und ihren ehemaligen Oberwaschbrettkopf über ihr Verhalten in bezug auf das Blutbad bei Kunduz noch längst nicht verraucht, aber mittlerweile immerhin etwas verdünnt worden - und zwar mit einer Prise Befriedigung und einer Messerspitze Mitleid. Befriedigung darüber, dass der Kopf von Generalinspekteur Schneiderhan gerollt ist; und Mitleid mit der unfassbar erbärmlichen Figur, die Ex-Verteidigungsminister Jung derzeit abgibt. Wohlgemerkt: Noch viel, viel erbärmlicher, als er ohnehin in den vergangenen Jahren wirkte. Das will was heißen.
Freitag, 20. November 2009
Stell' dir vor, wir schreiben vom Krieg und keiner geht hin
"Fußballkrieg in Afrika" - so martialisch beginnt die dpa heute eine Meldung, offenbar in der Hoffnung, durch die reißerische Betitelung mehr aus den Geschehnissen zu machen, als sie eigentlich sind: Nämlich chauvinistisch aufgeheizte Fankrawalle in den Nachwehen eines Länderspiels. Was die dpa damit allerdings viel mehr verdeutlicht, ist vor allem ihre eigene historische Ignoranz. Denn einen "Fußballkrieg" gab es in der Geschichte tatsächlich schon einmal - und da flogen nicht nur Steine gegen Botschaftsgebäude, sondern waschechte Projektile gegen Menschen, und es brannten auch nicht bloß Flaggen.
Samstag, 31. Oktober 2009
Bedingt verschleierungsbereit
Tja, das hat sich die Hardthöhe so gedacht: Man oktroyiert dem Volk einfach eine offizielle Sichtweise über die Tankwagenbombardierung, stempelt "Streng geheim!" auf die entsprechende Akte und damit ist das Thema dann erledigt. Dummerweise hat keiner mit den Medien gerechnet. Der Spiegel kommt trotzdem an Informationen aus dem nicht unbrisanten Nato-Schrieb - und teilt der Öffentlichkeit mit, was diese nach Ansicht der Soldateska besser nicht hätte wissen sollen, etwa dass die Bundesregierung die Untersuchungskommission auf eine Verniedlichung des Vorgangs gedrängt habe. Hmm... journalistischer Artikel über militärische Geheimhaltung und die Verwicklung der Politik - hatten wir das nicht schon mal? Gibt es jetzt Redaktionsrazzien und werden von Blumencron und Mascolo mit Handschellen abgeführt? Ich hole schon mal das Popcorn.
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Das Oberkommando der Bundeswehr gibt bekannt:
[Hintergrund: Wagner'sche Fanfaren] "Es spricht Generalinspekteur Schneiderhan. Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Zivilisten. Der von der Bundeswehr initiierte Bombenangriff auf die beiden gestohlen Tanklastzüge nahe Kunduz war "militärisch angemessen" und es sind wahrscheinlich keine Unbeteiligten ums Leben gekommen. Dies geht eindeutig aus dem nun vorgelegten Untersuchungsbericht der Nato hervor, den ich Ihnen natürlich nicht zukommen lassen werde. Sie werden verstehen, dass wir diesen Bericht als "streng geheim" klassifiziert haben und der Öffentlichkeit somit vorenthalten. Es handelt sich hier eindeutig um eine militärische Angelegenheit, also obliegt dem Militär auch die alleinige Deutungshoheit. Oberst Klein wird für Tapferkeit vor dem Feind mit dem eiser... äh, dem Ehrenkreuz ausgezeichnet. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit." [Schneiderhan rollt den Untersuchungsbericht zusammen und isst ihn auf. Abspannmusik: Tääää-täterätätätätääää-*bumm-tsching*-Tä-tääääää-täterätätätätäää...]Freitag, 11. September 2009
Im mittleren Osten nichts Neues
Heute ist der 11. September - Zeit für die jährliche Gedenkminute an jenen Tag vor acht Jahren, nach dem angeblich nichts mehr so sein würde wie zuvor. Und da Gedenkminuten manchmal ziemlich langweilig sein können, möchte ich an dieser Stelle ein paar Vorschläge machen, worüber man während dieser Zeitspanne so alles nachdenken könnte.
Montag, 7. September 2009
Bodycount's in da house
Nein, es folgt nun kein abgegriffener Vergleich der Kriegführung der Bundeswehr mit der im Ersten oder Zweiten Weltkrieg. Aber dennoch: Wie sich führende deutsche Soldaten verhalten, sobald man sie wieder auf einen Feind loslässt, macht mir allmählich richtig Angst. Nicht nur wegen des übelkeiterregenden Bodycount-Gefeilsches zwischen Verteidigungsminister Jung und dem Rest der Welt - nein, noch schlimmer dünkt mich ein offenbar rängeübergreifendes und hochgradig perverses Verständnis von Kriegführung, Komplizenschaft und Kommunikation.
Freitag, 4. September 2009
Statt "Blut für Öl": Blut gegen Benzin
Das war knapp: Kampfpiloten der Nato ist es gelungen, in letzter Sekunde die von den Taliban geklauten - 'tschuldigung: gekaperten, wie es nun überall heißt - Tanklastzüge zu zerstören, bevor es den Aufständischen gelang, daraus Benzin abzulassen. Was hätten sie mit dem Zeug alles anstellen können: Ihre Panzer betanken, ihre Feuerzeuge auffüllen, ihre Bärte putzen. Da heisst es schnell handeln, auch wenn eigentlich klar war, dass der Beschuss von Tanklastern ein ziemliches Feuerwerk nach sich zieht und demzufolge der Kollateralschaden an "weichen Zielen" dieses Mal ungewöhnlich hoch ausfallen könnte - was er dann auch tat.
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