Montag, 30. November 2009

Die Rückkehr eines traditionellen Berufszweigs

Bekanntlich sterben ja immer mehr alte Handwerke aus. Beruhigend daher, dass es noch ehrwürdige Berufe gibt, die immer aktuell bleiben und sogar in Jobportalen angepriesen werden:

Haben wir nicht alle den Holocaust irgendwie überlebt?

Heute begann der Prozess gegen John Demjanjuk, vermutlich die letzte größere Gerichtsverhandlung um Verbrechen der NS-Zeit. Dementsprechend groß ist das Interesse daran und dementsprechend schnell tickern die Agenturen ihre ersten Meldungen durch - und so ziemlich alle lauten so ähnlich wie "Demjanjuk-Prozess beginnt mit Befangenheitsantrag". Nun, das ist eigentlich nichts besonderes; soll schon mal vorkommen, dass die Verteidigung zu diesem Mittel greift. Ich frage mich vielmehr, warum niemand schreibt: "Demjanjuk-Prozess beginnt mit einem Eklat"?

Samstag, 28. November 2009

Gestatten: Roland Berluskochni

Zur nunmehr vollzogenen Absägung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender und dem generellen Einfluss der Politik auf die Öffentlich-Rechtlichen Medien ist an anderen und berufeneren Stellen schon genug geschrieben worden, so dass ich mich nicht auch noch darüber auslassen will. Aber man sollte sich schon noch einmal klar vor Augen führen, wer hier den Abzug betätigt hat - und wie er es begründet.

Freitag, 27. November 2009

Die Mutter aller Arbeitslosigkeit

Es ist ja nun nicht gerade so, dass ich mir von Franz-Josef Jung als Arbeitsminister sonderlich viel versprochen hätte. Aber Zensursula von der Leyen als Nachfolgerin - was, bitte, qualifiziert die Supermutti der Nation dann dafür, Herrin über das Millionenheer der Arbeitslosen und den größten Haushaltsposten zu werden? Werden Langzeitarbeitslose dann zukünftig ohne Nachtisch ins Bett geschickt, bis sie einen Job annehmen? Oder müssen sich Hartz-IV-Bezieher, die einen Heizkostenzuschuss beantragen, anhören, dass sie ihr Taschengeld für diesen Monat schon bekommen haben? Naja, ich will ja auch nicht frotzeln - vermutlich ist Ursel für ihr neues Ressort genauso geeignet wie ihre Nachfolgerin für das Familienministerium: Kristina Köhler ist, äh, jung und... nun, sie kommt aus Hessen, das reicht in diesem Fall.

Donnerstag, 26. November 2009

Nein, Mami, ich habe die Vase nicht umgeschmissen - sie ist von ganz alleine runtergefallen!

Zwar ist meine Wut auf die Bundeswehroberen und ihren ehemaligen Oberwaschbrettkopf über ihr Verhalten in bezug auf das Blutbad bei Kunduz noch längst nicht verraucht, aber mittlerweile immerhin etwas verdünnt worden - und zwar mit einer Prise Befriedigung und einer Messerspitze Mitleid. Befriedigung darüber, dass der Kopf von Generalinspekteur Schneiderhan gerollt ist; und Mitleid mit der unfassbar erbärmlichen Figur, die Ex-Verteidigungsminister Jung derzeit abgibt. Wohlgemerkt: Noch viel, viel erbärmlicher, als er ohnehin in den vergangenen Jahren wirkte. Das will was heißen.

Wider den Abmahnwahn!

Normalerweise halte ich mich ja immer sehr zurück, persönliche Daten im Internet preiszugeben. Und die Websites staatlicher Einrichtungen rangieren in meiner persönlichen Vertrauensrangliste, ähem, nicht so ganz weit oben. Dennoch habe ich mich nun dazu durchgerungen, eine Online-Petition auf bundestag.de mitzuzeichnen. Und zwar die hier. Auslöser für meinen Schritt war das hier. Und ich hoffe, dass möglichst viele Menschen diesem Schritt folgen werden. Wir sollten den Politikern Gelegenheit geben, sich auf verfassungsmäßigem Wege mit der Angelegenheit zu beschäftigen und vielleicht bald mal die Missstände abzuschalten, bevor wir ein noch zu benennder Mob ihnen ihre Tastaturen über die Rübe zieht und an Netzwerkkabeln aufknüpft.

Mittwoch, 25. November 2009

Zehn auf der nach oben offenen Klischeeskala

Für jeden Aspekt des Filmschaffens gibt es einen Oscar, so etwa für die Filmmusik, das Kostümdesign oder die Spezialeffekte. Warum eigentlich nicht für die Bestleistung in der Klischeebedienung? Diesjähriger Preisträger wäre ganz ohne Zweifel "2012". Ja, ich habe mir den "Weltuntergangsporno", wie Spon den Streifen zutreffend bezeichnet, angeschaut. Mich hatte der Trailer so scharf gemacht, dass ich den Film einfach sehen musste (selbstverständlich nur wegen der Tricktechnik. Schließlich lese ich auch den "Playboy" nur wegen der interessanten Artikel*). Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Für mein Geld bekam ich eine Handlung zu sehen, die kein, aber auch wirklich gar kein Klischee ausließ. Das muss man erstmal schaffen.

Sonntag, 22. November 2009

Könnte ich das Bild mit dem zerfetzten Polo noch mal sehen, bitte?

Niemand mag Gaffer, die nach einem Verkehrsunfall im Weg herumstehen und glotzen. Oder, wie ich es in meiner Jugend auf dem Land mehrfach mitbekommen habe, extra zu einem Unfall oder Brand hinfahren, um zu glotzen. Ob das, was die Nachrichtenagentur ddp unter Berufung auf eine Lübecker Zeitung berichtet, allerdings eine geeignete Methode ist, um diese Kreaturen umzuerziehen, weiß ich wirklich nicht: Der schleswig-holsteinische Innenminister denkt demzufolge darüber nach, Gaffern hinterher bei Polizei und Feuerwehr zur Abschreckung Fotos von Unfällen zu zeigen.

Samstag, 21. November 2009

Willkommen in der Fußball-Matrix

Also: Rund 200 Fußballspiele stehen in Verdacht, geschoben worden zu sein, die Fans schreien Zeter und Mordio, die Medien bepflastern ihre Titelseiten mit dem Wettskandal - und wie reagiert DFB-Präsident Theo Zwanziger darauf? Mit den Worten: "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht." Ehrlich gesagt: Ich auch nicht.

Freitag, 20. November 2009

Stell' dir vor, wir schreiben vom Krieg und keiner geht hin

"Fußballkrieg in Afrika" - so martialisch beginnt die dpa heute eine Meldung, offenbar in der Hoffnung, durch die reißerische Betitelung mehr aus den Geschehnissen zu machen, als sie eigentlich sind: Nämlich chauvinistisch aufgeheizte Fankrawalle in den Nachwehen eines Länderspiels. Was die dpa damit allerdings viel mehr verdeutlicht, ist vor allem ihre eigene historische Ignoranz. Denn einen "Fußballkrieg" gab es in der Geschichte tatsächlich schon einmal - und da flogen nicht nur Steine gegen Botschaftsgebäude, sondern waschechte Projektile gegen Menschen, und es brannten auch nicht bloß Flaggen.

Donnerstag, 19. November 2009

Endlich: Hoffnung für Neonazis!

US-amerikanische Wissenschaftler gaben bekannt, dass sie nur noch zehn Jahre davon entfernt seien, ein funktionierendes künstliches Gehirn zu entwickeln. Der digitale Dr. Frankenstein bei IBM, Dharmendra Modha, teilte mit, dass dieses Computerhirn dann auch lernfähig sein soll. Was man von vielen Menschen ja nicht behaupten kann - und für Nazis ist das doch wirklich mal ein Licht am Ende des sehr langen, äußerst dunklen und höchst schmalen intellektuellen Tunnels, in dem sie ansonsten umherirren. Und für alle anderen, die sich mit diesen Flachpfeifen herumärgern müssen, auch.

Mittwoch, 18. November 2009

Polit-Porno mit offenem Ende

Na, ihr Spiegel-Vorzeigejournalisten, das war ja wohl nix: Wild habt ihr zu Wochenbeginn über die Gründe für Lafontaines Rückzug von der Parteispitze spekuliert, gar genüsslich erotische Verwicklungen ins Feld geführt - und nun hat der Mann keine Affäre, sondern Krebs; er muss sich operieren lassen und weiß nicht, ob er gesund genug aus der Sache herauskommen wird, um weiterhin mitmischen zu können. Ich hoffe, ihr habt euch wenigstens ein bißchen dafür geschämt. Gelesen habe ich diesbezüglich allerdings nichts.

Montag, 16. November 2009

Nerd-Content: Truppenabzug oder was?

Ein Ende des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan ist zumindest ansatzweise in Sicht: Guido Westerwelle kündigte an, binnen vier Jahren die Voraussetzungen für einen Truppenabzug zu schaffen. Keine große Überraschung: Für die Liberalen, die ja gewissermaßen die Ferengi des bundesdeutschen politischen Spektrums darstellen, war schließlich schon immer klar: "Frieden ist gut für das Geschäft."

Verdienstkreuz als Kreuzfahrerorden

Wofür man heutzutage so alles das Bundesverdienstkreuz bekommt... zu den neuesten Trägern des begehrten ausgestanzten Blechteils gehört nun auch Hubertus Knabe, seines Zeichens Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen und missionarischer Eiferer gegen die Linke. Den Orden erhalte er für sein Engagement "für Freiheit und Demokratie und für die Aufarbeitung des SED-Unrechts", heißt es; und ich möchte hinzufügen: Offenbar auch dafür, rot und braun ständig in einen Topf zu werfen und die bloße Existenz der Linkspartei als eine Art von langer Hand geplanter stalinistischer Verschwörung anzusehen.

Sonntag, 15. November 2009

Verschieben wir's doch auf morgen

... pflegte bereits Scarlett O'Hara zu sagen, wenn's darum ging, ihre Probleme endlich mal anzupacken. Dieses Motto haben sich die Mitgliedsstaaten des asiatisch-amerikanischen Wirtschaftsforums APEC zu Herzen genommen: Obwohl es noch drei Wochen hin sind bis zum groß angekündigten und mit so manchen Hoffnungen verbundenen Weltklimagipfel in Kopenhagen, ist bereits jetzt klar, dass es dort kein verbindliches Abkommen geben wird. Das beschlossen Vertreter der APEC-Staaten in Singapur. Und zwar beim Frühstück.