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Donnerstag, 20. Januar 2011

Aarrrrh! Schickt sie über die Planke!

Ach, früher. Da hat man den Käpt'n nach erfolgreicher Meuterei in einem kleinen Boot ausgesetzt, den Jolly Roger gehisst und anschließend sein Glück gesucht, entweder in den Schatztruhen spanischer Galeonen oder wenigstens auf Südseeinseln mit leicht bekleideten Einheimischen. Heute scheinen Meutereien doch einiges von ihrer Romantik verloren zu haben - naja, immerhin handelte es sich um ein Segelschiff.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Localize it

Liebe NWZ: Dein Bestreben, das große, große Weltgeschehen nach Möglichkeit auf dein kleines Verbreitungsgebiet runterzubrechen, sei dir unbenommen; das machen schließlich viele Zeitungen. Aber nicht jede macht sich dabei derartig lächerlich wie du: "Funkerin aus Elsfleth lotst Marine zum Geisel-Schiff" titelst du am Dienstag, dankenswerterweise (noch) ohne abschließendes Ausrufezeichen, und die paarhundertfuffzich Leser aus dem genannten Kaff in der Wesermarsch freuen sich bestimmt wie Bolle und finden dich dafür total dufte. Was macht es da schon, dass die Dame mit Elsfleth soviel zu tun hat wie... nun, sagen wir: Wie der Nobelpreisträger Harald zur Hausen mit dem südoldenburgischen Vechta. Der gebürtige Gelsenkirchener hatte dort in den 50ern lediglich die letzten Schuljahre bis zum Abitur hinter sich gebracht - was dich aber nicht daran hinderte, 2008 triumphierend "Nobelpreisträger aus Vechta" zu titeln.

Montag, 20. April 2009

Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht

Schon wieder ist ein deutsches Schiff in der Hand somalischer Seeräuber, dieses Mal sogar mit deutschen Besatzungsmitgliedern und nicht bloß ausgemergelten philippinischen Billigmatrosen. Zwar sind die Geiseln trotzdem ins mediale Hintertreffen geraten, da sie wie alle anderen gegen den heldenhaften US-Kapitän - dessen Heldenhaftigkeit offenbar im Wesentlichen aus seiner Nationalität erwächst - den Kürzeren gezogen haben. Dennoch ist das Maß nun offenbar voll: Ab demnächst wird zurückgeschossen! Die Bundesregierung mag nicht mehr als hasenfüßig gelten. Dies verkündete Hans-Peter Uhl (CSU), dessen Wutschlagader sich sonst eher dann kurz vorm Platzen befindet, wenn er am Abkassieren gehindert wird.

Wie sehr sich der Möchtegern-Nelson in die Brust geworfen hat, liest sich am besten im O-Ton auf Spon: "'Bei Piratenangriffen kann es nur eine richtige Antwort geben: Die Schiffe der Seeräuber müssen auf hoher See unverzüglich versenkt werden', sagte Uhl. Die Marine müsse endlich ihre Bordwaffen einsetzen, mit weiterer Zaghaftigkeit 'macht sich der deutsche Staat nur lächerlich'". Die Idee eines internationalen Gerichtshofs bezeichnet Uhl hingegen als "Nebelkerzen". Es bräuchte Jahre, ehe ein solches Gericht eingerichtet wäre. "Um der Piraterie Einhalt zu gebieten, sind aber rasche Lösungen gefragt." Erst schießen, dann fragen; und Kredit gibt's nur für Gehängte. Er hätte es auch kürzer fassen können: "Angriff - Ran - Versenken!" Dieser Spruch stammt von Karl Dönitz und klingt irgendwie genauso wie die Uhl'sche Gewaltfantasie.


Ich sage: Jawoll! Richtig so! Zeigen wir der Räuberbande, wo der Hammer aus Kruppstahl hängt! Schon der olle Willem Zwo wusste auf diese Art ordentlich Tacheles zu reden. Auf dass nie wieder ein Somali wage, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!

Das Problem ist jedoch, dass der Umstand, dass es sich beim Feind um bitterarme und verzweifelte Outlaws handelt, dem zu erlangenen Ruhm abträglich sein könnte. Und außerdem bleibt die Frage: Woran erkennt man Piraten überhaupt? Das Holzbein-und-Papagei-Prinzip missachten die Somalis ja weiterhin hartnäckig. Zugegeben: Wenn ein Motorboot mit lauter mit Kalaschnikows und Panzerfäusten winkenden Männern an Bord auf einen Frachter zurast, kann man davon ausgehen, dass es sich nicht um einen Angelausflug handelt. Diese schnellen Boote sind aber in den paar Minuten, die sie bis zum Zielschiff brauchen, kaum abzufangen; zudem haben sich die Leute bis zum eigentlichen Entervorgang auch noch gar nicht strafbar gemacht - da machen sich TV-Bilder, auf denen eine 500-Millionen-Euro-Fregatte mit Geschützen und schweren MGs diese Nussschalen nebst Insassen quasi präventiv in Stücke zersiebt, vielleicht nicht so gut.

Findige Köpfe haben aber schon eine Lösung parat: An ihren Mutterschiffen sollt ihr sie erkennen! Mutterschiffe müssen versenkt werden, dann gibt's auch keine Probleme mehr mit den kleinen Angriffsbooten. Ein Piratenmutterschiff darf man sich dann wohl so vorstellen wie den Kampfstern Galactica, der statt Raumjägern Plastikboote aussetzt; nur viel kleiner. Oder wie?

Wohl eher nicht. Als "Mutterschiffe" dürften die in dem Gebiet üblichen Dhaus fungieren, und davon karriolen vor den ostafrikanischen und arabischen Küsten hunderte herum. Außerdem Fischerboote, Küstenfrachter und ähnliche Fahrzeuge, von denen jedes einzelne in der Lage ist, ein Motorboot auszusetzen. Also landet man letztlich wieder beim Identifikationsproblem. Gehe zurück auf Start, ziehe keine 3000 Mark ein.

Und vor allem: Schieße nicht auf Fischdampfer. Genau das wird aber wieder passieren, wenn sich das nebulöse Gequake über Mutterschiffe mit dem Schlachtengesang profilneurotischer Unionspolitiker paart. Feuer frei!

Donnerstag, 29. Januar 2009

Jo-ho-ho, und 'ne Buddel voll Beck's

Nachdem wir wochenlang mit martialischen Bildern von Wehrdienstleistenden an Schiffs-MGs und Fregatten vor Sonnenuntergängen zugeschmissen wurden, ist es nun wieder soweit: Ein deutsches Schiff wurde vor Somalia gekapert. "Endlich", denken vermutlich führende Marineoffiziere - jetzt können unsere blauen Jungs nach so vielen Jahren mal zeigen, was sie draufhaben. "Endlich", denkt mit Sicherheit auch der eine oder andere Journalist - das Interesse der Leser an der Thematik drohte allmählich einzuschlafen. Die Schlagzeile für morgen ist jedenfalls gesetzt.

Und es handelt sich auch noch um einen Tanker! Mit einer Erdgas-Ladung! Yeah - das dramatisiert das Ganze enorm, denn bei Energie hört der Spaß bekanntlich auf. Nix mehr mit Becks'scher Seefahrtsromantik: Die Schicksalstunde der Deutschen Marine, wie vorausgesagt! Ich kann das nervöse Vibrieren der Admiräle bis hierher spüren. Vermutlich werden sich die Kapitäne der noch vor Ort kreuzenden "Karlsruhe" und der bald eintreffenden und sie ablösenden "Rheinland-Pfalz" darum prügeln, gegen die Entführer vorgehen zu dürfen. Wird aber nichts: Deutsche Marineoffiziere haben seit 100 Jahren keine andere Strategie gelernt, als auf eine Entscheidungsschlacht zu setzen. Und wenn sich der Feind nicht zum Kampf stellt? Da können wir dann leider auch nichts machen. Außer des Nachts zwecks Provokation Fischerdörfer zu beschießen wie anno 1914.

Hach! Ich sehe schon das Ölgemälde im Bremerhavener Schiffahrtsmuseum (jawohl, mit zwei "f"!) vor mir: Der während der Schlacht in sturmgepeitschter See mit einer gewaltigen Explosion in die Luft fliegende Tanker, im Hintergrund die mit wehender Bundeskriegsflagge untergehende Fregatte, auf der ein letzter blonder Recke, aus zahllosen Wunden blutend, weiterhin auf die buckligen Piraten feuert... schaun mer mal, ob es auch actionreiche TV-Aufnahmen von der großen Seeräuberhatz vorm Horn von Afrika geben wird.

Nur eines noch: Wenn völlig verarmte Somalis das Schiff eines deutschen Reeders, das auf den Bahamas registriert und mit einer unterbezahlten philippinischen Besatzung bemannt ist, kapern - wer ist da eigentlich der größere Pirat?

Mittwoch, 31. Dezember 2008

"So wird 2009", würde die Blödzeitung schreiben

Wer "A" sagt (wie etwa "Adieu 2008"), sollte auch "B" sagen (wie z.B. "Bitte nicht noch so ein Scheißjahr"). Letztlich ist es ja nur konsequent, nachdem es im vorangegangenen Posting eine Art von Rückblick gab, nun auch einen Blick ins kommende Jahr zu werfen. Macht ja auch das letzte Feld-, Wald- und Wiesenblatt. Die Zahl "Fünf" hat sich als ganz brauchbar erwiesen - alsdann: Das Jahr 2009 in fünf Punkten.
  • Andrea Ypsilanti, mit Fackeln und Mistforken aus Hessen vertrieben, tritt als SPD-Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl an, nachdem Frank-Walter Steinmeier über Murat Kurnaz gestolpert ist. Obwohl sie vorher geschworen hat, niemals mit den Verfassungsfeinden von der FDP auch nur zu sprechen, schließt sie nach der Wahl plötzlich eine schwarzrotgelbe Koalition nicht mehr aus. Das interessiert aber niemanden, da die SPD an der Fünfprozenthürde gescheitert ist. Neuer Parteivorsitzender wird ein gewisser Bonifatius Müller-Klöbner-Schimmelpfennig.
  • Den hauptberuflichen Euphemismus-Erfindern der Bundesregierung ist es immer noch nicht gelungen, einen netteren Ausdruck für "Weltwirtschaftskrise" (Ex-"Finanzmarktkrise"-ex-"Bankenkrise"-ex-"US-Immobilienkrise") zu finden. Das macht aber nichts, sie haben noch ein paar Jahre Zeit dafür - denn Experten sagen, die Krise sei noch lange nicht überstanden. Andere Experten sagen hingegen, es habe gar keine Krise gegeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück garantieren den Bundesbürgern derweil, dass ihre CD-Sammlungen sicher sind.
  • Um die Konjunktur anzukurbeln, erlässt das Kabinett ein Gesetz, durch das jeder, der sich bis zum 31. Januar ein Mehrfamilienhaus kauft, für ein halbes Jahr von den Müllgebühren befreit wird. Unterdessen werden weite Teile Bremerhavens abgerissen, um Platz für noch ein paar Millionen nicht verkaufte Autos zu schaffen. Die deutsche Wirtschaft schwenkt um, Hauptexportartikel werden elektronische Zigaretten. Dennoch bricht das System zusammen, als Sabine Bätzing vorschlägt, eine 0,0001-prozentige Steuer auf Bier zu erheben. In der darauf losbrechenden Revolution wird die gegenwärtige Regierung hinweggefegt, zwei Tage später aber unverändert wieder eingesetzt, da die Anführer der Revolution zu dem Schluss gekommen sind: "Wir als kleine Bürger können ja eh nichts machen."
  • Die Deutsche Hochseeflotte besiegt in einer gnadenlosen und ruhmreichen Entscheidungsschlacht die Flotte der Piraten vor Somalia. Zwei einsame Fregatten setzen sich mit genialer Taktik und übermenschlicher Leistung der Besatzungen gegen eine vielfache Übermacht von Piraten-Tretbooten durch. Der Tag der Schlacht wird zum staatlichen Feiertag erklärt, die Kinder bekommen schulfrei und müssen Matrosenanzüge tragen. In Wilhelmshaven wird ein neues Marine-Ehrenmal eingerichtet. Die Marine blickt aber schon in die Zukunft und bestellt weitere 342 Fregatten und 2138 Korvetten.
  • Nachdem Barack Obama von durchgeknallten Rassisten und Hillary Clinton von einem durchgeknallten Republikaner dahingemeuchelt worden sind und John McCain einen Herzinfarkt erlitten hat, wird Sarah Palin doch noch US-Präsidentin. Als erste Amtshandlung lässt sie den Mann verhaften, der ihr damals beim High-School-Abschlussball einen Korb gegeben hat. Anschließend erklärt sie diesem merkwürdigen Land namens "Russland" oder so ähnlich den Krieg, weil es ihr von ihrem Ferienhaus in Alaska den Ausblick auf die freie See nimmt. Dafür wird der Krieg im Irak beendet, da ein Großteil des Staatshaushaltes für Kleider und Kosmetik draufgeht. Ihre Tochter verdonnert Palin dazu, jedes Jahr ein Kind zu bekommen, um sich von der Sünde des vorehelichen Verkehrs reinzuwaschen.
In diesem Sinne: Zwar bin ich mir vollkommen im Klaren darüber, dass Silvester ein Tag wie jeder andere ist und es nicht die geringsten Anhaltspunkte gibt zu glauben, dass sich von heute auf morgen irgendetwas ändern sollte.

Da ich aber nicht nur mit Stöckchen, sondern auch gerne mit Floskeln um mich werfe und mich dem gesellschaftlichen Druck kaum entziehen kann, sei allen, die dies lesen, hiermit viel Glück im neuen Jahr gewünscht. Wir werden viel davon brauchen.

Montag, 24. November 2008

Pirates reloaded

Die Deutschen erweisen sich ja als erstaunlich effizient im Kampf gegen die Seeräuber. Bereits zum zweiten Mal hat die Bundesmarine vor dem Horn von Afrika Piraten in die Flucht geschlagen - durch ihr bloßes Erscheinen. Diese friedfertige Art der Piratenbekämpfung lobe ich mir. Allerdings bewahrheitet sich dadurch einmal mehr, dass mangelnde Bildung Nachteile im Beruf mit sich bringt.

Denn: Wüssten die Piraten, dass die Soldaten der Bundesmarine überhaupt nicht eingreifen dürfen, könnten sie ja auch völlig unbeeindruckt die Kaperung durchziehen. Und den Hubschrauberpiloten anschließend die Zunge rausstrecken. So aber haben sie den Sprit für ihr Motorboot umsonst verbraucht. Und bei den heutigen Energiekosten kann das kleinen und mittelständischen Seeräuberunternehmen schnell das Genick brechen.

Vielleicht haben sie ja deswegen den Supertanker gekapert...?

Sonntag, 23. November 2008

Arrrh! Nehmt dies, elende Landratten!

Typisch: Während in Deutschland noch bis Weihnachten diskutiert wird, ob die Marine gegen Piraten vorgehen darf oder ob die vielen sauteuren Kriegsschiffe nun wirklich zu gar nichts nutze sind, legen Amis und Russen mal wieder vor: Nach dem Motto "Nicht kleckern, sondern klotzen" wollen sie die Piratenjagd am Horn von Afrika intensivieren und auch an Land gegen die seefahrenden Kriminellen vorgehen. Beim Kapern eines Tankers mit Öl im Wert von 130 Millionen Dollar hört der Spaß eben auf, nicht wahr?

Na, dann hoffe ich ja mal, dass die Amerikaner bei der Auswahl ihrer Ziele etwas wählerischer sind als in Afghanistan oder im Irak, wo jeder, der zu schnell oder zu langsam fährt, einen zu langen Bart hat, sich auf einer Hochzeitsfeier befindet oder sonst irgendwo herumsteht, als Terrorist durchgeht und damit zum legitimen Ziel wird.

Zugegeben: Irgendwelche Richtlinien brauchen die Soldaten ja nun. Wie ich den US-Generalstab einschätze, lauten sie etwa wie folgt: Jeder Somali, der sich auf 50 Meter dem Strand nähert, gilt als Bedrohung. Jeder, der in einem Boot die Küste verlässt, könnte Terrorist Pirat sein; wenn mehr als zwei im Boot sitzen, sind es ganz bestimmt welche. Jedes Fischerdorf könnte ein Piratennest sein!

Die Deutsche Marine hingegen wird für das Eröffnen des Feuers zur Bedingung machen, dass zuvor zweifelsfrei nachgewiesen sein muss, dass mindestens einer der Insassen des verdächtigen Bootes eine Augenklappe oder ein Holzbein haben muss. Diese Hintergrundinformation zu Piraten bekommt die Bundeswehr aus Geheimdienstberichten des BND. Weht keine "Jolly Roger"-Fahne am Heck und kann an Bord des Fahrzeugs kein Papagei ausgemacht werden, so muss zunächst der Bundestag zu Rate gezogen werden. Diese Regeln werden allerdings erfahrungsgemäß bald über den Haufen geworfen und der US-Vorgehensweise angepasst werden.

Es steht zu befürchten, dass nun auch dort die "Erst schießen, dann fragen"-Taktik angewandt wird. Die somalischen Fischer tun mir jetzt schon leid. Noch schlimmer könnte es eigentlich nur kommen, wenn die Russen ihre erprobte "Tschetschenien-Taktik" anwenden: Einfach das ganze Land plattbomben, bis sich nichts mehr rührt.

Nachtrag: Vielleicht erledigt sich die Sache aber auch von selbst...

Freitag, 11. April 2008

Die Ga ... Die Gaga...

Eine knappe Woche nach der Kaperung der Luxusyacht "Le Ponant" durch somalische Piraten sind die 30 Besatzungsmitglieder, die als Geiseln festgehalten wurden, unverletzt freigekommen - allem Anschein nach durch die Zahlung eines Lösegeldes in Millionenhöhe. Das ist eine gute Nachricht.


Weniger Glück hatten offenbar die Piraten: hier ist von Schusswechseln mit verfolgenden französischen Militäreinheiten und mehreren Toten die Rede. Nun ja, die Zeiten werden härter - früher wären sie vielleicht noch mit einer ordentlichen Tracht Prügel davon gekommen, wie die obenstehende authentische Abbildung zeigt. Aber früher waren ja auch die Segelschiffe noch schöner und ohnehin alles besser.