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Donnerstag, 27. Mai 2010

Auf dem Firmengelände gilt striktes Suizidverbot

Die Arbeit in einer chinesischen Fabrik ist bestimmt alles andere als lustig - und beim iPhone-Hersteller Foxconn offenbar so schlimm, dass sich seit Jahresbeginn bereits zehn Sklaven Leibeigene Mitarbeiter das Leben genommen haben. Die Chefetage des Apple-, Dell- und HP-Zulieferers reagiert umgehend: Die Firmengebäude werden mit Netzen verhängt, damit sich niemand mehr zu Tode stürzen kann; und überhaupt werden der Belegschaft Suizide ab sofort untersagt. Die Mitarbeiter müssen allen Ernstes eine entsprechende Erklärung unterschreiben. Aber was passiert, wenn jemand dagegen verstösst?

Freitag, 5. Juni 2009

Neue Umfrage: Himmlisch, dieser Frieden ...

Ich gebe zu: Darauf war ich nicht gekommen und deshalb fehlte dieser Punkt in meinem letzten Voting. Während ich seinerzeit wissen wollte, was „Bild“ wohl als nächstes an Volksprodukten auf den Markt wirft, hat mich nun die Realität eingeholt: Ein „Volks-Notebook“ soll’s sein. Kollaborateur diesmal: Dell. Die Spezifikationen: Bildschirm im Kaliber 39,6cm (mehr als beim Schlachtschiff „Bismarck“!), Intel-Panzium-Prozessor, 1000-MB-jährigem Arbeitslagerspeicher und DVD-Rommel-Laufwerk; Standardfarbe Schwarz-Weiß-Rot. Dazu gibt’s das Betriebssystem „Fenster-Ausblick“ und einen vorinstalliertem Weltnetzblätterer (nicht änderbare Startseite: „Bild.de“). Die Bedienungsanleitung wird in loser Reihenfolge in den nächsten 1939 Ausgaben von „Computer-Bild“ abgedruckt, was im Preis von 499 Reichsmark allerdings nicht inbegriffen ist.

Damit fallen die von den Lesern dieses Blogs favorisierten Neuheiten "Volksunterhose", die jeder zweite gerne auf dem Wühltisch gesehen hätte, und "Volkshund" vorerst wohl weg. Schade. Aber vielleicht bekommt Schiesser ja auch noch Staatshilfe, posthum gewissermaßen, dann könnte das zumindest mit den Liebestötern unter Umständen noch ganz schnell gehen. Für die Hunde ist da so unter rassischen Gesichtspunkten schon mehr Aufwand nötig, vielleicht so eine Art Lebensborn für Köter - mal sehen, ob "Bild" entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Die neue Umfrage befasst sich mit dem 20. Jahrestag des Massakers auf dem Platz des himmlischen Friedens. Während nach wie vor Teilnehmer der Demonstration von 1989 in chinesischen Gefängnissen verrotten und unsere Politiker mit den Machthabern in Peking kuscheln, fand anlässlich des Jahrestages am Tatort nur eines statt: Der große chinesische Reporter-Verarsch-Contest. Was sagt uns das? Bitte klicken sie jetzt, die Umfrage findet sich wie immer rechts oben auf der Seite.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Stiftung Qualentest warnt: Keine Billig-Folter aus Fernost!

Eine schöne Nachricht des Tages ist, dass das US-Militär laut Gerichtsbeschluss 17 Gefangene freilassen muss, die unschuldig in Guantanamo einsitzen. Es handelt sich dabei um chinesische Uiguren, muslimisch zwar, aber - man höre und staune - trotzdem keineswegs terrorverdächtig. Es sei denn natürlich, man fragt die Machthaber in Peking: Für das Regime, das die Uiguren seit langem systematisch unterdrückt, handelt es sich sehr wohl um Terroristen, weshalb es vehement die Auslieferung der Noch-Gefangenen fordert. Womit wir bei der unschönen Nachricht wären.

Die Wahrheit ist: Die Uiguren, die vor der Verfolgung durch die chinesischen Behörden nach Afghanistan und nach Beginn des Krieges nach Pakistan geflohen waren, sind Ende 2001 von Kopfgeldjägern an die USA verkauft worden (Stückpreis 5000 Dollar, wofür man auch zwei Iraker erschießen könnte) und sitzen seitdem in dem Militär-Gulag ein - obwohl das Pentagon spätestens seit 2005 weiß, dass sie unschuldig sind. Dennoch werden sie erst seit letzter Woche nicht mehr als "feindliche Kämpfer" betrachtet. Sie verbringen dort fast den ganzen Tag in Isolationshaft und werden in kleine Metallboxen gesperrt. Seit, um das nochmal zu verdeutlichen, sieben Jahren.

Und nun die Pointe: Die USA weigern sich seit Jahren, die uigurischen Gefangenen freizulassen, da andere Länder sich weigern, sie aufzunehmen und ihnen - man halte sich fest, das erfinde ich jetzt nicht - bei einer Rückkehr nach China Folter droht!

Ich finde es schön, dass das US-amerikanische Militär auch mal sein menschliches Antlitz zeigt. Nicht zuzulassen, dass freigelassene Gefangene in ihrem Heimatland Opfer von Folter werden, zeugt wirklich von Edelmut. Da foltert man sie doch lieber selbst - da weiß man, was man hat. Nicht diese minderwertige Billigfolter aus Fernost.

Bleibt die Frage, warum die Militärs die Uiguren damals so bereitwillig gekauft und eingekerkert hat - unter den Attentätern des 11. September 2001 waren, soweit ich mich erinnere, recht wenig chinesische Staatsbürger. Aber hey - die sehen doch sowieso alle gleich aus da unten, oder nicht?

Schlussbemerkung: Die USA weigern sich natürlich auch selbst, die Uiguren aufzunehmen - von einer Entschädigungszahlung für die erlittenen Qualen und die geraubte Lebenszeit mal ganz abgesehen. Das einzige Land, das bislang Uiguren aus Guantanamo als politische Flüchtlinge bei sich aufgenommen hat, nämlich fünf an der Zahl, ist das bitterarme Albanien.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Mediales Katastrophenmanagement

"Wo ist die Geschichte? Ich sehe die Geschichte nicht!" - fragte der BILD-Hannover-Chefredakteur in Günter Wallraffs legendärer Langzeitreportage "Der Aufmacher". Ein journalistisches Prinzip, das sich offenbar nicht nur auf Revolverblätter beschränkt.

Gestern abend, ARD-Tagesthemen: Caren Miosga berichtet über das Erdbeben in China. Vorausgegangen waren offensichtlich längere Diskussionen in der Redaktion, wie man dieses Thema anpackt, denn die üblichen Aufreger - Hilfeleistung rollt nur schleppend an, Versagen der Regierung, Regime hüllt sich in Schweigen - funktionierten in diesem Fall nicht. Vermutlich gibt es unter den Schwellenländern keinen Staatsapparat, der in solchen Fällen effizienter arbeitet als der chinesische.

Also pickt man sich andere Details heraus und wundert sich, dass die chinesische Regierung so offen mit der Katastrophe umgeht, statt sie weitestgehend unter den Teppich zu kehren, und darüber, dass Ministerpräsident Wen Jiabao äußerst betroffen wirkt. Da gibt es aber nichts zu wundern: Wen ist schließlich kein Roboter, und in einem guten Vierteljahr ist China Gastgeber für die ganze Welt - da kann man es sich kaum mehr leisten, die Karte "geheimnisumwittertes Reich der Mitte" zu spielen. Außerdem hat die chinesische Regierung dank dieser Fernsehbilder, die um die Welt gehen, vermutlich bis zum Beginn der Olympischen Spiele Ruhe vor den Themen "Tibet" und "Menschenrechte" - klingt pervers, ist es auch, wird aber wohl trotzdem so kommen.

Nachdem China adäquat nachrichtentechnisch abgehandelt worden war, wandten sich die Tagesthemen Katastrophe B zu, die nach den festen Regeln der Medienbranche wegen ihres Alters und der bisherigen Sendeminuten unerbittlich nach hinten wandert: Birma, Burma oder Myanmar; da ist man sich selbst innerhalb einer Redaktion oftmals nicht einig. Da macht Frau Miosga große Augen, setzt einen vorwurfsvollen Gesichtsausdruck auf und fragt, warum denn die Deutschen so wenig für diese Region spenden. Nein, wir wollen jetzt keine unappetitlichen Vergleiche mit anderen Katastrophen aufstellen, ich kann das auch so beantworten: Weil sämtliche Nachrichtenredaktionen, egal ob TV oder Print, vom ersten Moment der "Nargis"-Berichterstattung ihren Zuschauern und Lesern eingehämmert haben, dass Hilfe dort nicht ankomme bzw. die Generäle das Geld für sich einstecken würden. Dann bleibt das Portemonnaie eben in der Tasche - und ich habe den deutlichen Eindruck, dass das "Tagesthemen"-Team das gestern endlich gemerkt hat und gegensteuern wollte.

Mal sehen, ob es was gebracht hat. Schön war jedenfalls der Kommentar von Stephan Wels über die Betroffenheitsarithmetik: "Naturkatastrophe schlägt Kriegskatastrophe, Urlaubsregion schlägt Allerweltsland" - und Afrika wird sowieso von allem geschlagen. Und nun zum Spielfilm.

Mittwoch, 9. April 2008

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

Auch auf die Gefahr hin, dass dieser Blog derzeit etwas monothematisch daherkommt: Olympia, mal wieder. Nachdem das Nationale Olympische Komittee beschlossen hat, jegliche politische Agitation den einzelnen "mündigen" Sportlern zu überlassen, wollen diese nun wissen, was sie sagen dürfen und was nicht. Typisch deutsch. Politische Aktionen schön und gut, aber was, wenn das verboten ist...? Mein Tipp: am besten gar nix sagen, gibt eh' nur Scherereien. Hinterher ist dann das Geschrei groß und keiner will's gewesen sein.

Aber falls der geforderte Maulkorb-Leitfaden tatsächlich erstellt werden soll, würde ich empfehlen, die PR-Agentur Hill & Knowlton zu beauftragen. Das wäre sicherlich die effektivste Methode, denn diese Leute kennen sich im Thema aus:
"Die PR-Profis kennen offensichtlich keine Scheu, sich die Finger schmutzig zu machen, beraten neben dem IOC auch die chinesische Regierung und das Pekinger Organisationskomitee für Olympia. Das sorgt sicherlich für kurze Kommunikationswege. Ein Schelm, wer hier eine Interessenverquickung sieht."
Und außerdem konnte die Agentur schon in der Vergangenheit bemerkenswerte Erfolge vorweisen, etwa mit dem legendären Auftritt der heulenden kuwaitischen Krankenschwester vor dem US-Kongress im Vorfeld des Zweiten Golfkrieges, die erzählte, wie irakische Soldaten Babys aus den Brutkästen gerissen hätten. Das war bekanntlich ebenso erfunden wie ihre Krankenschwester-Identität: es handelte sich um die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA. Für diese Aufführung gab es zwar keinen Oscar, aber immerhin einen ordentlichen Krieg.

Dass sich die Olympia-Funktionäre mit derart verabscheuungswürdigen Propagandisten einlassen, ist traurig - passt aber irgendwie zum beschämenden Gesamtbild, dass das IOC im Zuge der Tibet-Krise bietet.

Dienstag, 8. April 2008

Wer die Fackel auspustet, darf sich etwas wünschen

Ein jämmerliches Bild: Die Olympische Fackel, von den Nazis eingeführtes Sinnbild für Frieden und Völkerverständigung (<- bitte nochmal lesen), muss auf ihrem Weg durch Europa von chinesischen Gorillas in häßlichen Jogginganzügen vor den aufgebrachten Tibet-Demonstranten bewacht und bei Bedarf - sprich: wenn einer der Protestler zu nahe kommt - kurzerhand ausgeblasen werden. Falls sich die Sicherheitskräfte dabei auch etwas wünschen durften, war es sicherlich der Wunsch, dass die Etappe über den Mount Everest abgesagt wird.

Niemand scheint zu wissen, wessen Befehl die Wachen eigentlich unterstehen - die lokalen Polizeiapparate in London und Paris scheinen es jedenfalls nicht zu sein. Gerüchten zufolge handelt es sich um Elitesoldaten. Der Fackelläufer wird von ihnen eingekeilt wie ein US-Politiker in Bagdad. Und dass die Flamme dauernd ausgepustet wird, spielt keine Rolle, denn es wird eine "Mutterflamme" im Bus mitgeführt, an der man sie jederzeit wieder entzünden kann. Ein Feuerzeug reicht hier nicht, schließlich gilt es, die mystische Verbrämtheit aufrechtzuerhalten, die diesem Lauf künstlich eingehaucht worden ist.

Das Ganze wird zu einer immer unglaublicheren Farce. "Abscheuliche Missetaten" nennt Peking die Protestaktionen - starker Tobak von Seiten einer Regierung, die gerade hunderte Tibeter umgebracht hat. Ein Umdenken ist hier erforderlich, um solche unschönen Demo-Bilder zukünftig zu vermeiden. Ich schlage vor, die Flamme den Rest des Weges in einem Panzer zu transportieren. Die Route wird immer schon einen Tag vorher weiträumig abgesperrt. Tibeter, Exiltibeter und Leute, die aussehen wie Tibeter, werden vorübergehend unter Hausarrest gestellt. So sollte der Fackellauf stölungsflei und oldnungsgemäß zum planmäßigen Ende geblacht welden können. Schließlich handelt es sich veldammt noch mal um ein Symbol des Fliedens, und wenn das in eulen §$%#& Schädel nicht leingeht, dann welden wil...

Montag, 17. März 2008

Lasst die Spiele beginnen - oder auch nicht

Boykottieren? Oder nicht? Hat die olympische Idee mehr Gewicht als ein politisches Signal - und wäre ein Boykott überhaupt das richtige Signal? Die Frage, ob man an den Spielen in Peking teilnehmen soll, wird hitzig diskutiert. Keine einfache Frage - die großen Olympia-Boykotte von 1976, 1980 und 1984 hatten immerhin den Kalten Krieg bzw. das südafrikanische Apardheitsregime im Fokus. Würde man China mit einem solchen Schritt nicht zum Antipoden der Weltgemeinschaft erklären?

Schon nach den wenigen Tagen, in denen Tibeter wieder niedergeknüppelt und erschossen sowie etwaige Augenzeugen aus dem Land geworfen werden, ist zumindest eines klar: Die Diskussion um die Olympischen Spiele ist die einzige, die betreffend des Umgangs mit China überhaupt ernsthaft geführt wird. Den Politikern scheint's nur recht zu sein, denn die scheinen das Thema nicht mit der Beißzange anfassen zu wollen. Nehmen wir als Beispiel Außenminister Frank-Walter Steinmeier ("The next Kurti Beck"). Der sagte zum gewaltsamen Vorgehen der chinesischen Truppen: "Wir [die EU] haben appelliert, das Gespräch mit den Repräsentanten der Tibeter zu suchen, um zu einer Beilegung der aktuellen Streitigkeiten zu kommen." Whoo-hooh! Das nenne ich eine volle Breitseite. Ich hätte zu gerne gesehen, wie Hu Jintao schlotternd zu Boden gesackt ist, als ihn diese Aussage erreichte.

Nein, im Ernst: Einen noch weichgespülteren Satz kann ich mir auch aus Politikermund kaum vorstellen. Allerdings muss bei Steinmeiers Zurückhaltung ein gewisses Maß an Ehrlichkeit konstatiert werden, denn mehr als dieser nicht einmal halbherzige Appell wird nicht kommen. Zum einen vermute ich einmal, dass Angela Merkel keinen gesteigerten Wert darauf legt, dass öffentlich erörtert wird, ob der Empfang des Dalai Lama die Eskalation eventuell befördert haben könnte. Und zum anderen: Wer legt sich schon mit dem Reich der Mitte an? Sicher nicht die deutsche Politik, der die Wirtschaft im Nacken sitzt, die in den letzten Jahren unfassbare Beträge in China investiert hat. Und auch nicht der Durchschnittsbürger, der die Bilder aus Lhasa vielleicht schrecklich findet, andererseits aber auch nicht auf DVD-Player für 40 Euro verzichten mag.

Das ist die traurige Realität auf dem diplomatischen Parkett, auch im beginnenden 21. Jahrhundert: Freund ist nicht, wer dieselben Überzeugungen teilt - Freund ist, wer wirtschaftlich oder strategisch etwas zu bieten hat. Da kann Russland noch so viele Tschetschenen auf dem Gewissen haben, die USA noch so viele Angriffskriege führen oder China noch so viele Dissidenten, Uiguren, Tibeter oder wen auch immer massakrieren.

Olympische Idee? Schon die Entscheidung für Peking als Austragungsort war politisch motiviert. Olympia wird schon seit Jahrzehnten politisch instrumentalisiert. Und während sich Sportfunktionäre den Kopf darüber zerbrechen, ob die olympische Fackel durch Tibet getragen werden sollte, frage ich mich: müssen in einem Land, das die Menschenrechte offen mit Füßen tritt, eigentlich erst Spiele stattfinden, bevor öffentlich darüber gesprochen wird? Falls ja, fielen mir eine Menge Städte ein, die als nächste Austragungsorte in Frage kämen.