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Samstag, 10. März 2012

Gute, alte, dunkle Zeit

Neulich beim Zappen versehentlich bei Maischberger hängengeblieben. Normalerweise meide ich solche Formate, es macht mehr Spaß und ergibt auch mehr Sinn, Kindergartenkinder beim Seifenblasenblasen zuzugucken, mit dem netten Nebeneffekt, dass die Blagen nur schwer brüllen können, während sie in das Plastikdings pusten. Und manchmal kommt dabei eine Blase heraus, die so schillernd ist, dass man nur noch staunend erstarren und sie anglotzen kann. Auch bei Maischberger. In diesem Fall kam sie aus dem Mund des Ex-BDI-Chefs Michael Rogowski.


Freitag, 25. März 2011

Antikapitalismus in der FDP-Variante

Köstlich, ganz köstlich: Endlich einmal muss nicht irgendeine untere Charge, ein Abteilungsleiter oder ein Pressesprecher als Bauernopfer herhalten - nein, niemand anderes als der Hauptgeschäftsführer des BDI, einer der Kerninstitutionen des bundesdeutschen Hochkapitalismus, muss Brüderles bierseliges Mitteilungsbedürfnis ausbaden. Zwar trifft es, obwohl ich Werner Schnappauf keine Träne nachweine, auch hier streng genommen nicht den Richtigen - aber ein Geldsack weniger ist doch auch mal was. Bis der nächste herangezüchtet ist, hält der BDI ja vielleicht mal ein paar Monate lang den Rand.


Mittwoch, 23. Februar 2011

Ja, wo sitzen sie denn?

Was muss ich da lesen? Politiker verdienen gar nicht schlechter als Manager? Besser gar - sogar viel besser? So was - da gerät ein althergebrachtes Axiom ins Wanken. Seit ich denken kann, wurde uns eingetrichtert, dass Politiker viel zu wenig Geld bekommen. Hunderte von Diätenerhöhungen wurden damit gerechtfertigt - Begründung: Man könne nur so "verhindern, dass die besten Köpfe in die Wirtschaft gehen". Und es war so leicht, das zu glauben. Denn dass die fähigsten und klügsten Menschen des Landes nicht unbedingt auf den Parlamentssitzen und in den Ministersesseln sitzen, war ja stets offensichtlich.


Dienstag, 7. September 2010

Neue Umfrage: Allons, enfants de l'économie...

[Aus Merkels Konversations-lexikon, Ausgabe 2010]
Revolution [ʀevoluˈʦi̯oːn], die: Bedeutungsschwerer Begriff, mit dem man dem Volk einen faulen Kompromiss als historische Großtat verkaufen kann.

Den Namen Merkel wird man fürderhin in einem Atemzug mit Lenin, Danton, Castro oder Zapata nennen müssen. Atemberaubend, wie sie die gesellschaftlichen Verhältnisse im Land rigoros umgewälzt hat, indem sie der Energielobby mal so richtig gezeigt hat, wo das Scheckheft hängt! Und das Beste ist: Sie ist nicht die einzige - Deutschland wimmelt nur so von Revoluzzern! Aber wer ist der Größte (neben la maxima líder Merkel selbstverständlich)? Das wollen wir in der neuen Umfrage herausfinden. Bitte klicken Sie jetzt.

Dienstag, 31. August 2010

Boombranche Arbeitszuhälterei

"Na, Süßer, wie wär's...?"
'N guten Morgen. Alle wach? Den ersten Kaffee schon genossen? Das ist schade, denn gleich werden Sie ihn in hohem Bogen wieder ausspucken. Nein, nicht weil Thilo Sarrazin heute offenbar Aufmacher in allen Onlinemedien dieser Welt ist. Auch nicht, weil sich selbige mittlerweile stillschweigend auf den harmlosen Euphemismus "Thesen zur Migrationsproblematik" geeinigt zu haben scheinen, wenn sie über dessen widerwärtigen Rassistendreck schreiben und ihm damit eine vollkommen unverdiente Diskussionswürdigkeit verleihen. Nein, das alles führt nur noch zu saurem Aufstoßen, man stumpft ja nach dieser Dauerbeschallung allmählich ab. Kotzen muss man spätestens angesichts einer Zahl, die heute morgen in der Tagesschau mal eben so in einem Halbsatz erwähnt wurde: Jeder dritte (!) Arbeitsplatz ist demnach in der Zeitarbeitsbranche.


Mittwoch, 14. Juli 2010

Lechts und Rings kann man nicht velwechsern? Werch ein Illtum!

Toyotafahrer aller Länder, beruhigt euch: Das Rätsel um die auf mysteriöse Weise von selbst beschleunigenden Fahrzeuge ist gelöst. Es waren mitnichten klemmende Gaspedale, die zu der schrecklichen Unfallserie mit weltweit mindestens 93 Toten geführt haben - nein, die Opfer waren offenbar schlicht und einfach zu blöd zum Autofahren: Sie sollen Gas- und Bremspedal stumpf verwechselt haben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des US-Verkehrsministeriums.

Montag, 31. Mai 2010

Die Rückbuchung könnte sich als schmierig erweisen

Es ist diese Art von Nachricht, die einen in den Kaffee prusten lässt: Die FDP stellt die Steuererleichterungen für Hoteliers wieder in Frage. Zur Erinnerung: Das sind die von ihr selbst eingeführten. Was mich jetzt interessiert: Müsste die Partei nun nicht die ganzen Spendengelder an Mövenpick zurückzahlen? Plus Konventionalstrafe, weil sie ihren Teil der Abmachung nicht erfüllt hat?

Donnerstag, 27. Mai 2010

Auf dem Firmengelände gilt striktes Suizidverbot

Die Arbeit in einer chinesischen Fabrik ist bestimmt alles andere als lustig - und beim iPhone-Hersteller Foxconn offenbar so schlimm, dass sich seit Jahresbeginn bereits zehn Sklaven Leibeigene Mitarbeiter das Leben genommen haben. Die Chefetage des Apple-, Dell- und HP-Zulieferers reagiert umgehend: Die Firmengebäude werden mit Netzen verhängt, damit sich niemand mehr zu Tode stürzen kann; und überhaupt werden der Belegschaft Suizide ab sofort untersagt. Die Mitarbeiter müssen allen Ernstes eine entsprechende Erklärung unterschreiben. Aber was passiert, wenn jemand dagegen verstösst?

Montag, 18. Januar 2010

Nehmen ist seliger denn Geben

Der Mensch gewöhnt sich bekanntlich an alles: An Hitze oder Kälte, frühes Aufstehen oder einen ungeliebten Ehepartner. Nirgendwo trifft dieser Spruch aber so zu wie in der Politik. Hier gewöhnen sich die Wähler im Laufe der Zeit auch an alles: An Sozialabbau, Umverteilung, Kriege - und schließlich auch daran, dass Politiker bestechlich sind.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Hauptsache gesund!

Höret nun die frohe Weihnachtsbotschaft: Das neue Jahr, sagte der Zukunftsforscher Horst Opaschowski, werde "schwere Verteilungskämpfe" mit sich bringen. Davon gehe ich ebenfalls aus, auch ohne Blick in die Kristallkugel. Und ich gehe gar einen Schritt weiter und prognostiziere: Diese Verteilungskämpfe werden samt und sonders von den oberen Gesellschaftsschichten gewonnen werden.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Der Blitz soll euch beim Steuerzahlen treffen!

Ein neuer Tag, ein neuer Wirtschaftsheini, ein neuer haarsträubender Vorschlag: Der Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, Ulrich Blum, schlägt vor, von konfessionslosen Bürgern eine "Ethiksteuer" einzutreiben. Damit wolle er die Zahl der Kirchenaustritte senken, sagte er der Blödzeitung. Sieben Prozent der Einkommenssteuer - das soll die gerechte Strafe Gottes dafür sein, dass ihr euch vom rechten Glauben abwendet, ihr Ketzer!

Freitag, 11. Dezember 2009

Beispielhaft: Bank geht gegen Bonuszahlungen vor

Endlich einmal eine erfreuliche Meldung in diesen finsteren Zeiten der Finanzkrise: Die erste Bank hat offiziell verkündet, dass überhöhte Boni für Mitarbeiter ab sofort der Vergangenheit angehören! Jawohl: Niemand anderes als der Aufsichtsratsvorsitzende der HSH-Nordbank, Hilmar "Peanuts" Kopper, hat verkündet, dass das Wort "Bonus" in seinem Haus nunmehr "getilgt" sei.

Stattdessen heißen die Millionenzahlungen nun "variable, erfolgsbezogene Vergütungsbestandteile".

Dienstag, 1. Dezember 2009

Und die Verfassungsrichter segneten den siebten Tag und erklärten ihn für heilig

Da hat wohl so manches Berliner Ladenbesitzerherz für einen Moment ausgesetzt: Das Bundesverfassungsgericht hat die verkaufsoffenen Sonntage zur Adventszeit für grundgesetzwidrig erklärt. Zwar nur in der Hauptstadt, und für dieses Jahr dürfen die angesetzten Ladenöffnungen noch durchgezogen werden - aber immerhin ein kleines Signal gegen diesen aberwitzigen und immer weiter ausufernden Konsumterror, dem meiner Meinung nach schon längst mal jemand hätte Einhalt bieten müssen. Verwunderlich ist indes die Begründung der Verfassungsrichter.

Montag, 9. November 2009

Teile und herrsche 2.0

Eines muss man dem guten Mann ja lassen: Prof. Hans-Werner Sinn, Prediger, Dämon und Prophet des ungezügelten Manchesterkapitalismus, hat zumindest Sinn (harhar) für den passenden Zeitpunkt seiner geistigen Ejakulationen. Pünktlich zum runden Jahrestag des Mauerfalls - in einem Moment, in dem sich Ossis und Wessis trotz aller Probleme heulend in den Armen liegen, vor allem deshalb, weil sie sich vom öffentlich-medialen Druck dazu gezwungen sehen und Angst haben, ins Gefängnis zu müssen, wenn sie sich nicht adäquat freuen - in einem solchen Moment plädiert er dafür, den Ossis Hartz IV zu kürzen. Chapeau! Vielleicht schafft Sinn es ja doch noch, dass ihn irgend jemand für seinen niederträchtigen Glauben an die Kraft der Ellbogengesellschaft an ein Kreuz schlägt.

Hosianna! Er hat uns ein Zeichen gegeben!

Lloyd Blankfein, seines Zeichens Chef der Großbank Goldman Sachs, hält nicht viel von Tiefstapelei. Nicht nur scheint er wenig aus der aktuellen Krise lernen zu wollen - laut Spon wird er sich und seine Manager zum Jahresende mit schlappen 20 Milliarden (!) Dollar an Boni beglücken -, sondern sich als Werkzeug einer höheren Macht zu fühlen: Banken, so der wandelnde Geldsack in einem Interview, machten die Menschheit schließlich wohlhabend; ja, sie verrichteten nichts weniger als "Gottes Werk". Halleluja - lasst uns alle einen Taschenrechner hochhalten!

Mittwoch, 30. September 2009

Ich muss schon sagen: Es weihnachtet sehr

Das ging schnell: Während ich nach dem Wahlabend erstmal mehrere Tage zur psychischen Regeneration brauchte, haben die üblichen Verdächtigen im Land der kommenden Regierungskoalition - noch vor deren Gründung - bereits ihre seit Monaten in den Schubladen liegenden Wunschzettel an die schwarze Nikolausine und ihren gelben Knecht Ruprecht präsentiert, der allerdings weniger die Rute als vielmehr das Steuersäckel schwenkt. Die Forderungen überraschen niemanden, es stellt sich eigentlich nur die Frage, was davon schon Weihnachten unterm Baum liegen wird und auf was die Lobbyisten noch bis zu ihrem Geburtstag - den sie vermutlich im Kanzleramt feiern dürfen - warten müssen.

Dienstag, 22. September 2009

Endlich: Weltregierung hört auf, geheim zu sein

Verschwörungstheoretiker fabulieren ja oft und gerne von einer geheimen "Weltregierung". Wird also Zeit, eine solche Institution auch höchst offiziell zu schaffen: Der britische Premierminister Brown schlägt die Weiterentwicklung der G20-Gruppe zu einer solchen Weltregierung vor. Finde ich gut: Endlich mal Schluss mit diesen irritierenden Umwegen, den Rest der Welt über undurchschaubare Konstrukte wie die Weltbank oder die WTO zu beherrschen. Machen wir's statt dessen ganz offiziell: Die selbsternannten "größten" zwanzig Wirtschaftsmächte bestimmen, wo's künftig langgeht; die restlichen 173 Staaten (Stand: 22. 9., 12:00) nehmen's klaglos hin. Sie dürfen vielleicht ein wenig Opposition spielen, aber wozu? Diese neue Weltregierung wird ja schließlich nicht gewählt.

Mittwoch, 5. August 2009

Aaach sooo!

Na endlich! Ein Wissenschaftler hat eine Erklärung für die Ursache der Finanzkrise gefunden, die jeder versteht. Nachzulesen hier:
Hirnforscher: Beim Geld setzt der Verstand aus (via dpa).

Jetzt fehlen nur noch entsprechende Medikamente.

Sonntag, 2. August 2009

Erst kommt das Ficken, dann die Moral

Ich bin erschüttert: Die katholische Kirche investitiert Geld in Pharmakonzerne, die Antibabypillen herstellen, in Rüstungsfirmen - was bei einem Institut, das "Pax Bank" (="Friedensbank") heißt, ziemlich peinlich ist - und in Tabakkonzerne. So was! Ich dachte immer, die Kirche verdient ihr Geld seit jeher auf seriöse Art und Weise, etwa durch den Verkauf von Ablässen oder der Erhebung von Zwangssteuern. Und jetzt das! Wäre ich Katholik, würde ich mich selbst geißeln oder stundenlang beten. Bin ich aber nicht. Und ganz neu ist das alles auch nicht.

Samstag, 1. August 2009

Bayrische Gipsköppe aus Teheran

Soso - ein deutscher Konzern, der im Iran tätig ist, hat seinen iranischen Mitarbeitern mit fristloser Entlassung gedroht, falls diese sich an den Demonstrationen gegen das Regime beteiligen sollten. Merkwürdig unaufgeregt wird darüber berichtet - kein Wunder eigentlich. Denn wenn deutsche Firmen es schon für legitim halten, langjährige Mitarbeiter wegen des Einsteckens eines 1,30-Euro-Pfandbons, der Entwendung von drei nicht verzehrten Brötchen, dem Retten eines gebrauchten Kinderbetts vor dem Sperrmüll oder einem erhöhten Stromverbrauch von 0,014 Cent fristlos zu feuern - dann sollte eine Entlassung ja wohl erst recht gerechtfertigt sein, wenn die Mitarbeiter versuchen, die herrschenden Verhältnisse zu verändern, nicht wahr?

Wohlgemerkt: Im Schreiben ist nicht die Rede vom Demonstrieren während der Arbeitszeit, sondern einfach nur vom Demonstrieren. Ist ja auch nur konsequent: Wenn wir schon in Sachen Lohndumping, Arbeitszeiten und Kündigungsschutz auf dem direkten Rückweg ins 19. Jahrhundert sind, warum dann nicht auch bei der Bekämpfung von Revoluzzertum? Wie wär's denn bei dieser Gelegenheit mit der Forderung nach ein paar neuen Sozialistengesetzen, wenn wir schon dabei sind? Schließlich tut es auch in Deutschland den Geschäften nicht gut, wenn die Mitarbeiter soziale Veränderungen fordern.

Nach Spon-Angaben sollen iranische Behörden Druck auf die Firma Gips Knauf ausgeübt
haben, ihrerseits die Mitarbeiter von den Protesten fernzuhalten, was die Sache aber keineswegs besser macht oder als Entschuldigung durchgehen kann. So schnell macht man sich also zum Büttel eines Blutsäufers wie Ahmadinedschad: Allein schon eine unausgesprochene Drohung mit etwaigen Schikanen führt dazu, dass sämtliche demokratischen und freiheitlichen Werte - falls die Geschäftsführung solche überhaupt besessen haben sollte - über Bord geworfen werden. Im Prinzip sind diese Leute nicht viel besser als die Bassidsch-Milizen, nur mit Mercedes und Gehaltsscheck statt Moped und Eisenstange.

Dass dann, sobald leichte Irritation aufflackert, von Seiten der Firmenzentrale in Iphofen die Standard-Entschuldigungsfloskel vom "unglücklich formulierten Schreiben", das baldigst überarbeitet werden soll, bemüht wird, verwundert dann ebenso wenig wie die Hilf- und Zahnlosigkeit des Auswärtigen Amts, das (a) nix davon weiß, obwohl das Schreiben offen verfügbar ist und (b) sich nur zu der müden Äußerung aufraffen kann, man würde es "nicht gutheißen". Da schlottert doch so manches niederbayrische Knie.

Naja, vielleicht lässt das die Firma ja umschwenken; diese Leute sind, wie wir gesehen haben, durch nebulöse Andeutungen von Regierungsseite leicht zu beeindrucken. Mehr zumindest als von einem Boykott meinerseits: "Sehr geehrte Damen und Herren! Ich protestiere auf das Schärfste gegen Ihre Firmenpolitik und werde mich, wenn ich im Jahre 2017 das nächste Mal einen Sack Gips für 5,99 brauche, zu einem Konkurrenzprodukt greifen! So!" Ich brauche das Zeug halt nur höchst selten.