Warum eigentlich, wenn ich mal so blöd fragen darf, vermelden jedes Jahr aufs Neue sämtliche Medien an möglichst prominenter Stelle, dass der Papst erneut den Segen "Urbi et Orbi" gespendet hat? Er macht das bekanntlich jedes Jahr, zweimal sogar - warum also verdrängt diese Meldung, allen redaktionellen Leitlinien widersprechend, stets viel außergewöhnlichere und bedeutungsschwerere tagesaktuelle Ereignisse? Besteht etwa, ohne dass wir armen Schäfchen etwas von dieser drohenden Gefahr ahnen, Jahr für Jahr die Möglichkeit, dass er diesen Segen einmal nicht spendet, zum Beispiel, weil wir alle nicht genug gebetet und zuviel an unseren Schniedeln herumgespielt haben?
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Montag, 9. April 2012
Mittwoch, 30. Juni 2010
Im Namen des Herrchens
In einem Örtchen unweit von Oldenburg hat es einen Gottesdienst für Hunde gegeben. Schade, dass ich's nicht gesehen habe: Die Predigt zu knurren und zu bellen dürfte den Pastor sicherlich vor ungeahnte Herausforderungen gestellt haben, obwohl das Thema angesichts des zu erwartenden gegenseitigen Beschnüffelns wohl gesetzt war: "Nächstenliebe". Oder die Zehn Gebote, beginnend mit "Du sollst nicht aufs Pflaster kacken!" Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Gemeinde weiß, was sie mit dem ganzen Frolic im Klingelbeutel nun anfangen soll. Vermutlich an die Tafel weitergeben.
Freitag, 16. April 2010
Das Hinterzimmer im Zuchthaus der Kirche
Im mangels Nutzung reichlich eingerosteten Hirn Bischof Mixas hat sich knarrend eine längst vergessene Tür geöffnet: Er könne nun doch "nicht mehr ausschließen", dass er seinerzeit als Pfarrer die "eine oder andere Watschn" verteilt habe, zitiert ihn die SZ. Wir erinnern uns: Noch vor wenigen Wochen behauptete er, "zu keiner Zeit körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in irgendeiner Form angewandt" zu haben. Aber hey, es waren doch nur ein paar Watschn - das ist doch keine Gewalt, das ist ein Liebesbeweis! Steht jedenfalls in der Bibel.
Mittwoch, 14. April 2010
Wer hat die Kirche verraten? Schwule jüdische Sozialdemokraten!
Der Grad der Weltentrücktheit ist schon fast bemitleidenswert: Im Tagesrhythmus benennt die katholische Kirche neue Schuldige an den zahllosen Fällen von Kinderschändung. Allein in den letzten sieben Tagen waren es nacheinander SPD und Grüne (ach nein, tschuldigung: Das kam nicht von der Kirche, sondern von der FDP), dann natürlich die Juden - wobei man sich bei Bedarf auch gleich mal selbst so fühlt wie Juden - und jetzt die Schwulen. Wenn es wenigstens Satire wäre, die da Tag für Tag aus dem Vatikan und seinen Dependancen quillt, eine Art verunglückter Versuch von Selbstironie oder so – man würde es als ein wenig platt und abgegriffen, aber wenigstens einigermaßen erträglich empfinden. Tatsächlich sind diese gedanklichen Rohrkrepierer aber der volle Ernst der vom geiligen Geist durchdrungenen Kardinäle, Bischöfe und Inquisitoren.
Freitag, 2. April 2010
Krreuzigungsgrrruppeeeee - Auf die Plätze, fertig, los!
Es gibt viele Aktivitäten, mit denen man den Karfreitag herumbringen kann, etwa schlafen, spazierengehen oder saufen; letzteres allerdings nur in betrübter, ernster Stimmung, denn es ist ja - wie erwähnt - Karfreitag. Oder man kann sich natürlich auch selbst blutig prügeln und ans Kreuz schlagen lassen, wie es jedes Jahr ein paar durchgeknallte Katholiken im phillippinischen Dorf San Pedro tun.
Samstag, 20. März 2010
Satanische Per-Verse
SPD-Vorsitzender sei "das schönste Amt neben dem Papst", sagte Franz Müntefering einmal. Da wäre mittlerweile mehr als ein Fragezeichen angebracht: Was den Parteivorsitz angeht ohnehin - und auch der Papst hat nun ein richtig fieses Problem an der Backe: Der Teufel höchstselbst treibt sein Unwesen nicht etwa in Hippiekommunen, feministischen Gesprächskreisen oder dem Haus von Richard Dawkins, sondern - obacht - direkt im Vatikan! Das sagt Don Gabriele Amorth, seines Zeichens oberster Chefinquisitor in Rom. Der Mann kann gar nicht irren: Er ist dem Hörnerheini laut eigener Auskunft bereits 70.000 Mal gegenübergetreten und hat ihn dahin zurückgeschickt, wo der Pfeffer verbrennt.
Dienstag, 9. März 2010
Na, Kleiner - soll ich dir mal meine Extrawurst zeigen?
Jaja, die katholische Kirche braucht immer ein bisschen länger für alles; das ist hinlänglich bekannt. Aber wenn das Bistum Augsburg sich erst elf Jahre, nachdem es Kenntnis von einem Missbrauchsfall erhielt, jetzt dazu bequemt, den mutmaßlichen Täter zur Selbstanzeige zu bewegen, dann frage ich mich, ob die Vertuschungsstragie der Katholen nicht so langsam den Tatbestand der Strafvereitelung erfüllt. Und ausnahmsweise, nur in diesem einen einzigen Fall, würde ich gerne mal hören, was Mixa als Chef des Bistums dazu zu sagen hat.
Sonntag, 28. Februar 2010
Neue Umfrage: Kindesmissbrauch - wer hat's erfunden?
Monatsende - Zeit für eine neue Umfrage. Der Augsburger Bischof Walter Mixa, der ja selten um aberwitzig schwachsinnige Äußerungen verlegen ist, hat ganz allein herausgefunden, wer bzw. was an den Kinderfickereien bei den Katholiken schuld ist: Die sexuelle Revolution der 68er. Dass man darauf nicht schon längst gekommen ist - es ist schließlich allgemein bekannt, dass die moralisch verkommenen dauerbekifften Hippies, ökogrünen Baumliebhaber und dunkelroten SDS-Revoluzzer später reihenweise in die katholische Kirche eingetreten sind, um Schweinepriester zu werden. Und außerdem ist es eine Binsenweisheit, dass die 68er sowieso an allem schuld sind. Woran genau? Das ist Thema der neuen Umfrage, wie immer oben rechts. Bitte fi... äh, klicken sie jetzt.Mittwoch, 10. Februar 2010
Wehe, ihr Sünder, vor dem grausamen und rachsüchtigen Wagner-Gott!
Der verhinderte Linzer Weihbischof Gerhard Wagner, der einst Hurrikan Katrina als Strafgericht Gottes für die unmoralische Lebensweise der Einwohner von New Orleans ansah, bleibt seinen Prinzipien treu. Im Interview mit dem "Kurier" antwortete der wieder zum Pfarrer zurückgestufte Wagner auf die Frage, ob in Haiti "ein strafender Gott" am Werke gewesen sei: "Das weiß ich nicht. Gott lässt sich nicht in seine Karten schauen. Aber es ist schon interessant, dass in Haiti 90 Prozent Anhänger von Voodoo-Kulten sind." Na, was für ein Zufall. Da hat Gott wohl den Erdbeben-Trumpf auf den Tisch geknallt, und sein Gegenspieler, der afrikanische Geistergott, musste fünf Euro in den Pott zahlen.
Mittwoch, 3. Februar 2010
Da dreht sich Heinrich VIII. im Grabe
Es ist nun schon fast ein halbes Jahrtausend her, dass sich die englische Kirche vom Vatikan losgesagt hat. Dennoch reicht der Arm des Papstes noch weit - sehr weit, wie man jetzt beobachten muss. Eine kritische Äußerung des greisen Inquisitors auf dem heiligen Stuhl reichte jetzt aus, um die Novellierung des britischen Gleichstellungsgesetzes zu kippen. Wenn das der olle Tudorkönig wüsste.
Dienstag, 22. Dezember 2009
Der Blitz soll euch beim Steuerzahlen treffen!
Ein neuer Tag, ein neuer Wirtschaftsheini, ein neuer haarsträubender Vorschlag: Der Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, Ulrich Blum, schlägt vor, von konfessionslosen Bürgern eine "Ethiksteuer" einzutreiben. Damit wolle er die Zahl der Kirchenaustritte senken, sagte er der Blödzeitung. Sieben Prozent der Einkommenssteuer - das soll die gerechte Strafe Gottes dafür sein, dass ihr euch vom rechten Glauben abwendet, ihr Ketzer!
Dienstag, 1. Dezember 2009
Und die Verfassungsrichter segneten den siebten Tag und erklärten ihn für heilig
Da hat wohl so manches Berliner Ladenbesitzerherz für einen Moment ausgesetzt: Das Bundesverfassungsgericht hat die verkaufsoffenen Sonntage zur Adventszeit für grundgesetzwidrig erklärt. Zwar nur in der Hauptstadt, und für dieses Jahr dürfen die angesetzten Ladenöffnungen noch durchgezogen werden - aber immerhin ein kleines Signal gegen diesen aberwitzigen und immer weiter ausufernden Konsumterror, dem meiner Meinung nach schon längst mal jemand hätte Einhalt bieten müssen. Verwunderlich ist indes die Begründung der Verfassungsrichter.
Samstag, 14. November 2009
Der Anarcho-Bischof von Augsburg
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist bekanntlich dafür da, die Menschenrechte in den EU-Mitgliedsstaaten zu schützen und über ihre Einhaltung zu wachen. Das ficht natürlich diejenige Institution, die sich seit viel, viel längerer Zeit zu dieser Aufgabe berufen fühlt, nicht an: Denn was richtige Menschenrechte sind und wie man sie verletzt, will die katholische Kirche seit jeher am besten wissen. Vorhang auf für Walter Mixa, dem Mann, der - wenn man in seinem Nachnamen nur einen einzigen Buchstaben um 180 Grad dreht - dem Sprichwort "nomen est omen" eine ganz eigene Wahrheit verleiht: Der Augsburger Bischof fordert angesichts des Kruzifix-Urteils des EuGH die Politiker offen zum Rechtsbruch auf.
Dienstag, 10. November 2009
Der Nürnberger Prozess gegen Williamson
... findet nun leider in Regensburg statt, was dummerweise den von mir angedachten ironischen Einstieg zu diesem Post etwas verhagelt. Aber egal: Zum Prozess kommt es, weil der Piusbruder-Bischof Einspruch gegen die vom Nürnberger OLG verhängte Geldstrafe von 12.000 Euro (errechnet sich aus Tausendjährigem Reich mal zwölf Jahren realer Dauer) wegen Volksverhetzung eingelegt hat. Williamson argumentiert, er habe keineswegs den Holocaust geleugnet, als er vor laufender Kamera behauptete, in Auschwitz sei kein einziger Jude in Gaskammern getötet worden. Äh, ja. Die kommende Verhandlung verspricht eine Peinlichkeit vor dem Herrn zu werden.
Dienstag, 3. November 2009
And the Adolf goes to... (II)
Mannomann, das flutscht aber derzeit nur so mit den unpassenden Nazivergleichen. Schon steht der nächste Anwärter für einen Hitlerzwerg auf der Matte - und es handelt sich um keinen Unbekannten: Kardinal Joachim "Entartete Kunst" Meisner. Man kann in seinem Fall schon fast davon sprechen, dass er den goldenen Adolf für sein Lebenswerk erhält. Herzlichen Glückwunsch.Sonntag, 2. August 2009
Erst kommt das Ficken, dann die Moral
Ich bin erschüttert: Die katholische Kirche investitiert Geld in Pharmakonzerne, die Antibabypillen herstellen, in Rüstungsfirmen - was bei einem Institut, das "Pax Bank" (="Friedensbank") heißt, ziemlich peinlich ist - und in Tabakkonzerne. So was! Ich dachte immer, die Kirche verdient ihr Geld seit jeher auf seriöse Art und Weise, etwa durch den Verkauf von Ablässen oder der Erhebung von Zwangssteuern. Und jetzt das! Wäre ich Katholik, würde ich mich selbst geißeln oder stundenlang beten. Bin ich aber nicht. Und ganz neu ist das alles auch nicht.
Dienstag, 7. Juli 2009
Bestellen Sie jetzt Ihre Paulus-Reliquie vor, und Sie erhalten einen kleinen Zehennagel gratis!
Hosianna – die Gebeine des Apostels Paulus sind entdeckt! Preiset den Herrn, errichtet eine Kathedrale und beginnt mit dem Verkauf von Heiligenbildchen und Paulus-Eierwärmern. Gut – streng genommen ist diese Neuigkeit gar keine, denn das betreffende Grab in der römischen Basilika, das der Vatikan aufbohren ließ, um die Knochen rauszuholen, gilt nach Ansicht der Kirche schon seit längerem als das eben jenes Paulus’; und das Ergebnis der jüngsten wissenschaftlichen Untersuchung der Leichenteile hat auch nicht gerade Beweiskraft. Aber darum geht’s ja auch gar nicht.
Montag, 11. Mai 2009
Papa ante portas musei
Es wird allmählich langweilig, über den Papst zu schreiben. Aber wenn Spon seinen Top-Artikel mit der Zeile "Papst ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf" betitelt, dann - ja, was dann? Wie soll man auf so etwas reagieren? Hysterisch wiehern? Vor Schmerz auf dem Boden wälzen? Oder einfach den Kopf schräg legen und anfangen zu sabbern? Ich entscheide mich für letzteres und hoffe, dass nichts auf die Tastatur tropft.
Dass der oberste Hirte der ach so fried- und nächstenliebenden Christenheit mit militärischen Ehren empfangen wird, verbuche ich mal als feinsinnigen Witz; zumal Schimon Peres die Papstvisite bei dieser Gelegenheit als "Reise im Dienst des Friedens" bezeichnete und hinzufügte, dass schließlich auch Israel um Frieden bemüht sei. Nun ja, "bemüht" ist recht treffend. Das könnte man der israelischen Regierung in ihr Arbeitszeugnis schreiben: "War stets bemüht, Frieden zu schaffen." Heißt im normalen Berufsleben: Totale Niete, endlich sind wir den los.
Aber ich schweife ab. Schön, dass Bennysixteen noch auf dem Flughafen an die Opfer des Holocaust erinnert hat. Der Mann ist lernfähig: Noch vor wenigen Wochen kungelte er mit einem Priester herum, der behauptete, dass es diese Opfer gar nicht gegeben habe. Und auch schön, dass er "für den Frieden im Heiligen Land beten" wolle. Noch vor gut einem Jahr hat er lieber dafür gebetet, dass die Juden "erleuchtet" werden mögen und in die Kirche eintreten. Und schön schließlich, dass er einen Abstecher nach Yad Vashem machte. Leider, ach, reicht die Zeit bei solchen Rundreisen ja nie aus; und so hat auch Benedikt bei seinem so kurz wie möglich gehaltenen Pflichtbesuch das Museum gemieden, in dem sein Vorgänger Pius XII. für seine Untätigkeit gegenüber dem Holocaust kritisiert wird. Er blieb für die paar Minuten lieber draussen vor der Tür - Papa ante portas, gewissermaßen. Es ist ja der Wille, der zählt. Und die Fotos.
Mag sein, dass Benedikt PR-technisch seine Lektion aus der Williamson-Affäre gelernt hat und daher so vehement einen auf Anti-Antisemiten macht. Die Rolle als Vorkämpfer gegen antisemitische Tendenzen nehme ich ihm allerdings genauso wenig ab, wie ich Horst Köhler seine Kapitalismusschelte abkaufe. Er sei Gott dankbar für die Gelegenheit, "hier in Schweigen zu stehen", zitiert Spon den Heiligen Vater in Yad Vashem: "Es ist ein Schweigen des Gedenkens, ein Schweigen des Gebets, ein Schweigen der Hoffnung." Ja - und ein Schweigen der Feigheit und ein Schweigen der Rückgratlosigkeit. Denn gerade er hätte die unrühmliche Rolle der katholischen Kirche während der NS-Zeit mal kritisch reflektieren können. Hätte ihm viel Beifall eingebracht. Aber eher wird wohl ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen.
"Traurigerweise erhebt der Antisemitismus in weiten Teilen der Welt weiterhin sein hässliches Haupt", sagte Benedikt. Stimmt - obwohl ich der Meinung bin, dass er sich trotzdem selbst nicht so fertig machen muss. Für sein Aussehen kann er ja nun nix, der Ratze.
Dass der oberste Hirte der ach so fried- und nächstenliebenden Christenheit mit militärischen Ehren empfangen wird, verbuche ich mal als feinsinnigen Witz; zumal Schimon Peres die Papstvisite bei dieser Gelegenheit als "Reise im Dienst des Friedens" bezeichnete und hinzufügte, dass schließlich auch Israel um Frieden bemüht sei. Nun ja, "bemüht" ist recht treffend. Das könnte man der israelischen Regierung in ihr Arbeitszeugnis schreiben: "War stets bemüht, Frieden zu schaffen." Heißt im normalen Berufsleben: Totale Niete, endlich sind wir den los.
Aber ich schweife ab. Schön, dass Bennysixteen noch auf dem Flughafen an die Opfer des Holocaust erinnert hat. Der Mann ist lernfähig: Noch vor wenigen Wochen kungelte er mit einem Priester herum, der behauptete, dass es diese Opfer gar nicht gegeben habe. Und auch schön, dass er "für den Frieden im Heiligen Land beten" wolle. Noch vor gut einem Jahr hat er lieber dafür gebetet, dass die Juden "erleuchtet" werden mögen und in die Kirche eintreten. Und schön schließlich, dass er einen Abstecher nach Yad Vashem machte. Leider, ach, reicht die Zeit bei solchen Rundreisen ja nie aus; und so hat auch Benedikt bei seinem so kurz wie möglich gehaltenen Pflichtbesuch das Museum gemieden, in dem sein Vorgänger Pius XII. für seine Untätigkeit gegenüber dem Holocaust kritisiert wird. Er blieb für die paar Minuten lieber draussen vor der Tür - Papa ante portas, gewissermaßen. Es ist ja der Wille, der zählt. Und die Fotos.
Mag sein, dass Benedikt PR-technisch seine Lektion aus der Williamson-Affäre gelernt hat und daher so vehement einen auf Anti-Antisemiten macht. Die Rolle als Vorkämpfer gegen antisemitische Tendenzen nehme ich ihm allerdings genauso wenig ab, wie ich Horst Köhler seine Kapitalismusschelte abkaufe. Er sei Gott dankbar für die Gelegenheit, "hier in Schweigen zu stehen", zitiert Spon den Heiligen Vater in Yad Vashem: "Es ist ein Schweigen des Gedenkens, ein Schweigen des Gebets, ein Schweigen der Hoffnung." Ja - und ein Schweigen der Feigheit und ein Schweigen der Rückgratlosigkeit. Denn gerade er hätte die unrühmliche Rolle der katholischen Kirche während der NS-Zeit mal kritisch reflektieren können. Hätte ihm viel Beifall eingebracht. Aber eher wird wohl ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen.
"Traurigerweise erhebt der Antisemitismus in weiten Teilen der Welt weiterhin sein hässliches Haupt", sagte Benedikt. Stimmt - obwohl ich der Meinung bin, dass er sich trotzdem selbst nicht so fertig machen muss. Für sein Aussehen kann er ja nun nix, der Ratze.
Sonntag, 12. April 2009
Alles Atheisten außer Mutti
Die Buskampagne zeigt offenbar Wirkung: Die katholische Kirche bekommt langsam Angst vor den Atheisten. In seiner Osterbotschaft wetterte der Augsburger Bischof Walter Mixa zur Abwechslung mal nicht gegen Juden oder Muslime, sondern gegen die Gottlosen. Atheismus führe zu Massenmord, erdreistet sich der Mann zu behaupten und steigert sich zu einem absurden Vergleich zwischen Atheismus und Nationalsozialismus sowie Kommunismus. Aber auch die kapitalistische Ausbeutung sei Ausdruck der Gottlosigkeit. Im Prinzip wird wohl alles, was auf diesem Planeten schief läuft, von Atheisten verbockt.
Dabei vergisst er natürlich nicht zu betonen, dass "in diesen Systemen die Christen und die Kirche immer besonders verfolgt worden seien" (zitiert nach Spon). Mein Gott, Walter: Nicht nur hast du damit Juden, Homosexuellen, Sinti, Roma und Behinderten erneut eine richtige Watschn verpasst - nein, du hast auch mal eben locker-flockig das achte Gebot gebrochen. Denn zumindest in Punkto Nationalsozialismus ist die von Mixa angenommene Opferrolle der Kirche eine dreiste Lüge. Als Bischof ein Gebot brechen! An Ostern! Wenn das nicht ein paar Jährchen Fegefeuer einbringt, dann weiß ich's auch nicht.
"Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden." Das ist natürlich vollkommener Quark: Ohne Gott gibt es schließlich auch keine Hölle. So what? Eine Gesellschaft ohne Gott würde in erster Linie keine alten, sexuell verklemmten und den lieben langen Tag vor sich hin delirierenden Männer mit Vorliebe für tuntige Kleidung dafür bezahlen, dass sie von einem gasförmigen Wesen halluzinieren, dass alle Ungläubigen bestrafen werde. In einer Gesellschaft ohne Gott würden sie für sowas vermutlich in psychologische Behandlung kommen.
Vielleicht fürchtet Mixa aber auch nur Konkurrenz. Denn für Massenmord ist schließlich immer noch seine Firma zuständig.
Dabei vergisst er natürlich nicht zu betonen, dass "in diesen Systemen die Christen und die Kirche immer besonders verfolgt worden seien" (zitiert nach Spon). Mein Gott, Walter: Nicht nur hast du damit Juden, Homosexuellen, Sinti, Roma und Behinderten erneut eine richtige Watschn verpasst - nein, du hast auch mal eben locker-flockig das achte Gebot gebrochen. Denn zumindest in Punkto Nationalsozialismus ist die von Mixa angenommene Opferrolle der Kirche eine dreiste Lüge. Als Bischof ein Gebot brechen! An Ostern! Wenn das nicht ein paar Jährchen Fegefeuer einbringt, dann weiß ich's auch nicht.
"Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden." Das ist natürlich vollkommener Quark: Ohne Gott gibt es schließlich auch keine Hölle. So what? Eine Gesellschaft ohne Gott würde in erster Linie keine alten, sexuell verklemmten und den lieben langen Tag vor sich hin delirierenden Männer mit Vorliebe für tuntige Kleidung dafür bezahlen, dass sie von einem gasförmigen Wesen halluzinieren, dass alle Ungläubigen bestrafen werde. In einer Gesellschaft ohne Gott würden sie für sowas vermutlich in psychologische Behandlung kommen.
Vielleicht fürchtet Mixa aber auch nur Konkurrenz. Denn für Massenmord ist schließlich immer noch seine Firma zuständig.
Mittwoch, 18. März 2009
Business as usual
So, nun aber. Der Papst hat mittlerweile zugegeben, sich vielleicht in Sachen Williamson ein kleines bisschen suboptimal verhalten zu haben. Mehr ist da wohl nicht zu erwarten. Über die halbgaren Formulierungen und den weinerlichen Unterton seines Schreibens, das prompt als "historisch" eingeordnet wurde, wollen wir an dieser Stelle mal hinwegsehen; ebenso über Kardinal Joachim "entartete Kunst" Meisner, der polternd forderte, dass sich nun die ganze Welt, insbesondere alle Deutschen, bei Ratze zu entschuldigen hätten. Nein, das Thema ist jetzt wohl durch, die Krise überstanden, zurück zum Tagesgeschäft. Zeit, sich vom historischen Völkermord ab- und dem aktuellen zuzuwenden: Die Rede ist von Aids.
Genauer gesagt: Der Haltung des Vatikans zu Kondomen. Die ist bekannt und wurde jetzt nochmals bekräftigt. Auf der Pressekonferenz während des Flugs zu seinem Besuch in Kamerun sagte Benedikt XVI. wörtlich: „Die Immunschwächekrankheit Aids ist nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem.“ Als Prävention schlägt er stattdessen eine "spirituelle und menschliche Erneuerung" vor. Zur Erinnerung: In Afrika leben zwei Drittel aller Aids-Infizierten und sind schon 17 Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit gestorben. Kondome verschlimmern also das Aids-Problem - da platzt einem doch wirklich der Kopf. Reicht es mittlerweile schon, einfach nur Sachen zu behaupten? Wird von Seiten der zahlreichen anwesenden Journalisten nicht einmal ansatzweise eine Erklärung verlangt, wie das denn gehen soll?
Bei der katholischen Nachrichtenagentur KNA liest sich das übrigens so:
Wie dem auch sei - die bisherigen Aids-Opfer werden sicher nicht wieder lebendig und die künftigen werden jedenfalls ins Paradies einkehren, wenn sie sich fleißig bekehren lassen und falls überhaupt Nichtweiße da reindürfen. Missionierung, Verzicht auf Sex und spirituelle Erneuerung, um eine Geißel zu bekämpfen: Der Vatikan, der in den letzten Wochen bewiesen hat, dass er so seine Probleme mit dem 20. Jahrhundert hat, kehrt vorerst zurück ins zwölfte.
Genauer gesagt: Der Haltung des Vatikans zu Kondomen. Die ist bekannt und wurde jetzt nochmals bekräftigt. Auf der Pressekonferenz während des Flugs zu seinem Besuch in Kamerun sagte Benedikt XVI. wörtlich: „Die Immunschwächekrankheit Aids ist nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem.“ Als Prävention schlägt er stattdessen eine "spirituelle und menschliche Erneuerung" vor. Zur Erinnerung: In Afrika leben zwei Drittel aller Aids-Infizierten und sind schon 17 Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit gestorben. Kondome verschlimmern also das Aids-Problem - da platzt einem doch wirklich der Kopf. Reicht es mittlerweile schon, einfach nur Sachen zu behaupten? Wird von Seiten der zahlreichen anwesenden Journalisten nicht einmal ansatzweise eine Erklärung verlangt, wie das denn gehen soll?
Bei der katholischen Nachrichtenagentur KNA liest sich das übrigens so:
"Der Airbus rüttelt, aber der Papst steht fest. Seine Reise nach Afrika führt ihn unter 160 Millionen Freunde. [...] Benedikt XVI. sprach über Aids. Recht mutig beschrieb der Papst die katholische Kirche als Sturmspitze im Kampf gegen die Geißel des Kontinents. [...] In Wirklichkeit sei 'gerade die katholische Kirche im Kampf gegen Aids effektiver, präsenter und stärker', so Benedikt XVI. Effizienz heißt für den Papst: Hinarbeiten auf eine 'Humanisierung der Sexualität', eine verantwortungsvoll gelebte Partnerschaft, die den anderen schützt - und notfalls auf Sex verzichtet."Das werden die Afrikaner, die bekanntlich "gerne schnackseln", wohl nicht gerne hören. Aber das lernen sie schon noch, schreibt KNA weiter: "Benedikt XVI. will ihnen sein Antlitz zeigen, das Gesicht des menschgewordenen Gottes in Christus." Er ist wohl guter Hoffnung, dass die Seelen der Afrikaner noch gerettet werden können, denn: "Das Jahrtausend ist noch jung, dieser Kontinent ist es auch." Ich würde ja zu gerne wissen, was genau damit meint. Dass er nicht weiß bzw. nicht glaubt, dass Afrika die Wiege der Menschheit ist, ist kaum überraschend. Aber "jung"? Beginnt Afrikas Geschichte für Benedikt vielleicht erst in dem Moment, in dem die Europäer den Eingeborenen zeigten, was eine Harke ist? Oder mit Rommel?
Wie dem auch sei - die bisherigen Aids-Opfer werden sicher nicht wieder lebendig und die künftigen werden jedenfalls ins Paradies einkehren, wenn sie sich fleißig bekehren lassen und falls überhaupt Nichtweiße da reindürfen. Missionierung, Verzicht auf Sex und spirituelle Erneuerung, um eine Geißel zu bekämpfen: Der Vatikan, der in den letzten Wochen bewiesen hat, dass er so seine Probleme mit dem 20. Jahrhundert hat, kehrt vorerst zurück ins zwölfte.
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