
Möchte mal wissen, wer schließlich die Idee hatte, dass die Spuren ja auch aus der Fabrik stammen könnten, die die Wattestäbchen herstellte. Vermutlich die Putzfrau, die klarer denkt als alle Ermittlungsbeamten, die zu viele schlechte Hollywoodthriller gesehen haben und die sich solche unqualifizierten Einmischungen in ihren Fachbereich normalerweise verbitten. Für die Möchtegern-Colombos ist die Geschichte nun hochnotpeinlich. Vermutlich hoffen sie inständig, die Arbeiterin, von der die DNA stammt, in den nächsten Tagen zu enttarnen - tagsüber eine ganz normale Wattestäbchenfachverpackerin und des nachts die mordlüsterne Schwerverbrecherin mit der Heroinspritze in der einen und einer Keksschachtel in der anderen Hand. Da das aber kaum zu erwarten ist, kriegen sie's jetzt erstmal knüppeldick von den Medien. Wenn sich die Wogen von Häme und Spott demnächst aber wieder gelegt haben sollten, hoffe ich, dass mal grundsätzlich über den Umgang mit der DNA-Analyse nachgedacht wird.
Keine Frage, dass die DNA-Analyse ein unglaublich wichtiges Instrument bei der Aufklärung von Verbrechen darstellt. Aber wenn sich diese Spuren jahrzehntelang halten, stellt sich natürlich irgendwann die Frage nach dem Unschuldsprinzip. Denn Hautschuppen von Unbeteiligten landen nicht nur beim Verpacken von Wattestäbchen in den Polizeilabors, sie können auch so an irgendwelchen Tatorten gefunden werden - und was dann? Muss man demnächst ein Alibi vorweisen können, wenn der Taxifahrer überfallen wurde, mit dem man vor drei Wochen mitgefahren ist? Sollte man angeknabberte Kekse überhaupt noch im Café liegenlassen? Diese Problematik ist natürlich längst bekannt, aber ich frage mich, ob man sich wirklich schon richtig damit auseinandergesetzt hat. Denn es gilt, solche Pannen wie beim "Phantom" zukünftig zu vermeiden.
Im Übrigen frage ich mich, wann der erste Innenminister aus dem Falle des "Phantoms" die Forderung nach flächendeckender Erhebung von DNA-Profilen erhebt. Na, vielleicht wird's noch bis nach der Bundestagswahl dauern.