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Donnerstag, 6. September 2012

The Show must go on and on and on

Finde ich schon lustig, wie bei der Castingshow namens "US-Präsidentschaftswahl" versucht wird, künstlich Spannung zu erzeugen. Unlustig finde ich... nun, alles andere.


Samstag, 21. August 2010

Puten, Paten, Psychopathen

Seit einer Woche nichts mehr gebloggt. Das hängt nicht unwesentlich damit zusammen, dass ich derzeit ziemlich überarbeitet bin, aber auch damit, dass ich gar nicht mehr weiß, worüber ich eigentlich schreiben soll - dabei ist nicht der Mangel an kommentierenswerten Themen das Problem, sondern deren schiere Häufung. Erneut hat mich ein akuter Anfall von Bloggerstarre niedergestreckt, und mangels Spezialisten versuche ich es mal mit Selbsttherapie: Auf zum Rundumschlag.

Montag, 9. August 2010

Neue Umfrage: Hoppla - wo ist denn das ganze Öl hin?

Na, wenn das mal keine gute Nachricht ist: Das Öl im Golf von Mexiko ist zum größten Teil verschwunden. Einfach so! *Puff!* Sagt jedenfalls diejenige Institution, die vor allem den Arsch vollkriegen würde, wenn das Zeug demnächst an die Küsten schwappt - und das ist nicht BP, sondern die US-Regierung. Deren Aussage zufolge habe sich ein erklecklicher Teil des klebrigen Goldes schlicht in Luft aufgelöst. Aber wo ist es hin? Darum dreht sich die neue Umfrage, wie immer oben in der Sidebar. Bitte klicken Sie jetzt.

Mittwoch, 16. Juni 2010

BP hat langsam fettich

Mal so nebenbei: Ich lese alle zwei Tage, dass aus dem Bohrloch im Golf von Mexiko noch mehr Öl ausströmt als bislang gedacht. Bei 55 Tagen kommt da eine ganze Menge zusammen - das erinnert irgendwie an die Sache mit dem Reiskorn und dem Schachbrett. Gegen Zahlenangaben wird man da geradezu zwangsläufig abgestumpft, genau wie bei den Milliarden für die Banken: Hundertausende Barrel, zig Millionen Liter, Tausende Tonnen - kaum vorstellbare Mengen. Vielleicht wären unbestimmte Angaben greifbarer: Während man also letzte Woche noch dachte, es würde echt verdammt viel Öl da täglich herausschießen, so war es vor ein paar Tagen dann ein ganzer Arsch voll Öl, vorgestern irrsinnig viel und heute unfassbar viel. Und in ein paar Tagen? Gehirnzerfetzend viel Öl? Absurd viel? Aberwitzig unvorstellbar wahnsinnig gigantomanisch viel? Und wie lange noch, bis einem die Adjektive endgültig ausgehen?

Samstag, 12. Juni 2010

Im Namen von Königin und Profit ergreifen wir Besitz von dieser Küste

Schöner ward es noch nie dokumentiert, wer in dieser Welt wirklich das Sagen hat: Beamte der US-Küstenwache machen sich zum Büttel von BP und verwehren Journalisten mitunter den Zugang zu ölverseuchten Gebieten am Golf von Mexiko. "Zutritt verboten", heißt es dort offenbar immer öfter. Merkwürdig - bislang war mir nicht zu Ohren gekommen, dass die US-amerikanische Südküste offenbar dem britischen Konzern gehört. Aber vielleicht ist das ja auch einfach nur eine modernisierte Form der Landnahme: Früher hat man ein Stück Gegend in Besitz genommen, indem man seine Flagge am Strand aufplanzte. Heute, in der postindustriellen Ära, macht man das wohl mit Ölklumpen.

Dienstag, 9. Februar 2010

Erziehungsvorteile als Soldat

Da hat sich der gute Mann wohl etwas Arbeit mit nach Hause genommen: Ein US-Soldat hat seine vierjährige Tochter gewaterboarded, weil sie partout das Alphabet nicht lernen wollte. Ich kann's mir lebhaft vorstellen, wie das lief: "Los, spuck's aus! Was kommt nach dem i, du Miniaturkameltreiber? Ich weiß, dass du es mir verheimlichst! So, du willst also immer noch nicht reden...?" - *Blubbblubbblubb*. Es ist eben nicht immer einfach, Privates vom Beruflichen zu trennen. Aber wer will's dem GI verübeln, dass ihm das Thema wichtig ist - schließlich wollen alle Eltern, dass ihre Kinder mehr erreichen als sie selbst; und wer das Alphabet nicht drauf hat, dem steht halt nur die Soldatenlaufbahn offen.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Barack Obama sollte lieber den Springerverlag bombardieren

Auch nicht schlecht: "Welt Online" lässt den Neocon-Falken Daniel Pipes zu Wort kommen, hält es aber zumindest in der Onlinefassung des Artikels nicht für nötig, darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Art Gastkommentar handelt. Mit dem Ergebnis, dass nun die "Welt" offenbar zur Bombardierung des Iran aufruft. So verstehe ich zumindest die Überschrift, die da lautet: "Barack Obama sollte den Iran bombardieren". Und warum sollte er das nach Pipes' Ansicht tun? Kein Witz: Um seine Umfragewerte zu steigern. Blut für Öl war gestern, heute heißt es Blut für Prozentpunkte.

Montag, 11. Januar 2010

Stasi-Akten bringen es an den Tag: CIA ist an Merkel schuld!

Die Stasi war's, natürlich, wer denn sonst. Sie habe das Gerücht gestreut, der Aidsvirus sei von der CIA entwickelt und auf die Welt losgelassen worden, und die arme taz ist prompt darauf reingefallen. Dass ich nicht lache: Als ob man eine Riesenbehörde wie das MfS dafür bräuchte, solche Behauptungen in die Welt zu setzen. Auf die Idee, der CIA die Schuld für was-auch-immer zu geben, kommen in solchen Fällen tausende durchgeknallte Bescheidwisser nahezu gleichzeitig, und zwar noch vor dem Frühstück und ganz ohne Ministerium - aber nicht jeder findet für diese Mischung aus profaner Verschwörungstheorie und plumpem Antiamerikanismus auch einen so willfährigen Abnehmer wie die taz.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Putin, der Teilzeit-Friedensengel

Ja, ich gebe zu: Mein Beifall zur Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama war angesichts der geplanten Ausweitung des Afghanistankrieges vielleicht etwas verfrüht. Grundsätzlich kann ich nach wie vor zu dem stehen, was ich vor zwei Monaten geschrieben habe; ich verstehe aber auch die massiven Zweifel, die viele an dieser Entscheidung hegen. Nur eines verstehe ich nicht: Den heutigen Kommentar dazu auf Spon.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Blöde Geschäftsidee: Partycrashing

Das nenne ich eine Medienkarriere im Zeitraffertempo: Vor einer Woche drängelte sich das Ehepaar Salahi in ein offizielles Staatsdinner im Weißen Haus und ließ sich auf sämtlichen Panoramaseiten dieser Welt dafür feiern. Zwischendurch versuchten die beiden ruhmsüchtigen Eheleute, möglichst viel Geld aus ihren 15 Minuten Ruhm zu schlagen, und heute - tja heute kriegen sie die ganze Wucht des Apparats, den sie vergackeiern wollten, zu spüren, rudern verzweifelt zurück und können wohl nur noch hoffen, für ihren Coup nicht auch noch in den Knast zu kommen.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Groschengrab Todeszelle

In ihrem verzweifelten Kampf gegen die Todesstrafe setzen US-amerikanische Aktivisten nun auf eine ganz neue Argumentationsschiene: Geld. Hinrichtungen seien schlicht viel zu teuer - bis zu 30 Millionen Dollar müsse der Steuerzahler dafür berappen, einen Häftling ins Jenseits zu befördern. Zumal man ja mitten in einer Wirtschaftskrise stecke! Zusatzkosten für Überstunden des Henkers, weil er stundenlang nach einer Vene sucht, sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Freitag, 9. Oktober 2009

Nobelpreis für das Prinzip Hoffnung

Das nenne ich mal einen steilen Aufstieg in den Olymp der Menschheit: Barack Obama ist noch kein Jahr US-Präsident, da erhält er schon den Friedensnobelpreis. Andere müssen sich jahrzehntelang einem sozialen oder karitativen Zweck widmen oder sich zur Lebensaufgabe machen, bevor sie für eine Nominierung überhaupt in Erwägung gezogen werden; Obamas Nominierung war indes schon erfolgt, bevor er überhaupt Gelegenheit hatte, große Weltprobleme anzupacken, denn die Frist endete schon zwei Wochen nach seiner Amtseinführung. Man könnte angesichts der Tatsache, dass weder der Krieg in Afghanistan beendet noch eine rigorose Aufarbeitung der Folterskandale in Sicht ist und gleichzeitig dem Iran mit Militärschlägen gedroht wird, fragen, wofür er eigentlich den Preis bekommt - für seine bloße Existenz bzw. dafür, dass er nicht George W. Bush ist? Und hat er ihn dann überhaupt verdient? Meine Antwort darauf: Ja.

Dienstag, 15. September 2009

Die Fortsetzung der Folter mit anderen Mitteln

Stellen Sie sich folgendes vor: Sie werden nichtsahnend während eines Auslandsaufenthalts aufgrund einer Namensähnlichkeit mit einem Al-Qaida-Terroristen festgehalten, vom CIA nach Afghanistan entführt und dort monatelang geschlagen und erniedrigt. Sie sind so verzweifelt, dass Sie in einen Hungerstreik treten, aber auch das hilft nichts. Die eigene Regierung kümmert sich einen Dreck darum, was die Verbündeten mit einem anstellen, hängt eventuell sogar selbst mit drin - und schließlich wird man nach einem halben Jahr irgendwo im Wald ausgesetzt, darf selbst sehen, wie man nach Hause kommt und muss feststellen, dass man von der größten Tageszeitung des Landes alle paar Tage an den Pranger gestellt wird. Was glauben Sie, wie es danach um ihre psychische Gesundheit bestellt sein würde?

Freitag, 11. September 2009

Im mittleren Osten nichts Neues

Heute ist der 11. September - Zeit für die jährliche Gedenkminute an jenen Tag vor acht Jahren, nach dem angeblich nichts mehr so sein würde wie zuvor. Und da Gedenkminuten manchmal ziemlich langweilig sein können, möchte ich an dieser Stelle ein paar Vorschläge machen, worüber man während dieser Zeitspanne so alles nachdenken könnte.

Mittwoch, 26. August 2009

Just one more dead Kennedy

Oh jammer, oh Not:
Edward Kennedy ist tot.
Legt nun Mozarts Requiem ein
und trauert alle im Kerzenschein.

Hängt die Fahnen auf Halbmast,
legt an den schwarzen Trauerflor -
doch bleibt trotz Tränen stets gefasst,
auch wenn nichts mehr ist als wie zuvor.

Freitag, 12. Juni 2009

Nomen est manchmal doch nicht omen

Liebe Medien; nur mal ganz kurz dazwischengefunkt: Wenn ein 88-Jähriger im Holocaustmuseum einen Wachmann erschießt, weiß ich nicht, ob man da unbedingt von einem Neonazi sprechen muss.

Das war's auch schon. Bitte lassen Sie sich nicht weiter stören beim unreflektierten copy-and-pasten von wenig durchdachten Agenturmeldungen.

Update: Spon hat den Mann mittlerweile vom Neonazi zum "ewigen Nazi" befördert.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Selbstbeweihräucherung für Fortgeschrittene

Schön, dass Barack Obama auf seiner Nahostreise der muslimischen Welt die Hand für eine Verbesserung der zuletzt doch arg gebeutelten Beziehungen reicht. Und mutig, dass er die Scharfmacherei im eigenen Land ebenso mitverantwortlich dafür macht wie den Umgang des Westens mit der muslimischen Welt in den Zeiten des Kolonialismus und des Kalten Krieges. Merkwürdig allerdings, wie er seine Botschaft anschließend ein wenig, nun ja, übersteigert.

Denn Amerika und der Islam hätten schließlich Gemeinsamkeiten und müssten nicht konkurrieren, so Obama in seiner Kairoer Rede: "Stattdessen überlappen sie sich und teilen gemeinsame Prinzipien - Prinzipien der Gerechtigkeit und des Fortschritts, Toleranz und die Menschenwürde." - Ich verstehe ja, worauf er damit hinaus will, und stelle seine Motive an dieser Stelle auch nicht in Frage. Aber ausgerechnet die USA und den Islam als Sinnbilder für Gerechtigkeit, Toleranz und Menschenwürde zu deklarieren? Menschenwürde, wo doch in US-Gefängnissen Häftlinge gefoltert und in vielen islamischen Ländern Frauen verhüllt und weggesperrt werden? Toleranz, wo 2004 jeder zweite US-Bürger einen Präsidenten wiedergewählt hat, der seine Angriffskriege als "Kreuzzüge" bezeichnete und wo jeden Tag irgendwo auf der Welt islamische Extremisten sich und Andersgläubige in die Luft jagen? Gerechtigkeit, wenn dem obersten Zehntel der amerikanischen Bevölkerung 70 Prozent des Privatvermögens gehört und in einigen muslimischen Ländern Frauen für Ehebruch drakonisch bestraft werden, Männer hingegen nicht?

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Prinzipien, nun ja, nicht überall in den USA und der islamischen Welt (und auch in Europa) so wirklich streng befolgt werden. Ich will damit hier gar nicht polarisieren und auch keine Stereotypen bedienen. Aber der Hinweis sei mir gestattet: Das war ein bißchen zu gut gebrüllt, Löwe. Neuanfang der Beziehungen ist toll, wichtig und nötig - aber man muss sich selbst und alle Anwesenden ja nicht gleich heilig sprechen. Denn wie wackelig diese amerikanischen Prinzipien sind, sieht man daran, wie schnell sie im Zweifelsfall wieder fallengelassen werden - so geschehen 2001ff. Von umfassender Gerechtigkeit und Toleranz sind beide Parteien aller Lippenbekenntnisse zum Trotz noch weit entfernt - und nicht nur die.

Dienstag, 28. April 2009

Flugzeuge im Bauch

Zugegeben: Die Amerikaner haben's auch nicht leicht. Da steckt die Wirtschaft schon tief im Dreck, die Staatsverschuldung erreicht allmählich die Stratosphäre und hinter jedem Baum lauert der böse Muselman - und dann findet die US-Regierung es auch noch witzig, die "Air Force One" im Tiefflug durch Manhattan zu jagen. Ergebnis: Die Telefone der Polizei liefen heiß, hunderte Einwohner verkrochen sich schlotternd im Keller und - natürlich - die Aktienindizes "gaben nach", wie man so schön sagt. Vermutlich auch der eine oder andere New Yorker Schließmuskel.

Was genau sollte mit der Flugeinlage eigentlich bezweckt werden? Diese Frage stellt offenbar den einen oder anderen Journalisten ebenso vor ein Rätsel wie die Tücken der englischen Sprache. Natürlich diente der Flug nicht dazu, mit der "Air Force One" Fotoaufnahmen von Manhattan zu machen - Grundgütiger, es handelt sich um eine Boeing 747! Jedes, aber auch wirklich jedes andere Fluggerät wäre besser geeignet, um Luftbilder zu schießen. Nein, es sollten wohl eher Aufnahmen von der "Air Force One" gemacht werden, und zwar vor möglichst bedeutungsschwangerer Kulisse. Eine solche stellt die Skyline von New York seit 2001 mit Sicherheit dar.

Das Pentagon macht gerne solche Flugzeug-vor-Nationalsymbol-Aufnahmen, man kann sie vermutlich auch als Postkarten kaufen. Was für eine Art von militaristischer Wichsvorlage den obersten US-Kriegsherren dabei wohl vorschwebte, sieht man auf der Homepage des Pentagons. Und damit erklärt sich auch, warum über diesen Einsatz striktes Stillschweigen herrschen sollte: Hätte das Pentagon im Vorfeld die Bürger New Yorks darüber informiert, dass man die Präsidentenmaschine ein paar Ehrenrunden im Tiefflug über Manhattan fliegen lassen will, um davon Poster zu drucken, hätte man ja bloß wieder nur lauter Fragen provoziert. Fragen wie: "Für sowat habta Geld, wa?" Oder: "Wie jetzt - ihr spielt mit unseren Ängsten und sägt an unseren Nerven, um schöne bunte Fliegerfotos für eure Website zu machen? Seid ihr noch bei Trost?!?"

Also sagte man lieber nicht bescheid. Dass man sich diese Fragen aber im Nachklapp der Veranstaltung nun trotzdem anhören muss - soweit haben die Pentagon-Strategen offenbar nicht gedacht. Anders formuliert: Die Herren der größten Kriegsmaschinerie der Welt sind nicht fähig, von der Wand bis zur Tapete zu denken.

Dienstag, 7. April 2009

Terror Inc.

Die Taliban können sich ja nicht um alles selbst kümmern. Sie haben bereits alle Hände voll damit zu tun, die Ungläubigen in Afghanistan zu bekämpfen; da übersteigt es ihre Kapazitäten, den Terror auch noch in die Heimatländer der westlichen Truppen zu tragen. Daher haben die Gotteskrieger eine innovative Lösung entwickelt: Blutbäder werden künftig kostensparend outgesourct. Wenn in den USA ein Amoklauf stattfindet, was derzeit ja nicht gar so selten der Fall ist, bekennen sich die Taliban einfach zur Tat. Damit ist jedem gedient: Die Amis können weiter Angst haben und die Taliban sich damit dicke tun, weltweit zuzuschlagen. Eine klassische Win-Win-Situation - dumm nur, dass es überhaupt nicht hinhaut.

Denn irgendwie glaubt niemand, dass der Mann, der in Binghamton/New York 13 Menschen und sich selbst in einem Einwandererzentrum getötet hat, im Auftrag der Taliban handelte. Besonders viele Vietnamesen werden die nicht in ihren Reihen haben. Und die Opfer - offenbar größtenteils ebenfalls Vietnamesen - dürften in der Rangliste der Todfeinde Allahs auch nicht so ganz weit oben stehen. Da schmückt sich wohl jemand mit fremden Fehlern. Der Einsatz einheimischer Terroristen im Westen ist im übrigen sowieso Alleinstellungsmerkmal des Marktführers in der Terrorbranche, Al-Qaida.

Da können die Taliban als derzeitiger Local Player nicht gegen anstinken - es sei denn, sie stellen ihre durchaus sinnvolle neue Strategie des outgesourcten Terrors mal auf eine professionelle Grundlage. Ich stelle mir das wie eine weltweite Personaldienstleistungsgesellschaft vor: Die Taliban engagieren überall gefrustete oder psychisch kranke Leute, die eine Waffe haben, und nennen ihnen bei Bedarf kurzfristig ihren nächsten Einsatzort. Die Zahl der Opfer wird natürlich den Taliban-Geschäftsführern gutgeschrieben, die damit ihre Chancen auf den 72-Jungfrauen-Himmel erhöhen. Als Gegenleistung bekommen die Amokläufer durch die Verquickung mit dem Terrorismus ein noch größeres Medienecho.

Allerdings haben die Taliban bis dahin noch einen weiten Weg vor sich. Auch lässt ihr Corporate Branding noch arg zu wünschen übrig: Verfilzte Bärte reichen nicht, um qualifizierten Nachwuchs aus anderen Ländern zu gewinnen. Zumal momentan ohnehin nicht die beste Zeit für Unternehmensexpansion ist, auch nicht in einer Wachstumsbranche wie Gewalttätigkeit. Und die Amerikaner als Hauptkunden scheinen gar keine große Lust mehr darauf zu haben, in Angst und Schrecken vor den bösen Muselmanen zu leben. Es reicht ihnen sicherlich vollkommen, in Angst und Schrecken davor leben zu müssen, Job, Auto und Haus zu verlieren. Da gilt es, neue Märkte zu erschließen: Hätten die Taliban schneller geschaltet, hätten sie den Amoklauf von Winnenden als ihr Werk bewerben können. Hier liegt ein klares Versagen der Marketing-Abteilung vor.

Anders würde der Fall Binghamton natürlich liegen, wenn die Bush-Kamarilla noch am Ruder wäre: Die hätten das Taliban-Bekenntnis dankbar angenommen und in ihren großen Propaganda-Fleischwolf verwurstet. Daraus hätte man ein treffliches Joint Venture machen können - obwohl: Wenn Bush und die Taliban zusammenarbeiteten, wäre das doch sicher ein Fall fürs Kartellamt.

Samstag, 31. Januar 2009

Irak verlegt erste Arbeitsplätze ins Ausland!

Die irakische Regierung hat der Söldnerbande von Blackwater die Lizenz zum unüberlegten Töten entzogen. Fast zeitgleich gibt der NATO-Oberbefehlshaber Bantz John Craddock in Afghanistan die Order, jeden umzuballern, der irgendwie aussieht, als hätte er etwas mit Drogen zu tun - was natürlich die verweichlichten Alteuropäer entsetzt, die da nicht mitziehen wollen. Jetzt muss man ja eigentlich nur noch eins und eins zusammenzählen.

Afghanen müssten Craddocks Weisung zufolge nichts mehr mit Terror am Hut haben, um zum legitimen Ziel erklärt zu werden, Mohnanbau reicht. Und in manchen Teilen des Landes leben ganze Dorfgemeinschaften davon. Was für ein weites Betätigungsfeld für Blackwater! Im Irak wurde ja oftmals noch unangenehm nachgehakt, ob es denn wirklich nötig war, dutzendfach unbewaffnete Zivilisten niederzumähen. Das ist nichts anderes als staatliche Behinderung des freien Unternehmertums! Die Iraker haben ihre Lektion also immer noch nicht gelernt. Zeit für Neuwahlen.

Aber wir waren ja bei Blackwater. Wenn die irakische Regierung der Firma das Leben schwermacht, muss sie sich nach schließlich nach anderen Aufträgen umschauen. Die Arbeitsweise der Privatarmee erklärt am besten der Journalist Jeremy Scahill:
"'Die Firma hat im Irak genau das gemacht, was man von ihr erwartet hat. Blackwater ist die Schocktruppe der Besatzung', meint Scahill. 'Keine Region ist für amerikanische Diplomaten so gefährlich wie der Irak. Doch Blackwater hat bisher keinen einzigen Mann verloren. Washingtons offenes, schmutziges Geheimnis ist, dass Blackwater seine Sache gut macht. Wenn ein Iraker einem Fahrzeug zu nahe kommt, wird er erschossen. Man tut alles, damit jeder Iraker in Angst und Schrecken verfällt, wenn er sich einem amerikanischen Konvoi nähert.'"
Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht - Blackwater-Söldner, die Hunnen des 21. Jahrhunderts. Nein, wenn Blackwater nach Afghanistan geht, ist allen gedient: Die Europäer machen sich die Hände nicht selbst schmutzig, Craddock kann seine feuchten Massenmord-Träume ausleben, die Zahl der eigenen Opfer sinkt (Afghanen werden eh nicht gezählt) - und den USA bleiben zehntausend Arbeitslose mehr erspart. Denn ganz ehrlich: Wer schon keine unschuldigen Guantanamo-Häftlinge ins Land lassen will - der möchte auch keine schwerbewaffneten Bluthunde nebenan, die plötzlich viel zu viel Zeit haben.