Wer kennt sie nicht, die in dieser Jahreszeit inflationär auf den Medienkonsumenten einprasselnden Jahresrückblick-Rankings. Wer war der Mann, die Frau, das Ereignis, das Wasauchimmer des Jahres? Mit sowas lässt sich prima Sendeplatz füllen - und was dem Fernsehen recht, ist der Onlinezeitung nur billig: Eine Umfrage muss her! Die macht Spaß und bringt, technisch richtig aufgezogen, eine ganze Menge Klicks ein. Da will auch unsere Heimatzeitung nicht zurückstehen und sucht etwa die Personen, ach was: die "Großen Persönlichkeiten" des Jahres. Wer das reaktionäre Blatt kennt, weiß, was für ein Gruselkabinett ihn erwartet. Und wird nicht enttäuscht.
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Montag, 20. Dezember 2010
Dienstag, 16. November 2010
Und was ich noch sagen wollte, liebe ostasiatische Freunde...
Ich habe ja bereits zu einem früheren Zeitpunkt mein Verständnis dafür geäußert, dass es nicht immer einfach ist, originelle Namen für eure Restaurants zu finden; Namen, die nicht schon tausendfach totgeglasnudelt worden sind. Ich verstehe das, auch wenn diesbezügliche Versuche nicht immer zu überzeugenden Ergebnissen führten. Aber das hier kann nun auch nicht die Lösung sein:
Mittwoch, 27. Oktober 2010
Localize it
Liebe NWZ: Dein Bestreben, das große, große Weltgeschehen nach Möglichkeit auf dein kleines Verbreitungsgebiet runterzubrechen, sei dir unbenommen; das machen schließlich viele Zeitungen. Aber nicht jede macht sich dabei derartig lächerlich wie du: "Funkerin aus Elsfleth lotst Marine zum Geisel-Schiff" titelst du am Dienstag, dankenswerterweise (noch) ohne abschließendes Ausrufezeichen, und die paarhundertfuffzich Leser aus dem genannten Kaff in der Wesermarsch freuen sich bestimmt wie Bolle und finden dich dafür total dufte. Was macht es da schon, dass die Dame mit Elsfleth soviel zu tun hat wie... nun, sagen wir: Wie der Nobelpreisträger Harald zur Hausen mit dem südoldenburgischen Vechta. Der gebürtige Gelsenkirchener hatte dort in den 50ern lediglich die letzten Schuljahre bis zum Abitur hinter sich gebracht - was dich aber nicht daran hinderte, 2008 triumphierend "Nobelpreisträger aus Vechta" zu titeln.
Sonntag, 8. August 2010
Sternstunden des Lokaljournalismus oder: Wer den Taler nicht ehrt
Es gibt Dinge, die man aus den Köpfen von Journalisten schlicht nicht herausbekommt, egal ob man sie prügeln, mit Stromschlägen traktieren oder einer Gehirnwäsche unterziehen würde. Zu diesen Dingen gehört das immer wieder bemühte Umrechnen historischer Geldbeträge in moderne Währungseinheiten. Daran sind schon gestandene Wissenschaftler gescheitert, was aber die hiesige Zeitung natürlich nicht davon abhält, es in einer Geschichte über einen Kanalbau im 19. Jahrhundert trotzdem zu versuchen:
(Quelle)
Mittwoch, 2. Juni 2010
UN-Resolution Nr. 17382: "Kevin ist verkna-hallt!"
Wenn Zehntklässler in Konfirmationsanzügen, Abiturientinnen in Kostümchen und Pumps und Englisch-Leistungskursler mit Schlips und Kragen in Regimentsstärke die Cafés in der Innenstadt bevölkern, weiß man, dass es wieder OLMUN-Zeit ist: Die größte Polit-Simulation der Republik, ein Vereinte-Nationen-Rollenspiel. Ohne Orks, dafür aber ebenfalls mit finsteren Herrschern; ohne Kettenhemden, dafür mit Pullundern; ohne Humor, dafür aber mit einer gehörigen Portion spätpubertären Weltverbesserungsdrangs, der indes wohl zum Scheitern verurteilt ist: Alle Teilnehmer sehen so aus, als würden sie demnächst der FDP beitreten.
Sonntag, 23. Mai 2010
Support your local newspaper!
Zu den bislang noch wenig erforschten Folgen der globalen Erwärmung zählt der Umstand, dass das Sommerloch im Kalender offenbar immer weiter nach vorne rutscht. Anders lässt sich dieser Artikel in der hiesigen Regionalzeitung wohl kaum erklären: Der olle, sattsam bekannte 419er-Betrug, besser bekannt als Betrugsmasche der "Nigeria-Connection", schafft es immer noch bis zum Aufmacher im Lokalteil. Und wenn man es genau nimmt, reicht auch das Sommerloch nicht ganz als Erklärung aus - dazu kommt wahlweise noch eine gehörige Portion Lustlosigkeit, ein erschreckender Mangel an Internetaffinität oder auch simple Leserverachtung.
Dienstag, 12. Januar 2010
Nichts für Sesselpupser
Persönlich hege ich ja keinerlei Zweifel daran, dass ich im Grunde ein total hippes 21st-Century-Kid bin. Und so war es auch ein Klacks für mich, gestern Abend mal eben zwischen zwei Ampullen - ich meine natürlich: Ampeln - eine neue coole, ach was: total asskickende Trendsportart zu erfinden. Ich nenne sie *trommelwirbel*: XtremeSnowCycling. Fuck Yeah! Check it! Morgen mache ich mich selbstständig und vermarkte irrsinnig viele groovige - und natürlich sauteure - Accessoires dazu. Oder heißt das jetzt "Apps"?
Sonntag, 20. Dezember 2009
Jetzt sei doch mal ein bisschen besinnlich!
Es gibt ja nur wenige Dinge im Leben, die noch furchtbarer sind als Weihnachtslieder. Okay - vielleicht Weihnachtslieder, die von Kinderchören gesungen werden und mit weichgezeichneter Bebilderung versehen auf den ahnungslosen TV-Zuschauer losgelassen werden. Jenseits der omnipräsenten audiovisuellen Dauerberieselung verfügt der rot-weiße Wahn aber auch über eine dritte Teilstreitmacht: den linguistischen Arm des Terrors. Und so blökte mir, als ich den Lokalteil der hiesigen Regionalzeitung aufblätterte, dieses unsagbar entsetzliche Elaborat entgegen:
Dienstag, 17. März 2009
Oberbürgermeister schöööön
Was in der allgemeinen Berichterstattung über den Amoklauf ein wenig unterging, ist die Tatsache, dass der Terror nun endgültig in Deutschland angekommen ist. Und zwar dort, wo niemand damit gerechnet hat: Im beschaulichen Oldenburg. Das Opfer: Der Oberbürgermeister. Die Tatwaffe: cremig.
Einige maskierte - die Polizei würde sagen: vermummte - Aktivisten derweltumspannenden Terrororganisation antikapitalistischen Gruppe "Die Überflüssigen" stürmten in einen Saal, in welchem der Oldenburger OB Gerd Schwandner gerade die Neubürger der Stadt begrüßte. Nun, eigentlich stürmten sie den Saal nicht, sondern schlurften ganz gemächlich herein; aber die boulevardeske Stimmung der letzten Tage hinterlässt auch bei mir Spuren. Sie schlurften also in den Saal, schüttelten dem offensichtlich verwirrten Schwandner die Hand, klatschten ihm anschließend eine Torte ins Gesicht und machten damit einen riesigen Schritt voran auf dem Weg zur Weltrevolution.
Die Neubürger staunten nicht schlecht ob der ihnen dargebotenen Show und fragten sich vermutlich, ob die politische Auseinandersetzung in dieser Ecke der Welt wohl öfter mit kalorienreichem Backwerk geführt wird. Die Altbürger waren kaum überrascht, waren nicht wenige von ihnen schon seit längerem der Ansicht, dass der OB mitunter ein ziemlicher Clown sei. Schwandner selbst kann's egal sein: Er, dem noch vor wenigen Tagen ein Abwahlverfahren drohte, sitzt nun sympathiebedingt wohl fester im Sattel als je zuvor. Und dass nicht jeder über Clownerien lachen kann - das sollte sich in den folgenden Tagen überdeutlich zeigen.
Zunächst war da die Presse, die vom "Tortenanschlag" sprach und auch das Wörtchen "feige" das eine oder andere Mal bemühte. Zur Solidarität mit dem OB wurde aufgerufen. Schließlich waren wir an diesem dunklen Tag alle Oberbürgermeister. Und nichts würde mehr so sein, wie es vorher war. Es folgten die Gutbürger der Stadt, von denen bis dato vermutlich jeder zweite dem OB liebend gerne etwas an den Kopf geknallt hätte, nachdem dieser bei seiner Wahl die Leute hemmungslos verarscht hat. Nun aber hagelt es Lob und Sympathiekundgebungen von allen Seiten. Wo kommen wir denn da hin, wenn ungewaschene Hausbesetzer, die sich vermutlich vor der Tat voll Haschisch gespritzt haben, nicht mehr nur zu Pflastersteinen, sondern nun auch noch zu Konditoreiprodukten greifen? "Heute war es eine Torte", sorgten sich viele Bürger: "Und mit was werfen sie morgen?" Ich vermute das Schlimmste: Eisbomben.
Aber das war noch nicht der Tiefpunkt der Geschichte. Die Presse zitierte einen hiesigen Restaurantbetreiber, in dessen Nobel-Etablissement die "Überflüssigen" auch schon zugeschlagen hatten, indem sie einen Nuklearsprengsatz zündeten - Verzeihung, ich meinte: indem sie den Gästen die Schweinemedallions in Pfefferminzsoße vom Teller klauten. Die Täter, so der Gastronom, hätten Schuhe im Wert von 150 Euro getragen. Das ist natürlich skandalös! Luxusautonome! Salonrevolutionäre! Unglaubwürdiges Gesocks! Macht doch eigentlich keinen Unterschied, ob man nun so viel Geld für Kleidung oder für ein Abendessen ausgibt. Als nächstes stellt sich noch heraus, dass auch die Kapuzenpullis Geld gekostet haben.
So geht das natürlich nicht, und so wird das auch nix mit der Revolution. Ich fordere hiermit, arme Leute und andere Querulanten gesetzlich dazu zu verpflichten, ausschließlich Deichmann-Schuhe für 19,95 Euro zu tragen. An ihren Schuhen sollt ihr sie erkennen!
Einige maskierte - die Polizei würde sagen: vermummte - Aktivisten der
Die Neubürger staunten nicht schlecht ob der ihnen dargebotenen Show und fragten sich vermutlich, ob die politische Auseinandersetzung in dieser Ecke der Welt wohl öfter mit kalorienreichem Backwerk geführt wird. Die Altbürger waren kaum überrascht, waren nicht wenige von ihnen schon seit längerem der Ansicht, dass der OB mitunter ein ziemlicher Clown sei. Schwandner selbst kann's egal sein: Er, dem noch vor wenigen Tagen ein Abwahlverfahren drohte, sitzt nun sympathiebedingt wohl fester im Sattel als je zuvor. Und dass nicht jeder über Clownerien lachen kann - das sollte sich in den folgenden Tagen überdeutlich zeigen.
Zunächst war da die Presse, die vom "Tortenanschlag" sprach und auch das Wörtchen "feige" das eine oder andere Mal bemühte. Zur Solidarität mit dem OB wurde aufgerufen. Schließlich waren wir an diesem dunklen Tag alle Oberbürgermeister. Und nichts würde mehr so sein, wie es vorher war. Es folgten die Gutbürger der Stadt, von denen bis dato vermutlich jeder zweite dem OB liebend gerne etwas an den Kopf geknallt hätte, nachdem dieser bei seiner Wahl die Leute hemmungslos verarscht hat. Nun aber hagelt es Lob und Sympathiekundgebungen von allen Seiten. Wo kommen wir denn da hin, wenn ungewaschene Hausbesetzer, die sich vermutlich vor der Tat voll Haschisch gespritzt haben, nicht mehr nur zu Pflastersteinen, sondern nun auch noch zu Konditoreiprodukten greifen? "Heute war es eine Torte", sorgten sich viele Bürger: "Und mit was werfen sie morgen?" Ich vermute das Schlimmste: Eisbomben.
Aber das war noch nicht der Tiefpunkt der Geschichte. Die Presse zitierte einen hiesigen Restaurantbetreiber, in dessen Nobel-Etablissement die "Überflüssigen" auch schon zugeschlagen hatten, indem sie einen Nuklearsprengsatz zündeten - Verzeihung, ich meinte: indem sie den Gästen die Schweinemedallions in Pfefferminzsoße vom Teller klauten. Die Täter, so der Gastronom, hätten Schuhe im Wert von 150 Euro getragen. Das ist natürlich skandalös! Luxusautonome! Salonrevolutionäre! Unglaubwürdiges Gesocks! Macht doch eigentlich keinen Unterschied, ob man nun so viel Geld für Kleidung oder für ein Abendessen ausgibt. Als nächstes stellt sich noch heraus, dass auch die Kapuzenpullis Geld gekostet haben.
So geht das natürlich nicht, und so wird das auch nix mit der Revolution. Ich fordere hiermit, arme Leute und andere Querulanten gesetzlich dazu zu verpflichten, ausschließlich Deichmann-Schuhe für 19,95 Euro zu tragen. An ihren Schuhen sollt ihr sie erkennen!
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