Neulich beim Zappen versehentlich bei Maischberger hängengeblieben. Normalerweise meide ich solche Formate, es macht mehr Spaß und ergibt auch mehr Sinn, Kindergartenkinder beim Seifenblasenblasen zuzugucken, mit dem netten Nebeneffekt, dass die Blagen nur schwer brüllen können, während sie in das Plastikdings pusten. Und manchmal kommt dabei eine Blase heraus, die so schillernd ist, dass man nur noch staunend erstarren und sie anglotzen kann. Auch bei Maischberger. In diesem Fall kam sie aus dem Mund des Ex-BDI-Chefs Michael Rogowski.
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Samstag, 10. März 2012
Sonntag, 6. November 2011
Rettungsschirm für eine bankrotte Regierung
Bei allem Gelästere über die "schlechteste Bundesregierung aller Zeiten" ist es an der Zeit, auch mal etwas Positives zu erwähnen: Immerhin haben wir eine Kanzlerin, die sich so sehr verbiegen kann, dass sie trotz ihres gesetzten Alters nach ihrer Abwahl eine Karriere im Chinesischen Nationalcircus ins Auge fassen könnte - wenn man kurz außer Acht lässt, dass die Banken längst für ihr Altenteil gesorgt haben. In sportlicher Hinsicht wird sie dieses Talent leider nicht nutzen können - sie bekommt dauernd zu viele Abzüge in der B-Note.
Dienstag, 31. August 2010
Boombranche Arbeitszuhälterei
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| "Na, Süßer, wie wär's...?" |
Donnerstag, 27. Mai 2010
Auf dem Firmengelände gilt striktes Suizidverbot
Die Arbeit in einer chinesischen Fabrik ist bestimmt alles andere als lustig - und beim iPhone-Hersteller Foxconn offenbar so schlimm, dass sich seit Jahresbeginn bereits zehn Sklaven Leibeigene Mitarbeiter das Leben genommen haben. Die Chefetage des Apple-, Dell- und HP-Zulieferers reagiert umgehend: Die Firmengebäude werden mit Netzen verhängt, damit sich niemand mehr zu Tode stürzen kann; und überhaupt werden der Belegschaft Suizide ab sofort untersagt. Die Mitarbeiter müssen allen Ernstes eine entsprechende Erklärung unterschreiben. Aber was passiert, wenn jemand dagegen verstösst?
Mittwoch, 7. April 2010
Neue Umfrage: Was tun mit Hartz-IV-Empfängern?
Die Debatte um eine möglichst sinnvolle originelle Zwangsarbeitsrekrutierung von Hartz-IV-Empfängern gleicht allmählich einem Ringelpiez mit Anfassen - erst Westerwelle mit seinem Schneeschippen, was niemanden wunderte; dann Hannelore Kraft-durch-Straßenfegen, was aus sozialdemokratischem Mund schon etwas befremdlicher klang und nun folgt die Grüne Hämmerling, die Leistungsempfänger zum Hundekackewegräumen verdonnern will. Okay, kann man bis zu einem gewissen Grade verstehen - Hämmerling lebt in Berlin. Da kommt man schon mal auf solche Gedanken.
Also: Drei Köpfe, drei Ideen. Aber brauchen wir nicht noch viel mehr davon? Natürlich brauchen wir das! Als treuer Staatsbürger habe ich schon mal ein paar Vorschläge ausgearbeitet und stelle sie in der neuen Umfrage zur Abstimmung. Bitte klicken sie jetzt.
Also: Drei Köpfe, drei Ideen. Aber brauchen wir nicht noch viel mehr davon? Natürlich brauchen wir das! Als treuer Staatsbürger habe ich schon mal ein paar Vorschläge ausgearbeitet und stelle sie in der neuen Umfrage zur Abstimmung. Bitte klicken sie jetzt.
Freitag, 26. März 2010
Und sie wiederholt sich doch
"Moderne Zeiten" titelt der aktuelle Spiegel in bester Charlie-Chaplin-Optik und packt die Unterzeile "Ausleihen, befristen, kündigen - die neue Arbeitswelt" dazu. Schön, dass sich das größte deutsche Nachrichtenmagazin dieses Themas annimmt, obwohl man natürlich schnippisch anmerken könnte: "Ach, jetzt schon?" Das schenke ich mir, weil mich eine andere Frage vielmehr umtreibt: Was, bitte schön, soll an all dem denn neu sein?Sonntag, 14. März 2010
Leistungsbezug muss sich wieder lohnen
Ui, da ist aber jemand von seinen Strategieberatern so richtig eingenordet worden. Hannelore Kraft, ihres Zeichens SPD-Spitzenkandidatin in Nordrhein-Bezahlen, wie es die "heute show" so schön formulierte, will jetzt lieber die Hartz-IV-Regelsätze erhöhen, statt Langzeitarbeitslose zum Straßenkehren überreden zu wollen. Wieder einmal in höchster Not eine linke Forderung geklaut.
Dienstag, 9. März 2010
Zwangsarbeit schändet nicht
Als ich vor ein paar Jahren mal zum Zwecke der Berichterstattung auf einer Gewerkschaftsversammlung war, fragte dort ein niederländischer Vertreter - die Niederländer stellen ja bekanntlich die besten Fragen -, ob Hartz IV mit seinen Zumutbarkeits- und Sanktionsregelungen nicht einfach Zwangsarbeit bedeute. Ich würde zu gerne wissen, wie der Mann die jüngsten Vorstöße zum Arbeitsdienst für Langzeitarbeitslose von Hannelore Kraft (SPD, Straßenfegen) und dem unvermeidlichen Guido Westerwelle (FDP, Schneeschippen) titulieren würde.Und ich wüsste gern, wofür das "S" in "SPD", dass ja eines der wenigen Unterscheidungsmerkmale in diesem Zusammenhang ist, eigentlich steht.
Freitag, 19. Februar 2010
Westerwelles willige Vollstrecker
Und der Chefredakteur sprach: "Es werde Hartz-IV-Debatte!" Und siehe, die Menschen rotteten sich überall zusammen und diskutiertierten darüber, ob Alg-II-Empfänger nicht zuviel Geld bekämen. Und der neoliberale Gott sah, dass es gut war. (Buch Westerwelle 10,2)
Wieder einmal stellt der reaktionäre Teil des politischen Spektrums klar, dass er über die weitaus effektivere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sucht. Und wieder einmal rennt er in den Redaktionen offene Türen ein.
Wieder einmal stellt der reaktionäre Teil des politischen Spektrums klar, dass er über die weitaus effektivere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sucht. Und wieder einmal rennt er in den Redaktionen offene Türen ein.
Montag, 25. Januar 2010
Chef, vergib mir - ich habe gesündigt
Ich habe gerade bei meinem derzeitigen Brötchengeber circa 0,3 Liter warmes Wasser aus dem Spülbecken im Klo abgezapft, um damit mein völlig vereistes Fahrradschloss aufzutauen. 0,3 Liter - hoffentlich merkt das keiner! Schließlich wäre dann die Vertrauensbasis zwischen mir und dem Chef restlos zerstört. Andere sind schon für weniger in hohem Bogen rausgeflogen.
Montag, 18. Januar 2010
ARGEchipel Gulag
Soll man die Hessen nun dafür ohrfeigen, dass sie den faschistoiden Widerling Roland Koch wiedergewählt haben - oder dafür danken, dass sie es getan und uns somit davor bewahrt haben, dass er wie jeder abgehalfterte Landespolitiker ein Ministerium in Berlin bekommt? Der ausländerhassende Ultrakapitalist schafft es beeindruckenderweise nicht nur immer wieder, unverdient an der Macht zu bleiben, sondern auch, seine letzte übelkeiterregende gedankliche Flachwichsvorlage mühelos zu unterbieten. Jetzt will er also für Hartz-IV-Empfänger die Zwangsarbeit einführen. Das klingt nach dem üblichen bildzeitungskonformen Populismus - es steckt aber noch viel, viel mehr dahinter.Montag, 21. Dezember 2009
Die Weisheit mit goldenen Löffeln gefressen
Da wird einem vor lauter Vorfreude ganz warm ums Hertz IV: Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz schlägt eine Senkung des Alg-II-Regelsatzes um schlappe 30 Prozent vor. Gleichzeitig sollen "Zuverdienstmöglichkeiten verbessert" und Hartz IV zu einer Art Kombilohnsystem umgestrickt werden. Was er mit diesem verschwurbelten Sermon sagen will: Der Staat soll nackte Zwangsarbeit einführen.
Montag, 30. November 2009
Die Rückkehr eines traditionellen Berufszweigs
Freitag, 27. November 2009
Die Mutter aller Arbeitslosigkeit
Es ist ja nun nicht gerade so, dass ich mir von Franz-Josef Jung als Arbeitsminister sonderlich viel versprochen hätte. Aber Zensursula von der Leyen als Nachfolgerin - was, bitte, qualifiziert die Supermutti der Nation dann dafür, Herrin über das Millionenheer der Arbeitslosen und den größten Haushaltsposten zu werden? Werden Langzeitarbeitslose dann zukünftig ohne Nachtisch ins Bett geschickt, bis sie einen Job annehmen? Oder müssen sich Hartz-IV-Bezieher, die einen Heizkostenzuschuss beantragen, anhören, dass sie ihr Taschengeld für diesen Monat schon bekommen haben? Naja, ich will ja auch nicht frotzeln - vermutlich ist Ursel für ihr neues Ressort genauso geeignet wie ihre Nachfolgerin für das Familienministerium: Kristina Köhler ist, äh, jung und... nun, sie kommt aus Hessen, das reicht in diesem Fall.
Mittwoch, 7. Oktober 2009
Wie man mit Pauschalen Menschen pauschalisiert - oder, pauschal gesagt: Zum Kotzen
So nah liegen politische Lager manchmal beieinander: Die Linke will Hartz IV abschaffen - die FDP auch. Am liebsten vermutlich ersatzlos, aber das geht ja schlecht. Und mache Leute vornehmlich aus dem linken Spektrum fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen - die FDP will es einführen! Die Liberalen haben dabei aber ein etwas anderes Niveau im Sinn und in ihrem Pauschalisierungswahn ein uraltes Kaninchen wieder aus dem Hut gezaubert: Das "Bürgergeld", auszuzahlen unabhängig von irgendwelchen äußeren Einflüssen. Der Hintergedanke dürfte sein: Wie weit kann man Sozialleistungen noch zusammenkürzen, bis der Empfänger dem Staat den Gefallen tut, endlich zu verhungern?
Mittwoch, 13. Mai 2009
Armut als Lösungskonzept
Endlich hat jemand den Grund dafür herausgefunden, dass so viele Kommunen finanziell in den Miesen stecken: Hartz-IV-Empfänger heizen zuviel! Sagt zumindest Bundesbankchef Thilo Sarrazin, der in dieser Position ja eigentlich nicht für politische Ansichten bezahlt wird. Auch nicht für derart schwachsinnige. Aber da er schon mal in Fahrt war, hat er im "Stern" auch gleich den zukünftigen Rentnern Armut und armen Paaren Kinderlosigkeit verordnet.
Der Hartz-IV-Empfänger an sich, so Prof. Dr. Dr. Sarrazin, sei mehr zu Hause, hätte es gerne warm und regele die Temperatur zumeist mit dem Fenster. Schließlich zahlen die Kommunen ja die Heizkosten, mokiert sich der Sozialdemokrat. Abgesehen von der diesen Aussagen zugrunde liegenden Niedertracht und Gehässigkeit, die man sonst vornehmlich von Unions- und FDP-Bubis kennt, scheint dieser hochbezahlte Genosse trotz seiner jahrelangen Tätigkeit als Berliner Finanzsenator nicht zu wissen, dass die Arge für die Heizkosten eine Pauschale pro Quadratmeter bezahlt. Diese ist nicht überbordend großzügig bemessen, sondern richtet sich nach Normalwerten. Fällt die Rechnung deutlich höher aus, kann man zwar einen Zuschuss oder die Übernahme der Mehrkosten durch die Arge beantragen - die muss das aber nicht übernehmen und in vielen Kommunen macht sie's auch nicht. Wer wirklich so unbedarft ist, wie Sarrazin es dem durchschnittlichen Hart-IV-Empfänger unterstellt, und den ganzen Tag die Heizung hochdreht und die Fenster aufreißt, wird in aller Regel verhungern, weil er die über die Pauschale hinausgehenden Kosten selbst tragen muss.
Aber das wäre ja vielleicht auch gar nicht so schlecht mit dem Verhungern bzw. Erfrieren. Dann könnte sich der Hartz-IV-Empfänger wenigstens nicht fortpflanzen. Denn "die große Frage" sei schließlich, so Sarrazin weiter, wie man es schaffen könne, dass "nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden". Da man dies, was den psychologischen Aspekt angeht - was Sarrazin als "persönliche Eigenschaften" bezeichnet - vorher ja zumeist nicht wissen kann, wird der Mann auch gleich konkreter: Manche Frauen bekämen Kinder, obwohl sie nicht "das Umfeld" besäßen, "um die Erziehung zu bewältigen". Vermutlich meint er mit "Umfeld" auch hier Armut.
Und dann heizen diese Armen auch noch wie blöde ihre Wohnung, um es kuschelig warm zu haben und sich in Schmusestimmung zu bringen - so geht's ja nun nicht! Die Leute sollen gefälligst frieren, das kühlt die Libido. Obwohl - wenn's zu kalt wird, kuscheln sie sich ja auch wieder zusammen. Und dann kommt eins zum anderen, kennt man ja. Die Sarrazin-Lösung: Kindergeld und/oder Hartz-Regelsatz für Kinder kappen! Anders kann er es ja kaum meinen, wenn er fordert, das Sozialsystem so zu ändern, "dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist".
Dumm nur, dass andererseits ja Kinder hermüssen, die später mal in die Rentenkasse einzahlen. Sonst reicht das Geld nicht. Das weiß natürlich auch Sarrazin - hat aber auch dafür einen Lösungsvorschlag parat. Renten sollen seiner Meinung nach mittelfristig auf das Niveau einer Grundsicherung fallen. Wer mehr braucht, soll es sich in seiner berufstätigen Zeit eben zurücklegen. Dumm nur, dass derselbe Berufstätige sein Geld ja gleichzeitig auch ausgeben soll, um den Konjunkturmotor am Laufen zu halten. Dumm auch, dass zurücklegen alleine nicht reicht, sondern dass das Geld angelegt werden muss, damit es nicht von der Inflation aufgefressen wird; und was mit angelegtem Geld so alles passieren kann, sieht man ja jetzt (Sarrazin-Tipp: Bundesschätzchen!). Und dumm vor allem, dass die allgemeine Lohnentwicklung schon jetzt in vielen Fällen weder das eine (konsumieren) noch das andere (sparen) zulässt.
Was soll man da tun? Sarrazin, der Mann der Stunde, hat auch dafür eine Lösung: Schwarzarbeit. Das bringt Geld und Stimmung: "Wer irgendwo ein Zimmer tapeziert, kommt abends mit besserer Laune nach Hause; er hat besser durchgeatmet und ist zu seiner Frau netter." - Aber hoffentlich nicht so nett, dass er mit ihr gleich ein Kind zeugen will. Siehe oben.
Der Hartz-IV-Empfänger an sich, so Prof. Dr. Dr. Sarrazin, sei mehr zu Hause, hätte es gerne warm und regele die Temperatur zumeist mit dem Fenster. Schließlich zahlen die Kommunen ja die Heizkosten, mokiert sich der Sozialdemokrat. Abgesehen von der diesen Aussagen zugrunde liegenden Niedertracht und Gehässigkeit, die man sonst vornehmlich von Unions- und FDP-Bubis kennt, scheint dieser hochbezahlte Genosse trotz seiner jahrelangen Tätigkeit als Berliner Finanzsenator nicht zu wissen, dass die Arge für die Heizkosten eine Pauschale pro Quadratmeter bezahlt. Diese ist nicht überbordend großzügig bemessen, sondern richtet sich nach Normalwerten. Fällt die Rechnung deutlich höher aus, kann man zwar einen Zuschuss oder die Übernahme der Mehrkosten durch die Arge beantragen - die muss das aber nicht übernehmen und in vielen Kommunen macht sie's auch nicht. Wer wirklich so unbedarft ist, wie Sarrazin es dem durchschnittlichen Hart-IV-Empfänger unterstellt, und den ganzen Tag die Heizung hochdreht und die Fenster aufreißt, wird in aller Regel verhungern, weil er die über die Pauschale hinausgehenden Kosten selbst tragen muss.
Aber das wäre ja vielleicht auch gar nicht so schlecht mit dem Verhungern bzw. Erfrieren. Dann könnte sich der Hartz-IV-Empfänger wenigstens nicht fortpflanzen. Denn "die große Frage" sei schließlich, so Sarrazin weiter, wie man es schaffen könne, dass "nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden". Da man dies, was den psychologischen Aspekt angeht - was Sarrazin als "persönliche Eigenschaften" bezeichnet - vorher ja zumeist nicht wissen kann, wird der Mann auch gleich konkreter: Manche Frauen bekämen Kinder, obwohl sie nicht "das Umfeld" besäßen, "um die Erziehung zu bewältigen". Vermutlich meint er mit "Umfeld" auch hier Armut.
Und dann heizen diese Armen auch noch wie blöde ihre Wohnung, um es kuschelig warm zu haben und sich in Schmusestimmung zu bringen - so geht's ja nun nicht! Die Leute sollen gefälligst frieren, das kühlt die Libido. Obwohl - wenn's zu kalt wird, kuscheln sie sich ja auch wieder zusammen. Und dann kommt eins zum anderen, kennt man ja. Die Sarrazin-Lösung: Kindergeld und/oder Hartz-Regelsatz für Kinder kappen! Anders kann er es ja kaum meinen, wenn er fordert, das Sozialsystem so zu ändern, "dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist".
Dumm nur, dass andererseits ja Kinder hermüssen, die später mal in die Rentenkasse einzahlen. Sonst reicht das Geld nicht. Das weiß natürlich auch Sarrazin - hat aber auch dafür einen Lösungsvorschlag parat. Renten sollen seiner Meinung nach mittelfristig auf das Niveau einer Grundsicherung fallen. Wer mehr braucht, soll es sich in seiner berufstätigen Zeit eben zurücklegen. Dumm nur, dass derselbe Berufstätige sein Geld ja gleichzeitig auch ausgeben soll, um den Konjunkturmotor am Laufen zu halten. Dumm auch, dass zurücklegen alleine nicht reicht, sondern dass das Geld angelegt werden muss, damit es nicht von der Inflation aufgefressen wird; und was mit angelegtem Geld so alles passieren kann, sieht man ja jetzt (Sarrazin-Tipp: Bundesschätzchen!). Und dumm vor allem, dass die allgemeine Lohnentwicklung schon jetzt in vielen Fällen weder das eine (konsumieren) noch das andere (sparen) zulässt.
Was soll man da tun? Sarrazin, der Mann der Stunde, hat auch dafür eine Lösung: Schwarzarbeit. Das bringt Geld und Stimmung: "Wer irgendwo ein Zimmer tapeziert, kommt abends mit besserer Laune nach Hause; er hat besser durchgeatmet und ist zu seiner Frau netter." - Aber hoffentlich nicht so nett, dass er mit ihr gleich ein Kind zeugen will. Siehe oben.
Donnerstag, 27. März 2008
Von Lidl lernen heißt Siegen lernen
Der Preis für den schillerndsten Erklärungsversuch der Woche gebührt ohne Zweifel dem Lidl-Management. Mit den Stern-Recherchen zur Ausspionierung der Mitarbeiter konfrontiert, sagte IM Petra Trabert aus der Chefetage, die Überwachungen "dienen nicht der Mitarbeiterüberwachung, sondern der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens". Wo liegt denn da bitte der Unterschied? Ich hoffe stark, dass Schäuble und Konsorten die Lidl-Berichterstattung nicht verfolgen, ansonsten bekommen sie ganz neue Munition in der Debatte um Online-Überwachung und Vorratsdatenspeicherung: "Wir wollen doch nur etwaiges Fehlverhalten der Bürger feststellen!" - "Na, wenn's so ist, wird das schon in Ordnung sein..."
Nimmt man dieses "Fehlverhalten" unter die Lupe, zeigt sich, was Lidl unter Fehlverhalten versteht: Falsche Muttersprachlichkeit ("Die Kräfte Frau E. und Frau F. unterhalten sich, auch vor Kunden, auf polnisch miteinander!" - schließlich soll der Kunde ja nicht unbedingt mitkriegen, dass Lidl polnische Billiglohnkräfte beschäftigt); falscher Netto-Verdienst; falsche Essgewohnheiten; falsche Freizeitplanung. Vorschlag zur Güte: Das tschechische Modell, bei dem Verkäuferinnen, die ihre Tage haben, dies mit einem Stirnband zu erkennen geben müssen, kann doch auch hier Anwendung finden. Wer zu wenig Geld hat, soll dies durch einen mehrfach geflickten Lidl-Kittel zeigen und wer samstags frei haben will, bekommt eine Eselsmütze.
Dass Lidl seine Beschäftigten nicht viel besser als Leibeigene behandelt, ist nichts Neues. Was aber in Menschen vorgeht, die ihre Angestellten auf eine derart widerwärtige Weise bespitzeln und sich dann auch noch mit Floskeln wie "Fairness" und "Vertrauen" dicke tun, weiß ich nicht - weder, was die Lidl-Chefs, noch, was die Detektive betrifft. Vielleicht war der Möchtegern-Nick Knatterton aber auch einfach nur frustriert, dass auch er unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten musste: "Die Heizung auf dem Herren-WC funktioniert nicht."
Nimmt man dieses "Fehlverhalten" unter die Lupe, zeigt sich, was Lidl unter Fehlverhalten versteht: Falsche Muttersprachlichkeit ("Die Kräfte Frau E. und Frau F. unterhalten sich, auch vor Kunden, auf polnisch miteinander!" - schließlich soll der Kunde ja nicht unbedingt mitkriegen, dass Lidl polnische Billiglohnkräfte beschäftigt); falscher Netto-Verdienst; falsche Essgewohnheiten; falsche Freizeitplanung. Vorschlag zur Güte: Das tschechische Modell, bei dem Verkäuferinnen, die ihre Tage haben, dies mit einem Stirnband zu erkennen geben müssen, kann doch auch hier Anwendung finden. Wer zu wenig Geld hat, soll dies durch einen mehrfach geflickten Lidl-Kittel zeigen und wer samstags frei haben will, bekommt eine Eselsmütze.
Dass Lidl seine Beschäftigten nicht viel besser als Leibeigene behandelt, ist nichts Neues. Was aber in Menschen vorgeht, die ihre Angestellten auf eine derart widerwärtige Weise bespitzeln und sich dann auch noch mit Floskeln wie "Fairness" und "Vertrauen" dicke tun, weiß ich nicht - weder, was die Lidl-Chefs, noch, was die Detektive betrifft. Vielleicht war der Möchtegern-Nick Knatterton aber auch einfach nur frustriert, dass auch er unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten musste: "Die Heizung auf dem Herren-WC funktioniert nicht."
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