Nun, liebe Frau Reesha: Diese Ausrede ist fast so alt wie die Olympischen Spiele selbst. Beweis gefällig?
"Die PR-Profis kennen offensichtlich keine Scheu, sich die Finger schmutzig zu machen, beraten neben dem IOC auch die chinesische Regierung und das Pekinger Organisationskomitee für Olympia. Das sorgt sicherlich für kurze Kommunikationswege. Ein Schelm, wer hier eine Interessenverquickung sieht."Und außerdem konnte die Agentur schon in der Vergangenheit bemerkenswerte Erfolge vorweisen, etwa mit dem legendären Auftritt der heulenden kuwaitischen Krankenschwester vor dem US-Kongress im Vorfeld des Zweiten Golfkrieges, die erzählte, wie irakische Soldaten Babys aus den Brutkästen gerissen hätten. Das war bekanntlich ebenso erfunden wie ihre Krankenschwester-Identität: es handelte sich um die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA. Für diese Aufführung gab es zwar keinen Oscar, aber immerhin einen ordentlichen Krieg.
"Der DOSB bekennt sich zum Prinzip des ,Mündigen Athleten'. Jedem Mitglied der DOSB Olympiamannschaft wird es im Rahmen der Regeln der Olympischen Charta möglich sein, seine Meinung vor, während und nach den Olympischen Spielen frei zu äußern."Dumm nur, dass die Olympische Charta im Abschnitt 51 jedwede politische Agitation untersagt: "No kind of demonstration or political, religous or racial propaganda is permitted in any Olympic sites, venues or other areas." Glückwunsch, Herr Bach, zu diesem raffinierten Trick 17, mit dem der DOSB aus dem Schneider ist. Sie könnten fast Politiker werden.
Fehlt nur noch IOK-Präsident Jacques Rogge, der sagte, ein Boykott würde nur "unschuldige Athleten" treffen. Nun, im Moment werden vor allem unschuldige Tibeter getroffen, und zwar von Knüppeln und Kugeln. Leitet sich daraus nicht ein gewisser, ähm, Handlungsbedarf ab? "Die Spiele müssen in einer friedlichen Atmosphäre stattfinden", legte Rogge jetzt nach, und in dem Punkt können wir beruhigt sein: In Peking wird es im August sowas von friedlich zugehen, dafür werden die Sicherheitskräfte schon sorgen. Und im Zweifelsfall blenden die beteiligten Fernsehsender dann eben hübsche Bilder von Chrysanthemen ein.