Montag, 11. August 2008

Steiner ihm seine Mütze

Dass die Staatsanwaltschaft den unlängst in Passau versammelten Nazis den Spaß verdarb und die Hakenkreuzfahne, die NPD-Aktivist Thomas Wulff dem ehemaligen Waffen-SS-Mann und notorischen NS-Hetzer Friedhelm Busse mit ins Grab gelegt hatte, kurzerhand wieder ausbuddelte, war eine unterhaltsame, wenngleich unappetitliche Meldung. Vielleicht hätten sie auch Busse gleich wieder ausgraben und der Müllverbrennung zuführen sollen. Oder eine UdSSR-Fahne auf den Sarg legen, auf dass er auf ewig in seinem Grab rotiere.

Es folgten die üblichen polizeilichen Ermittlungen sowie Streit innerhalb der NPD, das Übliche halt. Was ich mich nur die ganzen Tage über gefragt habe: Warum trägt Wulff, der sich selbst "Steiner" nennt, weil er den gleichnamigen Film nicht kapiert hat, eigentlich stets dieses dämliche Käppi? Die Antwort liefert nun diese Aufnahme, die mit einer Spezial-Röntgen-Kamera des BKA aufgenommen worden ist:



Nach dem Verleib von "Steiners" Hirn wird weiter geforscht.

Samstag, 9. August 2008

Bereuet! Das Ende ist nah!

Genießen Sie diesen Sonntag - viele wird es nicht mehr geben. Genauer gesagt: nur noch vier. Dann nämlich ist es soweit: In Genf wird der gigantische Teilchenbeschleuniger des Cern-Instituts in Betrieb genommen. Das größte jemals von Menschenhand gebaute Gerät wird dabei offenbar kleine schwarze Löcher erzeugen, die gar nicht so klein bleiben und den Planeten Erde ruckzug auffressen und dann zu allem Übel auch noch rülpsen werden, wenn ich das richtig verstanden habe.

Zwei wack're Recken machten sich schon vor Monaten auf, die Welt zu retten *fanfarengeschmetter*: Walter Wagner und Luis Sancho. Der eine bezeichnet sich als Physikexperten, der andere als Zeitforscher; ihre bisherigen akademischen Meriten scheinen indes eher überschaubar auszufallen. Sie hatten wegen der drohenden Auslöschung des Planeten im März Klage vor einem US-Gericht auf Hawaii eingereicht. Nun, eine Klage ist vielleicht nicht der beste - da auch nicht der schnellste - Weg, um die Menschheit vor der endgültigen Vernichtung zu bewahren; erst recht nicht, wenn der Kläger auf Hawaii und der Beklagte in der Schweiz sitzt. Aber auf Hawaii brennt ja bekanntlich die Sonne erbarmungslos hernieder, da fällt es schwer, sich richtig gute Pläne auszudenken.

Quod erat demonstrandum: Bislang habe ich von dieser Klage nichts weiter gehört, und der Tag X rückt näher.

Das heißt, das Verhängnis ist nicht mehr aufzuhalten. Vier Wochen noch - gerade genug Zeit, allen Leuten, die man noch nie ausstehen konnte, endlich einmal zu sagen, dass sie einen ankotzen. Soll ja niemand doof sterben. Und dann das übliche Programm: Dem Chef eine reinhauen, ein paar Läden plündern, wildes Herumgeknutsche usw. - und sich am 9. September einen schönen Strand suchen, um das Ende abzuwarten.

Nur schade, dass die Cern-Forscher nicht einen Tag später, also am 11. September, loslegen. Dann könnte man bis dahin im Internet noch die wundervollsten Verschwörungstheorien dazu lesen.

Krieg um ein Stück Gegend

Georgien führt Krieg gegen Südossetien: was so klingt wie eine Dialogzeile aus einer ziemlich frühen Drehbuchversion zu "1984", ist nun - wieder einmal - traurige Wirklichkeit. Und die Russen spielen auch mit. Allein bis Freitagabend sind nach russischen und ossetischen Angaben schätzungsweise eineinhalbtausend Menschen ums Leben gekommen - es fragt sich nur, für was. Für irgendeine Art von Freiheit sicher nicht.

Südossetien besteht größtenteils aus Steinen, die Arbeitslosigkeit beträgt selbst nach wohlwollenden Schätzungen mindestens 60 Prozent und die einzige Ressource, die in nennenswerten Mengen vorhanden ist, ist Nationalstolz - und der lässt sich schlecht exportieren.
Schätzungsweise 75.000 Menschen wohnen in dem Land, weniger als halb soviel wie in der Stadt, in der ich lebe. Südossetien wäre als souveräner Staat wohl kaum lebensfähig. Aber um all das geht es wohl auch gar nicht, sondern vor allem um Nationalchauvinismus - auf allen Seiten.

Russland ist in seinem wiederaufgewärmten Großmachtgehabe bemüht, in seinem Hinterhof Stärke zu demonstrieren und lässt es dafür auf einen handfesten Krieg mit Georgien ankommen.Wie praktisch, dass man den Osseten beizeiten die russische Staatsbürgerschaft verliehen hat, da ergibt sich der casus belli von selbst. Georgien will ebenfalls Stärke demonstrieren, um ein Auseinanderbröckeln des Landes zu verhindern - schließlich strebt auch Abchasien nach Unabhängigkeit - und vor der Nato, der das Land unbedingt beitreten will, nicht als Unruheherd und Pulverfass dastehen, was jetzt allerdings längst eingetreten ist. Und was wollen die Osseten? Interessiert eigentlich keinen. Unabhängig wird das Land wohl so oder so nicht werden - und wenn, dann nur als Trümmerwüste.

Der Krieg - oder wie es Außenminister Frank Walter Steinmeier blumig umschreibt: „Kampfhandlungen, die in einen handfesten Krieg münden könnten“ - wird wohl in den nächsten Tagen erst richtig losgehen. Georgien hat vorsorglich schon einmal 2000 Soldaten aus Afghanistan und dem Irak zurückbeordert. Auch eine aufstrebende Großmacht wie Georgien kann offenbar nicht an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen . . .

Ach ja - Das IOC in seiner grenzenlosen Entrücktheit ließ vermelden: "Das ist nichts, was die Welt sehen möchte. Es widerspricht den olympischen Idealen." Heult doch. Als ob sich Machtpolitik eurem Sportfest unterwerfen würde und nicht andersherum.

Donnerstag, 7. August 2008

In jedem siebten Ei (tüdelü) steckt eine Peppy Politikerin

Auf der Zielgeraden kurz vor dem endgültigen Ende des Sommerlochs erreicht uns noch eine richtige Kracher-Nachricht: Eine FDP-Politikerin namens Miriam Gruß will Überraschungseier verbieten. Nach 34 Jahren soll Schluss sein mit Happy Hippos, Tapsi Törtels und co. Der Grund: Sicherheitsbedenken. "Kinder unterscheiden nicht zwischen Spielzeug und Nahrungsmitteln", so die liberale Abgeordnete, die noch nicht einmal so alt ist wie das von ihr geschmähte Ei und früher vermutlich nie welche bekommen hat.

Aber sie hat wohl nicht unrecht: Kinder unterscheiden nicht. Wie viele meiner Sandkastenfreunde haben sich seinerzeit die Schoko-Ei-Hälften in den Setzkasten gestellt und dafür das Hüpfschlumpfinchen gefressen . . . Was hätte nicht alles aus ihnen werden können, wenn sie nicht blutspuckenderweise röchelnd ihr junges Leben auf dem Wohnzimmerteppich ausgekotzt hätten, weil ihnen das gelbe Plastikei quer in der Luftröhre steckengeblieben ist: Krebsforscher, Spin Doctor im Weißen Haus oder vielleicht sogar Baggerfahrer. Aber wie viele sind es denn nun tatsächlich jedes Jahr, denen ein Dapsy Dino operativ entfernt werden muss? Das weiß auch Frollein Gruß nicht so genau und sagt deshalb auch nichts zu irgendwelchen Zahlen.

Ich bin ja auch kein Freund dieser grandios überflüssigen und Ressourcen verschwendenden Erfindung namens Ü-Ei. Aber gerade als Liberale sollte Gruß die volkswirtschaftlichen Folgen eines Verbots im Blick haben: In der Zeit, die Kinder damit verbringen, im Laden ein Ei nach dem anderen zu schütteln - weil sie sich selbst einreden, daraus Rückschlüsse auf das enthaltene Spielzeug ziehen zu können - kauft Mutti mehr Sachen ein, die sie eigentlich nicht braucht und kurbelt damit die Binnenkonjunktur an. Da die Zwerge das notfalls stundenlang durchhalten und zum Leidwesen der Verkäufer ganze Kartons durchrütteln, ist das sicherlich eine nicht zu vernachlässigende Größe.

Und auch die Herren der Schöpfung sind daran beteiligt, wie immer, wenn es um schwachsinnige Sammelleidenschaften geht: Das Handelsvolumen, das mit den teils grenzenlos hässlichen Figuren erzielt wird, ist vermutlich so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt mehrerer Drittweltländer. Es ist daher Unsinn, die Eier verbieten zu wollen: Nein, man müsste den Handel mit den Figuren mit einer knackigen Steuer belegen!

Aber auf so was kommt man als Nachwuchsliberale ja nicht. Vielleicht sollte man ihren Vorstoß dennoch ehren: Und zwar mit einer neuen Figurenserie. In jedem siebten Ei steckt dann ein(e) unbedeutende(r) parlamentarische(r) Hinterbänkler(in) - wie Gruß.

Mittwoch, 6. August 2008

Von China lernen heißt Pressearbeit lernen

Das Bild, das das Internationale Olympische Komitee seit geraumer Zeit abgibt, ist ja bekanntlich extrem erbärmlich. Ich will mich jetzt gar nicht auf Figuren wie Michael Vesper stürzen, der schon einiges an Schelte (aber nicht genug) einstecken musste, bloß weil er im Auslandsjournal die Pressezensur in Peking mit dem Verbot von Naziseiten in Deutschland gleichgesetzt hat. Hat er ja eigentlich ganz anders gemeint, der Michi.

Nein, ich möchte auch mal etwas Positives zum Komitee vermelden. Zur IOC-Vollversammlung am gestrigen Dienstag in Peking wurden nur 30 ausgewählte Journalisten zugelassen, TV-Kameras waren verboten - die Olympia-Dachorganisation verhält sich damit schon ganz wie der Olympia-Ausrichter. Ist es nicht schön zu hören, dass die Institution offenbar durchaus lernfähig ist? Man muss sich nur mächtige Vorbilder suchen.

Vielleicht wollten die IOC-Mitglieder aber auch einfach nicht dabei gefilmt werden, wie sie sich angesichts des zu erwartenden Reibachs den Sabber aus dem Mundwinkel wischen. Denn die Vermarktung der Spiele spült dem IOC über fünf Milliarden Dollar in die Kassen - weit mehr als bei der letzten Olympiade und so viel wie nie zuvor.

Irgendwie, so deucht mir, könnte das einiges erklären. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

In dubio contra reo

Es läuft nicht gut für die US-Hardliner in Sachen Guantanamo. Erst erlaubt ein vaterlandsloses US-Gericht (und dann auch noch das oberste) den Gefangenen, sich an zivile Gerichte zu wenden. Dann lässt ein viel unbedeutenderer Richter, den man sicherlich demnächst mit einem Stein an den Füßen im Potomac auffinden wird, im ersten anstehenden Guantanamo-Prozess belastendes Beweismaterial gegen Bin Ladens Fahrer (vermutlich dessen Führerschein) nicht zu. Und die ganze Zeit über weiß die Weltöffentlichkeit über die Folter in dem Lager bescheid, was so eigentlich auch nicht geplant war. Was, wenn jetzt der Super-GAU eintritt - und der eine oder andere Gefangene tatsächlich freigesprochen werden sollte?

Ganz einfach, sagt das Pentagon nun: Da scheißen wir drauf. Wann wir wen freilassen, entscheiden wir immer noch selbst und nicht irgendein verweichlichter Richterfuzzi. Und im Falle von mindestens 120 Gefangenen scheint klar zu sein: Die können sich noch auf lange Jahre in amerikanischer Haft gefasst machen. Die Begründung, dass diese als feindliche Kämpfer und damit als potentielle Gefahr anzusehen sind, wirft im Umkehrschluss die Frage auf: Ab wann sind sie denn nicht mehr gefährlich? Wenn der Krieg gegen den Terror zu Ende ist und alle sich wieder lieb haben? Also im Jahre 2687?

Lebenslänglich ohne Verurteilung: Ein skandalöses Vorgehen. Die Heimat der Freien und Tapferen tritt elementare Rechtsauffassungen mit Füßen und unterscheidet sich nicht von autoritären Regimes in allen Teilen der Welt, die immer wieder als schwarze Schafe bemüht werden. Bitte daran denken, wenn man das nächste Mal darüber schimpft, dass in _________ (hier bitte die tyrannische Diktatur Ihrer Wahl einfügen) Menschen ohne Prozess ins Gefängnis geworfen werden.

Übrigens: Salim Hamdan, der erste Guantanamo-Häftling, dem der Prozess gemacht wird, befindet sich seit fast sieben Jahren in US-Haft.

Dienstag, 5. August 2008

Nicht ganz so starker Tobak

Innovative Idee aus Brüssel: Geht es nach der Europäischen Union, sollen in spätestens drei Jahren nur noch Zigaretten verkauft werden, die sich nach kurzer Zeit selbst auslöschen, wenn nicht daran gezogen wird. "Durch die Einführung selbstauslöschender Zigaretten lassen sich in der EU pro Jahr mindestens 2000 Menschenleben retten", sagte EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva.

Respekt vor diesem mutigen Vorstoß. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen: Durch die flächendeckende Einführung von Zigaretten, die sich gar nicht erst anzünden lassen, könnte man fünfeinhalb Millionen Menschen pro Jahr retten. Von Wäldern ganz zu schweigen.

Aber das ist natürlich nur meine unmaßgebliche Meinung.

Die Kondome des Grauens

In Mexico-City findet derzeit die 17. Weltaidskonferenz statt. 20.000 Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Verbänden diskutieren über Mittel und Wege im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit. Und wer "A" wie "Aids" sagt, muss auch "B" sagen - wie "Benedikt XVI." Denn die Katholische Kirche übertrifft sich gerade einmal wieder in Punkto Rückwärtsgewandtheit, Lebensferne und nicht zuletzt Verlogenheit.

Die katholische Nachrichtenagentur meldet zum Konferenzauftakt stolz, die Versorgung Infizierter habe Fortschritte gemacht, rund 30 Prozent von ihnen bekämen antiretrovirale Medikamente. Die Caritas hat zu Beginn der Konferenz zudem mehr Hilfe für aidskranke Kinder gefordert. Die Kirche selbst nahm Caritas-Referent Robert Vitillo bei dieser Gelegenheit ebenfalls in die Pflicht: Sie müsse ihren Einsatz für Infizierte verstärken.

Merken Sie etwas? Es ist in allen Fällen lediglich die Rede von bereits Infizierten. Was ist mit der Verhinderung von Neuinfektionen? Etwa durch, sagen wir, Kondome?

Es gehe um Aufklärung, so Vitillo - aber der Mann hat eine ganz eigene Vorstellung davon: Aids verhindere man am besten "by observing sexual abstinence outside marriage and life-long, mutual fidelity within marriage". Was das bedeuten soll, erfahren wir nicht nur von diesem düsteren Inquisitor, sondern in Kurzform auch von Radio Vatikan, das unlängst erneut Enthaltsamkeit und Treue als Vorbeugemaßnahme gegen Aids empfahlt und sich über die gottlosen Regierungen mokiert, die auf Verhütung setzen. Schande! 10.000 Jahre Fegefeuer für jeden einzelnen von diesen Kondomheinis!

Ohne ficken kein Aids - so einfach ist das in den Augen derjenigen, die ja bekanntlich auch gar nicht poppen dürfen. Diese jämmerliche Borniertheit wäre ja lustig, wenn sie nicht für viele, viele Menschen tödlich enden würde. Ich frage mich, ob das andauernde Verteufeln von Kondomen seitens der katholischen Kirche nicht den Tatbestand des Totschlags erfüllt.

Denn dass Kondome das wirkungsvollste Mittel zur Eindämmung von Aids darstellen, weiß man auch im Vatikan mittlerweile.

Montag, 4. August 2008

Im Wein liegt Wahrheit - und sie ist nicht schön

Heute bin ich über eine höchst erschreckende Zahl gestolpert: Der Durchschnittspreis, den Deutsche im Laden für einen Liter Wein bezahlen, beträgt - festhalten, bitte - 2,44 Euro. Pro Liter, wohl gemerkt. Kraft meiner mathematischen Kenntnisse sowie unter Zuhilfenahme eines Taschenrechners gelange ich zu dem niederschmetternden Ergebnis, dass der Durchschnittspreis einer in diesem unseren Lande verkauften Flasche Wein (die ja in den meisten Fällen 0,75 Liter enthält) bei 1,83 Euro liegt.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass um Wein ja grundsätzlich viel zu viel Gedöns gemacht wird, bin ich entsetzt. Wieviele Menschen müssen sich denn mit unerträglichem und gigantische Kopfschmerzen hervorrufendem Koma-Fusel-Bölkstoff, in dem die letzten vergammelten Trauben mit Frostschutzmittel zusammengerührt worden sind, die Birne zuschütten - nur um meine persönlichen Wein-Investitionen statistisch auszugleichen?

Das darf nicht sein. Analog zu den wiederholten und allmählich ermüdenden Forderungen an den Staat, die Benzin-, Strom- oder Milchpreise zu subventionieren, spreche ich mich nunmehr dafür aus, dass die Große Koalition ein Gesetzespaket auf den Weg bringt, das die Preise für höherwertige Weine bezuschusst.

Jeder sollte sich mit Stil vollaufen lassen können.

Neue Umfrage: Großreinemachen in der SPD

Das Hickhack um Wolfgang Clement wird allmählich richtig unterhaltsam. Der Karikaturist Horst Haitzinger hat es auf den Punkt gebracht: Die Genossen schaffen es ganz alleine, das Sommerloch zu füllen. Aber bekommen sie dafür einen Orden von den Zeitungsverlegern oder wenigstens ein Dankeschön? Natürlich nicht.

Der NRW-Verband will Clement loswerden, der Bundesvorstand größtenteils nicht; der halblinke Flügel (einen linken gibt es ja nicht mehr) will ihn dorthin jagen, wo der Pfeffer wächst, die Rechten vom Seeheimer Kreis würden ihm wohl am liebsten einen Palast errichten: Am Energielobbyisten Clement scheiden sich die Geister. Dabei ist es doch ganz üblich, Parteimitglieder, die der politischen Strategie Schaden zufügen, zu schassen, kaltzustellen und nötigenfalls hinauszuwerfen (bei der CSU erfolgt noch der Zwischenschritt der persönlichen Diffarmierung).

Nun hat die SPD ja bekanntlich keine politische Strategie. Daher wollen wir der ältesten deutschen Partei selbstloserweiser bei der großen Herbst-Säuberung helfen: Wer sollte als nächstes ausgeschlossen werden? Geben Sie Ihre Stimme(n) in der Umfrage rechts oben auf der Seite ab.

Ach ja, da war ja noch die letzte Umfrage, deren Ergebnis sich leicht zusammenfassen lässt: Wer 30 Euro ausgibt, um Mario Barth zu sehen, ist bescheuert oder hat zuviel Geld und Zeit, dafür aber einen beklagenswerten Mangel an Geschmack (was sich ja alles nicht gegenseitig ausschließt), meinten 81% der Teilnehmer. Ein gutes Viertel war der Meinung, dafür gebe es eigentlich keine nachvollziehbare Erklärung; und einer vermutete fremde, dunkle Mächte dahinter. Aber diese Mächte müssen schon ziemlich verzweifelt sein, wenn sie sich Mario Barths bedienen.

Samstag, 2. August 2008

Claus Kleber reloaded

Schön, wenn man nicht ganz alleine mit seiner Meinung steht. Vor wenigen Wochen habe ich mich darüber echauffiert, wie das "heute-journal" Kampagnenjournalismus betreibt, als Claus Kleber und seine Crew Gregor Gysi mal wieder durchs Dorf trieben. Dieser wehrte sich vor Gericht gegen die manipulative Berichterstattung des ZDF - und bekam vor dem Oberlandesgericht Hamburg nun recht.

Die Richter bemängelten, dass das ZDF Aussagen von Marianne Birthler dergestalt in den Beitrag geschnitten habe, dass der Eindruck entstanden sei, sie hätte sich mit den Worten "in diesem Fall" auf einen Bericht bezogen, der in der vorigen Einstellung thematisiert worden war - in dem es aber um etwas anderes ging. Andere Umstände, die Gysis Position gestützt hätten, seien "lediglich unvollständig und als Argumente des Antragsstellers vorgestellt" worden, "wohingegen belastendes Material eingeblendet und [...] plastisch veranschaulicht" werde. Fazit des OLG: Das ZDF habe "nur sehr oberflächlich recherchiert". (Az: 7 W 73/08) Selbstverständlich hat das ZDF sofort Widerspruch eingelegt - mit GEZ-Gebühren lassen sich notfalls schließlich auch endlose Prozesse führen.

Schlampige Recherche also - das sehe ich wiederum leicht anders als die Richter, und ich wage mal die Behauptung, mich in der Materie ein wenig auszukennen. Die "heute"-Redakteure wissen mit Sicherheit, wie man recherchiert; beim Nachrichten-Flaggschiff des ZDF erstellen bestimmt keine Praktikanten die Beiträge. Wer indes in die eine Richtung intensiv recherchiert, in die gegenüberliegende aber nicht, arbeitet nicht schlampig, sondern manipulativ. Und auch die Mängel beim Zusammenschnitt, die die Richter betonten, waren wohl kaum als Fauxpas zu bezeichnen. Denn einen Schnitt einzubauen, der den Inhalt verzerrt, ist ein ziemlicher Anfängerfehler - und ich weigere mich zu glauben, dass beim "heute-journal" blutige Anfänger arbeiten. Außerdem werden die entsprechenden Redakteure den Beitrag ja vor der Ausstrahlung zu Gesicht bekommen haben.

Ohne mich hier in Verschwörungstheorien verwickeln zu wollen: Das Credo des "heute-journal"-Beitrags, Gysi als Stasi-Helfer bloßzustellen, stand mit Sicherheit längst fest, bevor sich die Redakteure an die Arbeit gemacht haben. Argumente, die den Linke-Politiker entlasten, sind da nur störend. Oder, wie es bei manchen Journalisten mitunter so schön heißt: "Ich lasse mir doch von ein paar lumpigen Fakten nicht meine schöne Geschichte kaputtmachen!"

Freitag, 1. August 2008

Verarmte Multimilliardäre

Die Regierung von Simbabwe - zur Erinnerung: das ist das Land, in dem sich der Diktator Robert Mugabe mit Gewalt und Terror an der Macht hält - gab in der letzten Woche erstmals 100-Milliarden-Dollar-Banknoten heraus. Viel kaufen konnte man dafür nicht, der Gegenwert betrug gerade mal eine Handvoll Orangen. Denn die Inflation in dem schwarzafrikanischen Land hat ein aberwitziges Tempo angenommen: Derzeit beträgt sie rund zwei Millionen Prozent.

Die Bande um Mugabe hat eine, nun ja, höchst eigenwillige Form der wirtschaftlichen Konsolidierung entwickelt. Zunächst einmal wurden fixe Verkaufspreise für bestimmte Produkte, etwa Brot, festgelegt. Dumm nur, dass die Herstellungskosten aufgrund der galoppierenden Inflation im nächsten Augenblick weit über dem Verkaufspreis lagen und die Betriebe nun reihenweise die Produktion einstellen. Arbeiten lohnt sich ohnehin nicht, wenn ein Busticket teurer ist als ein Monatslohn - und das in einem Land, in dem die Arbeitslosigkeit sowieso schon rund 80 Prozent beträgt.

Damit trat Plan B in Kraft: Bei der Landeswährung wurden einfach zehn Nullen gestrichen. Aus 100 Milliarden Dollar wurden per Erlass wieder 10 Dollar. So einfach geht Inflationsbekämpfung in einem Land, das vor den Augen der Weltöffentlichkeit vor die Hunde geht. Denn medial ist das Thema allmählich ausgeschöpft - die Ereignisse rund um die manipulierte Wahl waren noch hier und da einen Aufmacher wert; Blut ist schließlich immer gut. Die aktuellen Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition sind auch noch verwertbar, ist ja schließlich Politik. Aber einfach nur über verarmte Afrikaner zu berichten . . . nee, ist vielen zu langweilig, selbst mitten im tiefsten Sommerloch.

Es sei denn natürlich, man peppt das Thema Simbabwe ein wenig auf. Zum Beispiel mit Fußball.

Mitgliederschwund bei der SPD hält an - nun auch Clement

Tja, damit hat der gute Mann wohl nicht mehr gerechnet: Die SPD schmiss den ehemaligen Superminister und NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement aus der Partei, und das schon ein halbes Jahr nach dem entsprechenden Anlass.

Damit verliert die einstige Arbeiterpartei ihren wohl letzten hochrangigen Proleten, der ein Bier in wenigen Sekunden hinunterschütten konnte, dem Volk schon mal den Stinkefinger zeigte und von seinen Mitarbeitern als "Wüterich" bezeichnet wurde. Aber ich denke, die SPD wird sich von diesem Verlust erholen. Falls sie sich überhaupt je erholt, heißt das.

Clement selbst muss der Partei nicht allzu gram sein - schließlich befindet er sich nun in guter Gesellschaft. 1916 schmiss die SPD gar ihren Vorsitzenden Hugo Haase hinaus. In den 70er Jahren war vorübergehend der spätere Generalsekretär Klaus Uwe Benneter ausgeschlossen worden. Vor kurzem folgten Klaus Ernst und Detlev von Larcher. Allerdings wurden alle diese Männer aus der Partei geworfen, weil sie Linksabweichler waren. Clement, der Vater des Minijobs und heutige Energielobbyist, ist der erste geschasste Parteisoldat, der zu weit nach rechts driftet - obwohl das nicht der direkte Grund für den Ausschluss war.

Gibt es also doch noch Hoffnung für die Partei? Besinnt sie sich gar auf ihre sozialdemokratischen Wurzeln und sortiert nun Rechtsabweichler aus? Mitnichten. Am linken Rand gibt es nur einfach niemanden mehr, der querschiessen könnte; die sind mittlerweile alle in der Linkspartei. (Für weitere potentielle Ausschluss-Kandidaten siehe die Umfrage rechts oben.) Und Clement? Keine Sorge - dem eröffnen sich neue Möglichkeiten in einer Partei, die offenbar jedem unerwünschten Politiker ein Angebot unterbreitet.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Fehler 404: Diese china-unfreundliche Seite konnte nicht gefunden werden

Lange nichts mehr über Olympia und das amöbenhafte, weil rückgratlose IOC geschrieben. Da kommt mir doch die Meldung recht, dass Peking - was Wunder! - trotz früherer Zusagen nun doch den Internetzugang für Journalisten einschränkt, womit natürlich nie jemand gerechnet hätte. Die Begründung der Chinesen ist vom Feinsten: Der gefilterte Zugang, den die Zensoren gewähren, sei für die Arbeit der Journalisten völlig ausreichend - schließlich seien nur ein paar Webseiten mit nicht sportthematischen Inhalten gesperrt, etwa die von Amnesty International. Das IOC nickte diesen schamlosen, wenngleich wenig überraschenden Wortbruch nicht nur eilfertig und dienstbeflissen ab - nein, sie wirkten auch noch mit.

Noch vor wenigen Tagen verstiegen sich IOC-Präsident Jacques Rogge und sein Pressechef Kevan Gosper zu der Behauptung, es gebe keine Internet-Zensur mehr in China. In was für einer Welt leben diese Männer eigentlich? Schon Rogges vor einigen Monaten verzweifelt hervorgestammelte Aufforderung an Peking, doch bitteschön jetzt mal mit den vereinbarten Menschenrechtsverbesserungen zu beginnen, wirkte derartig weltfremd, dass man sich fragen muss, ob der Mann noch bei Trost ist. Und das betrifft nicht nur Rogge: Auch Gosper beklagte sich nun, das Olympische Kommitee sei ohnmächtig - das chinesische Regime lasse sich halt nicht vorschreiben, ob es das Internet zensiere oder nicht.

Kleine Anmerkung meinerseits: Das hättet ihr auch vorher wissen können. Ein Blick ins Internet hätte gereicht. Aber wenn man selbst sowieso nur Sportseiten anklickt, wird das eben nichts.

Ein Auge riskieren wir - oder auch gleich mehrere

Erst die Übernahme der Quick Reaction Force, dann die geplante Aufstockung der Afghanistan-Truppe um 1000 Soldaten, nun die Awacs-Flüge - die Vernebelungs-Strategie von Verteidigungsminister Franz Josef Jung, der solch gravierende Vorhaben mit Vorliebe irgendwann einmal nebenbei kundtut, wenn der entsprechende Entschluss schon längst feststeht, scheint sich zu bewähren. Im aktuellen Fall war der Nato-Plan mit den Awacs-Maschinen schon seit März in Berlin bekannt - schön, dass wir's im Juli dann auch mal erfahren haben. Aber die zeitliche Verzögerung, die jetzt zum medialen Einweg-Aufreger mutiert, scheint mir vernachlässigbar zu sein - wenn man die peu à peu immer enger werdende Komplizenschaft Deutschlands am Krieg in Afghanistan dagegen hält.

Aber zunächst: Was ist eigentlich ein Awacs-Flugzeug? Ein Boeing-Jet mit einer unförmigen Antenne auf dem Buckel, bei dem man sich unwillkürlich fragt, wie das ganze Ding eigentlich noch fliegen kann. Diese Maschinen dienen der Luftraumüberwachung und sollen nun - mit deutschen Besatzungsmitgliedern - in Afghanistan zum Einsatz kommen, um frühzeitig vor Angriffen durch die Taliban-Luftwaffe zu warnen.

Sehr
frühzeitig allerdings, denn die Taliban besitzen keine Flugzeuge . . . die einzigen feindlichen Luftbewegungen, die es am Hindukush gibt, sind von der Schulter abgefeuerte Boden-Luft-Raketen, und um denen auszuweichen, hilft auch kein Awacs-Flugzeug.

Aber lieber vorbeugen als heulen! Vielleicht entwickeln die Gotteskrieger ja im Geheimen eine eigene Luftmacht. Sie könnten etwa mit Ballonbomben anfangen und sich langsam bis zur Entwicklung von Stealth Bombern vorarbeiten. Und bis es soweit ist, kann man ja die Lufträume Irans und Pakistans überwachen, nicht wahr? Wer weiß, wozu man's mal brauchen kann.